Lieblingmensch der Fans: Namika in Herrenberg

Popsängerin Namika singt sich auf dem Herrenberger Marktplatz in die Herzen der Fans

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    Ganz vorne mit dabei: Sugra und Ceylin sind große Namika-Fans und haben ihr selbstgemachtes Plakat mitgenommen. Die Sängerin sah das Plakat und winkte den beiden sogar zu
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    Mit ganz viel Gefühl: Sängerin Namika begeistert mit ihren Songs Fotos: Gaetano Di Rosa

Namika ist nach ihrer abgeschlossenen "Que Walou"-Konzerttour nun auf den Festivalbühnen der Republik unterwegs.

Im Rahmen der "Sommerfarben" macht die Sängerin auch in Herrenberg Halt. Auf der Bühne im Herzen der Stadt rappt, singt und tanzt die Sängerin fröhlich. Dann gehen die Lichter plötzlich aus, alle halten die Luft an.

Artikel vom 15. Juli 2019 - 18:30

Von Simone Mücke

HERRENBERG. Vorne auf der Bühne steht sie; ganz natürlich, bodenständig und entspannt: Sängerin Namika singt ihre Lieder in gemütlichen Leinenhosen, lässiger Messy-Bun-Frisur und niedlicher Rundbrille. Trotz ihres Erfolgs wirkt sie wie jeder andere Mensch, der sich in Herrenbergs Altstadt ihretwegen versammelt hat. Sie tanzt, sie hüpft, lacht und singt und steckt mit ihrer guten Laune den ganzen Marktplatz an. Auch das Publikum singt und springt mit, denn wenn Namika auf der Bühne wirbelt, bleibt niemand lange still stehen.

Aber auch ernste Themen greift sie in ihren Liedern auf. Herzergreifend singt sie über ihren verstorbenen Vater: "Ich habe ihn selbst nie kennen gelernt und kenne nur die Geschichten. Aber es fühlt sich an, als wäre dieses Lied unvollständig", erklärt sie dem Publikum davor. Von der Begegnung ihrer Eltern in Marokko bis zu seinem Tod erzählt sie von einem Vater, der nie für sie da war. "Wie die Zeit auch verstreicht, ein Teil von ihm bleibt. Ahmed 1960 bis 2002" singt die Sängerin - dann klingt die Musik aus, und auch die Lichter erlöschen auf der Bühne. Das Publikum hält mit der Sängerin den Atem an, bevor ein dramatischer instrumentaler Teil das Lied beendet. Unvollständig bleibt in dem Sinne also das Lied, weil es nur eine Seite der Geschichte zu erzählen gibt und das setzt Namika mit diesem Gänsehautmoment treffend um.

Namika gibt auf ihrem Konzert am Samstagabend auf dem Herrenberger Marktplatz mit ihren Liedern ein weites Spektrum an Emotionen weiter - darunter auch Gelassenheit. Die brauchen sowohl die Künstlerin und ihr Publikum als auch die Veranstalter, denn wegen eines großflächigen Stromausfalls verzögert sich der Konzertbeginn zunächst um eine halbe Stunde. Ursache sind zwei schadhafte Erdkabel. "Gegen 14 Uhr ging gar nichts mehr", erklärt Ulrike Kuder, Abteilungsleiterin Kultur im Herrenberger Rathaus. "Das dauerte etwa so eine Stunde. Dann hat sich nach und nach alles wieder eingeschaltet. Die Bühne ging noch vor den Lichtern im Rathaus wieder an", ist Kuder erleichtert, dass am Ende alles gut geht.

Viele Familien mit Kindern tummeln sich vor der Bühne. Von den Fachwerkhäusern um den Marktplatz herum schauen einige privilegierte Anwohner direkt auf das Geschehen unter sich. Im Publikum mit dabei sind Sugra und Ceylin. Die beiden Elfjährigen haben eigens für das Konzert die Worte "Namika ist die Beste" auf ein Plakat gemalt.

Als die Frankfurter Rapperin, Songschreiberin und Sängerin die Bühne betritt ist der Jubel riesig. Sie startet ihr Konzert direkt mit zwei Liedern mit deutsch-marokkanischen Texten - "Mashakeel" und "Que Walou". "Que Walou" ist nicht nur der Name ihres zweiten Albums, sondern auch eine Redewendung aus dem in Zentralmarokko geläufigen Berberdialekt Tamazight. Es steht im positiven Sinne dafür, dass etwas sehr leicht gefallen ist. Genau so präsentiert sich auch die Sängerin bei ihrem Auftritt: Alles wirkt leicht und scheinbar mühelos.

Mit ihrem Song "Namika" stellt sie ihr Talent fürs Rappen unter Beweis und buchstabiert dabei ganz nebenher musikalisch ihren Namen - damit auch der Letzte weiß, wie man gute Stimmung schreibt. Eben einfach dreisilbig mit Na-Mi-Ka.

"Herrenberg seid ihr wach?", ruft Namika und die Menge tobt: Herrenberg ist "hellwach" und singt lauthals mit. Vor allem bei dem Lied "90s Kids" gehen viele im Publikum auf nostalgische Zeitreise mit der im Jahr 1991 geborenen Sängerin. Sie fragt das Publikum, wer auch einen Gameboy hatte und die besten Spiele für die Konsole werden begeistert ausgerufen. Das verbindet.

Namikas Musik ist ebenso grenzenlos wie genrelos

Die Lieder aus ihren beiden Alben sind Kapitel aus ihrem eigenen Leben und Themen, mit denen sie sich beschäftigt, aber sie sind ebenso individuell wie auch universell, denn mit vielen Themen kann sich auch das Publikum identifizieren. Ihre Musik ist grenzenlos und genrelos. Egal ob melancholisch-langsame Balladen, ausdrucksstarker schneller Rap und Poplieder - mal chillig mal berührend oder fetzig.

Nach einigen wachrüttelnden Songs legt sie für sich und das Publikum eine kleine Verschnaufspause - langsameren Liedern ein. Die Stücke werden von ihrer Backgroundsängerin als "eine Reise durch die Tiefen der Emotionen" passend beschrieben. Eine Frau aus dem Publikum ist offenbar schon sehr bereit für diese Reise: Sie lacht laut auf und ruft "Sie fühlt es schon. Sie fühlt's!" nach vorne. Namika ist begeistert.

Dann erzählt die Sängerin ihre ganz persönlichen Geschichten, singt über Identität, Herkunft und Familie. Der Titel "Hände", ist ihrer Großmutter gewidmet. Aber Applaus für alle Großmütter und Großeltern gibt es auch vom Publikum und alle Hände werden in die Luft gestreckt und wiegen mit im Takt. "Grüße auch an Farid", ruft die Sängerin bevor sie den Rap-Stil des Sängers Farid Bang souverän und locker übernimmt.

Nach Marokko nimmt die gebürtige Frankfurterin das Publikum in "Nador" mit. Der Titelsong ihres Debütalbums erzählt von ihrer Zerrissenheit, wenn sie durch die Straßen der Herkunftsstadt ihrer Eltern wandert und sich dort wie eine Fremde fühlt. "Wenn sie kommen" handelt von Orten, an denen Armut und Not schon kleine Jungen in die Kriminalität zwingt. In die Rolle eines flüchtenden Straßenjungen schlüpfen auch die Zuhörer bei einem "kleinem Animationsprogramm", wie Namika es nennt. Das Publikum duckt sich - wie der Junge, der sich verstecken muss - und springt dann zum Refrain hoch, wenn die Polizisten kommen.

Als sich bei ihrem Hit "Lieblingsmensch" alle verliebten Pärchen in den Armen liegen, fasst sich die Sängerin ergriffen ans Herz. "Ein Bild für die Götter. Ihr seid so süß," sagt sie entzückt. Steffen Müller und Verena Bierig, beide aus Herrenberg, sind von der Sängerin genauso begeistert. "Namika scheint eine ganz liebe und sympathische Person zu sein", meint er und sie fügt hinzu: "Wir kannten gar nicht so viele Lieder von ihr, aber es war einfach toll, dass in Herrenberg was los ist."

Für ihre Fans bleibt die Sängerin einfach der "Lieblingsmensch"

Der letzte Song des Abends ist dann der Sommerhit des letzten Jahres. Den Nummer-1-Hit "Je ne parle pas français", singt das Publikum so textsicher mit, dass Namika den Refrain nur mit einigen Worten begleitet. "Herrenberg, wie toll seid ihr eigentlich?" lacht sie begeistert und macht ein kleines Tänzchen mit ihrer Backgroundsängerin. Die Rufe für eine Zugabe sind so laut, das Namika sich nur zu ihrer Band umdreht und dann entscheidet: "Wir bleiben einfach gleich hier oben." Nach der Remix-Version der Songs "Je ne parle pas français" "Phantom" und "Mailbox" - laut Namika der "Rausschmeißsong", beendet die Sängerin das Konzerte mit den Worten "Bleibt gesund und tut, was ihr liebt". Dann verlässt sie unter tosendem Applaus die Bühne.

Nach dem Konzert sammeln sich viele der ganz jungen Fans vor dem Bürgeramt, direkt hinter der Bühne und rufen im Chor "Na-mi-ka!" Sie hoffen auf ein Autogramm. Die Künstlerin lässt ihre jungen Fans nicht mit leeren Händen nach Hause gehen und erscheint tatsächlich noch, um fleißig Autogramme zu verteilen. Auch Sugra und Ceylin sind dort, um ihr Plakat signieren zu lassen. Vom Konzert sind die zwei ganz begeistert: "Sie hat uns sogar zugewunken und Luftküsschen fliegen lassen," berichtet Ceylin schwärmerisch. Sie findet es toll, dass die Sängerin so nah zu sehen war und jetzt Autogramme gibt. Für ihre Fans bleibt Namika einfach der "Lieblingsmensch".

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