Herrenberger steht wegen versuchten Mordes vor Gericht

Prozess vor Stuttgarter Landgericht

  • img
    Symbolbild: Archiv

Artikel vom 21. März 2019 - 11:00

Von Bernd S. Winckler

HERRENBERG. Enttäuschte Richter der Jugendstrafkammer am Stuttgarter Landgericht: Der 19-Jährige, der in Herrenberg von einem 20-Jährigen fast zu Tode gewürgt und mit seinem Kopf brutal auf den Bordstein geschlagen worden sein soll (die KRZ berichtete), kann im Zeugenstand nichts mehr von dieser Sache mitteilen. Ob sein Filmriss die Folge des Alkohols ist, oder andere Gründe vorliegen? Diese Fragen blieben am zweiten Verhandlungstag unbeantwortet.

In dem Verfahren in Stuttgart geht es um einen beinahe tödlichen Vorgang in der Nacht zum 1. September vergangenen Jahres in der Herrenberger Innenstadt. Nach dem Besuch einer Tanzbar soll der 19-Jährige mit dem Angeklagten in Streit geraten sein. Dann habe der 20-Jährige den betrunkenen 19-Jährigen um dessen Handy und einen Bargeldbetrag beraubt und laut Anklage versucht, ihn nahe der Herrenberger Reithalle durch Erwürgen und Aufschlagen seines Kopfes auf den Bordstein umzubringen. Zuvor habe sich das Opfer noch entkleiden müssen. Der bewusstlose Schwerverletzte wurde schließlich unter einer Baumgruppe von einem Fußgänger gefunden und nach Hause und anschließend ins Herrenberger Krankenhaus gebracht. Für den Ankläger sei der Tatbestand des versuchten Mordes durch Verdeckung erfüllt. Er sei davon ausgegangen, dass sein Opfer bereits tot sei.

Opfer und Täter standen unter Alkoholeinfluss

Doch der 19-Jährige, der mit einer Gehirnerschütterung und multiplen Prellungen den Angriff glimpflich überstanden hatte, hat hinsichtlich dieses brutalen nächtlichen Erlebnisses am zweiten Verhandlungstag im Zeugenstand der Stuttgarter Strafkammer keine Erinnerung mehr. Das hat die Richter überrascht. Er kann nur noch berichten, dass er in der fraglichen Nacht mit Freunden gegen 22 Uhr in eine Herrenberger Tanzbar ging. Und dass er dort einen anderen Bekannten gesehen habe. Ob es sich dabei um den 20-jährigen Angeklagten handelte, weiß er nicht.

Er selbst war, wie auch nach den Feststellungen eines Gutachters der Angeklagte, schlichtweg betrunken. Der 19-Jährige weiß noch, dass es mit irgendjemandem plötzlich Streit gab. Richtig erinnern kann er sich ansonsten daran, dass er sich in der Nähe der Reithalle auf den Boden legen musste und dabei bedroht wurde. Ergo befand er sich in einem Zustand, dass er als Zeuge zur Aufklärung der Tat nichts beitragen kann.

Sicher scheint: Für den 19-Jährigen war es eine reine Lebensrettung, dass er danach gefunden und ärztlich versorgt wurde. Laut Anklage hätten nämlich durch das Schlagen des Kopfes auf den Bordstein schwerste Hirnverletzungen entstehen können. Auch während der Bewusstlosigkeit hätte er am eigenen Blut im Mund ersticken können.

Der beschuldigte 20-Jährige hat am ersten Prozesstag vergangene Woche zwar ausgesagt, dass er niemals den Tod des 19-Jährigen in Kauf genommen hätte und dass der 19-Jährige auf dem Boden sitzend auch nicht bewusstlos war. Er habe sich mit ihm sogar noch unterhalten, ehe er vom Tatort flüchtete. Nicht erklären konnte der Angeklagte hingegen, warum er die Kleidung des 19-Jährigen mitgenommen hat. Dass er aber betrunken und bekifft war, räumte er ein. An mehr will er sich auch nicht mehr erinnern können.

Mit weiteren Zeugenvernehmungen und zwei Sachverständigen zur Frage der Trunkenheit und der strafrechtlichen Verantwortlichkeit wird der Prozess am kommenden Montag fortgesetzt.

Verwandte Artikel