Beobachtungen am Rande der Böblinger Songtage

Witzige, skurrile und charmante Beobachtungen am Rande der Böblinger Songtage

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    Lola Lothert (M.) ist mit ihrer Tochter Paula Eckhardt (am Handy) extra aus Berlin angereist, um Martin Bechler (l.) und Fortuna Ehrenfeld zu erleben

Artikel vom 05. August 2019 - 22:06

BÖBLINGEN (edi). Die Böblinger Songtage sind ein Festival, bei dem es eine Menge zu entdecken gibt. Auf der Bühne sind das die Künstler, von denen manche nur wenigen bekannt sind. Aber auch abseits der Bühne gibt es Witziges, Liebenswertes und zum Teil auch recht Skurriles zu beobachten.

Achtung, fliegender Delfin: Für einen Großteil der skurrilen Momente sorgt quasi im Alleingang Martin Bechler mit seiner Band Fortuna Ehrenfeld. Was den Zuschauern in den hinteren Reihen verborgen bleibt, ist die Aufmachung des Sängers, die längst zum Markenzeichen geworden ist: Blaukarierter Schlafanzug und klobige Bärenfell-Pantoffeln. Wie Bechler es schafft, mit den Tatzen am Boden treffsicher die Tasten seines Effektgeräts zu treffen, bleibt sein Geheimnis. Weniger rätselhaft, dafür um so spaßiger ist ein rosafarbener, aufblasbarer Delfin. Das Schwimmtier liegt zu Beginn des Auftritts wie ein Maskottchen zwischen Keyboard und Drums auf der Bühne. Später entwickelt es ein Eigenleben, als es zum "Crowdsurfring" ins Publikum geworfen und dort zum Bad in der Menge über alle Köpfe hinweggeschleudert wird.

Erst Rampenlicht, dann Fan: Ein charmantes Phänomen der Songtage ist die gegenseitige Wertschätzung, die die Künstler sich hier entgegenbringen. Trotz teils vehementer "Zugabe"-Rufe des Publikums machen die Vor-Gruppen bereitwillig die Bühne frei, um den jeweils nachfolgenden Künstlern keine wertvolle Spielzeit zu stehlen. Wer mit seinem Auftritt fertig ist (oder noch darauf wartet), mischt sich ins Publikum, genießt die Musik und jubelt kräftig mit.

650 Kilometer für ein Selfie: Die Songtage haben offenbar eine starke Anziehungskraft auf Fans aus allen Teilen der Republik und darüber hinaus. Schon am Donnerstag lockt der Auftritt von Sarah Lesch Fans aus Straubing nach Böblingen, am Freitag bringt das Duo Steiner und Madlaina Anhänger aus der Schweiz mit und Lola Lothert ist mit ihrer Tochter Paula Eckhardt extra aus Berlin gekommen, um am Samstag Fortuna Ehrenfeld zu sehen. Die Band hatte im Mai in der Hauptstadt gespielt. "Ich war bei euch im Konzert und seitdem bin ich Fan", erzählt die Mutter und stellt sich für ein Selfie am Merchandising-Stand neben Sänger Martin Bechler. Das Foto macht ihre Tochter. Die anderen Künstler der Songtage interessieren sie eigentlich nicht, räumen die beiden freimütig ein, dass sie die rund 650 Kilometer extra für Fortuna Ehrenfeld gefahren sind. "Wir sind mit dem Camper runtergefahren und haben unseren Urlaub um dieses Konzert herum geplant", erzählen die beiden.

Captain Kirs Thermomix-Orgel: Auch wenn bei einem Liedermacherfestival eher das Wort und handgemachte Musik im Mittelpunkt stehen, sind die Songtage seit jeher auch eine Bühne für Klangbastler und Technik-Freaks. So war das schon bei der ersten Auflage im Jahr 2014, als Loop-Maschinen noch nicht zur Grundausstattung jedes Straßenmusikers gehörten. Auch Axel Nagel, der am Samstag den Abschlusstag eröffnet, bringt immer wieder seine Loop-Maschine ins Spiel, um live auf der Bühne Gitarren-, Rhythmus- und die eigene Gesangsbegleitung einzuspielen. Klanglicher Höhepunkt ist aber Nagels Einsatz eines Theremins oder Thereminvox (nicht zu verwechseln mit dem ähnlich lautenden Küchengerät). Der esoterische Sphärensound dieses vor fast 100 Jahren entwickelten Musikinstruments, entsteht völlig berührungslos über ein elektromagnetisches Feld. Die singend-summenden Töne wecken Assoziationen an alte "Raumschiff Enterprise"-Folgen.

Mit Weitsicht: Der Esslinger Thomas Neumann fotografiert für das Hi-Fi-Magazin "Hörerlebnis". Der Fachjournalist begleitet die Songtage seit ihren bescheidenen Anfängen und ist voll des Lobes fürs Festival und für Organisator Andreas Wolfer. "In ein paar Jahren sind das 1000 Leute hier. Da werden die dann auf zwei Bühnen spielen", hatte er vor vier Jahren prophezeit - und sollte damit gar nicht so falsch liegen. Über drei Konzertabende verteilt waren tatsächlich fast 1000 Gäste hier.

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