Toleranz endet spätestens dort, wo Gewalt beginnt

Die Denkwerkstatt im Klosterhof macht gesellschaftliche Diversität zum Thema

Artikel vom 28. Februar 2019 - 12:48

HERRENBERG (red). Mit dem Kurzfilm "Tolerant? Sind wir selber!" der Heinrich-Böll- Stiftung hat die Denkwerkstatt vergangene Woche im Klosterhof begonnen. Etwa 30 Besucherinnen und Besucher mit und ohne Fluchthintergrund, Jugendliche und Erwachsene kamen zusammen, um über Toleranz, Respekt und Meinungsfreiheit nachzudenken. Das Projektteam Lampedusa calling und das Team Beteiligung und Engagement hatten eingeladen. Auch einige Teilnehmende aus dem Bündnis "Herrenberg bleibt bunt" waren vertreten.

Ob Deutschland insgesamt, Herrenberg oder eben auch die Klosterhofgemeinschaft: Alles wird vielfältiger. Die weltweiten Migrationsbewegungen genauso wie die vielfältigen Lebensweisen, Weltanschauungen und Religionen tragen dazu bei, dass es notwendig werde, tolerant und respektvoll miteinander umzugehen. Die Vielfalt und Freiheit zu schützen, sei Grundlage von Demokratie. So weit die Theorie und so weit auch das Verständnis der Teilnehmenden.

Und im Alltag? Zum Beispiel: "Ich laufe auf der Straße und ein Mann verprügelt seine Frau. Kann ich dann sagen, dass man das jetzt halt tolerant ertragen muss? Dann gehe ich hin und mische mich ein." Dass die Toleranz dort enden müsse, wo Gewalt eintrete - da waren sich einige in einer Arbeitsgruppe schnell einig. Aber ob es respektvoll sei und etwas bringe, dem Gewalttäter das Wort mit "A" zu sagen?

Hier war viel Gesprächsstoff und auch Information der Referierenden gefragt. Schnell wurde deutlich, dass respektloses Verhalten und die Eskalation von Konflikten an dem Punkt anfange, an dem sich jemand nicht mit den Interessen und Perspektiven seines Gegenübers befasst. Wenn jemand der Überzeugung sei, nur sein Urteil und seine Meinung sei die Richtige. In vielen Fällen komme es dann zu Respektlosigkeit in Worten und Verhalten. Dann würden Fronten entstehen und die Schritte von psychischer zu physischer Gewalt könnten schnell zu schlimmen Konfliktspiralen führen. Dieser Weg sei meistens schnell und einfach und entspreche oft der inneren Ungeduld. Die eigenen Vorurteile und Gewohnheiten zu hinterfragen und die anderen Positionen kennen zu lernen, dauere länger. Es kostet Zeit und Energie, immer wieder die eigenen Wünsche und Grenzen zu benennen und trotzdem die Freiheit und Rechte der anderen zu beherzigen.

Wer sich weiter in Toleranz und Respekt und im Leben von Vielfalt üben will, ist herzlich eingeladen zur nächsten Denkwerkstatt. Diese findet am Mittwoch, 14. März in Zusammenarbeit mit dem Integrationsmanagement in Gäufelden statt. Thema: "Pluralität und Integration - Andere Länder andere Sitten?!"

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