Behindertenarbeit im Wandel

Inklusive Fachtagung des Landesverband Lebenshilfe

Artikel vom 28. Februar 2019 - 16:18

GÜLTSTEIN (red). Anfang der Woche hat in Gültstein die inklusive Fachtagung des Landesverbandes Baden-Württemberg der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung stattgefunden. 80 Menschen mit und ohne Behinderung nahmen daran teil, um sich über das Thema "Behindertenhilfe im Wandel - Gestern, Heute, Morgen" zu informieren und auszutauschen.

Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung, welches die Geltendmachung und Durchsetzung der Rechte auf Selbstbestimmung, Diskriminierungsfreiheit und volle gleichberechtigte Teilhabe herausstell, trat 2009 in Kraft. Die inklusive Fachtagung ging der wesentlichen Frage nach, welchen Wandel die Behindertenhilfe bis heute durchlaufen, welche Auswirkungen das Übereinkommen entfaltet hat und in welchen Bereichen Nachholbedarf besteht.

Prof. Dr. Paul-Stefan Roß von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg/Center for Advanced Studies Heilbronn widmete sich in seinem Vortrag dem Thema "Inklusion - Was wurde erreicht? Was ist noch offen?". Er betonte, dass es wichtig ist, sich vom Fokus auf Defizite und Hilfsbedarfe zu lösen und den Menschen als Person sowie verwirklichte oder nicht verwirklichte Menschenrechte in den Blick zu nehmen. Er regte an, Kategorien von Normalität und Normabweichung mit Kategorien von Verschiedenheit und Vielfalt zu ersetzen. Die Umsetzung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung sei als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu betrachten und Menschen mit Behinderung seien in alle entsprechende Prozesse miteinzubeziehen.

Die Teilnehmer der Fachtagung äußerten den Wunsch, dass Menschen mit und ohne Behinderungen so neben- und miteinander leben, arbeiten und ihre Freizeit gestalten können, dass die Behinderung keine Auswirkung mehr hat. Mehrbedarfe sollen so ausgeglichen werden, dass alle dieselben Teilhabechancen und Entwicklungsmöglichkeiten haben. Hier schloss sich der Kreis zum Vortrag von Roß, der bezüglich des Wandels in der Behindertenhilfe konstatierte: "Zur Euphorie haben wir keinen Anlass. Aber zu Resignation kein Recht. Darum zum Weitermachen allen Grund."