Umfrage zur Parkplatzsituation in Herrenberg

Die Kreiszeitung hat sich in der Herrenberger Innenstadt auf die Suche nach Lösungsvorschlägen gemacht

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    Ein neues Parkhaus auf der Freifläche an der Hindenburgstraße vor der Volksbank ist eine der Möglichkeiten, die dem Stellplatz-Chaos Abhilfe schaffen sollen Foto: Helmut Schilling
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"Katastrophe", "Abenteuer", "Glückssache" - die Parkplatzsuche in Herrenberg stellt so manchen Autofahrer vor große Herausforderungen. Insbesondere, wenn es sich um Berufspendler oder Besucher von auswärts handelt. Die Kreiszeitung hat sich in der Stadt umgehört und nach Lösungsvorschlägen gesucht.

Artikel vom 20. November 2018 - 16:36

Von Sandra Schumacher

HERRENBERG. Dienstag, 7.25 Uhr in Herrenberg. Rund um den Bahnhof suchen Berufstätige, Pendler und Besucher verzweifelt nach einem Parkplatz. Einige von ihnen drehen Runde um Runde, während die Uhr weitertickt. Manche haben Glück und erwischen noch eine versteckte Lücke irgendwo im P&R-Parkhaus, andere geben auf und stellen ihren Wagen in den angrenzenden Wohngebieten ab, bevor sie genervt zur S-Bahn oder ins Geschäft hetzen.

Um dem allmorgendlichen Wahnsinn entgegenzuwirken, plant die Stadt, neue Parkflächen zu bauen - beispielsweise auf der Grünfläche zwischen Volksbank und Albert-Schweitzer-Schule an der Hindenburgstraße. Weiterhin soll auch das P&R-Parkhaus am Bahnhof um mindestens ein Parkdeck aufgestockt werden und mit der Deutschen Bahn laufen Gespräche über den Bau eines weiteren Parkdecks auf dem Parkplatz auf der Südseite. Gleichzeitig sollen aber auch viele Parkplätze wegfallen. Bereits nicht mehr genutzt werden können die Stellplätze am Seeländer-Areal aufgrund der dortigen Baumaßnahmen (die Kreiszeitung berichtete) - Autofahrer können auf die Flächen an der Stadthalle oder an der Viehversteigerungshalle ausweichen. Auch die Längsparkplätze an den Hauptstraßen sollen im Zuge der Verkehrsoptimierung zur Stickoxid-Bekämpfung weichen. Stattdessen will die Stadt als Modellkommune des Bundes zur Verbesserung der Luftqualität vermehrt auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) setzen.

Pläne, die allesamt nicht über Nacht umgesetzt werden können. Und die Situation für die Besucher der Stadt kurzfristig somit nicht einfacher machen. "Es gibt viel zu wenig Parkplätze", sagt Laura Schächinger aus Nagold, die in Herrenberg arbeitet. "Momentan parken viele zwar an der Stadthalle, aber gerade wenn dort Veranstaltungen stattfinden, ist nichts mehr frei. Es fehlt eine große Stellfläche mitten in der Innenstadt." Das anvisierte Parkhaus an der Volksbank hält sie für einen Schritt in die richtige Richtung - und hätte auch gleich noch einen Vorschlag parat, wie das Angebot insbesondere für Kurzzeitparker attraktiver gestaltet werden kann: "In Nagold gibt es beispielsweise Parkplätze, bei denen die erste Stunde kostenfrei ist. Das würde ich mir auch in Herrenberg wünschen."

Ein bisschen Wehmut empfindet Martha Fischer aus Gäufelden beim Gedanken an ein neues Parkhaus an der Volksbank: "Es würde ja auf dem letzten grünen Fleck im Ort gebaut, das ist schon schade. Aber es will ja auch keiner mehr so weit in die Stadt laufen, und für die vielen Besucher sind die Parkplätze schon rar gesät." Marliese Gauß aus Kuppingen befürwortet die von der Stadt angedachte Aufstockung des P&R-Parkhauses am Bahnhof - und wenn die Stadt hier schon Geld in die Hand nehme, solle sie doch gleich in zwei neue Parkdecks investieren. "Viele Pendler nehmen ja die S-Bahn von hier aus in Anspruch, und das Parkhaus dort ist einfach zu klein. Spätestens ab 10 Uhr bekommt man dort ja nichts mehr." Die Folge: Viele Autofahrer weichen auf die angrenzenden Wohngebiete aus - oder nutzen Stellflächen, die eigentlich von anderen bezahlt werden.

"Die Parkplatzsuche hier ist echt brutal. Einige meiner Kollegen haben Parkplätze auf dem DB-Parkplatz am Bahnhof angemietet. Und es passiert immer wieder, dass diese von anderen Wagen belegt werden. Natürlich kann man sich dann bei der Bahn melden und die Leute müssen Strafe zahlen. Aber morgens, wenn man es ja meistens eilig hat, sind die Plätze dann trotzdem belegt", erzählt Dieter Geule aus Herrenberg. Er würde sich mehr Parkhäuser in den Außenbereichen der Stadt wünschen. "Von dort aus kann man problemlos in die Stadt laufen."

Evelyn Gentsch aus Kuppingen würde hingegen einen Ausbau des ÖPNV befürworten. "Die Fahrpläne der Busse sollten enger getaktet werden, beispielsweise könnte die Linie von und nach Kuppingen alle 20 Minuten fahren. Es wäre auch schön, wenn sie nicht nur bis zum Bahnhof, sondern mehr Haltestellen in der Innenstadt anfahren würde, dann könnte meine zehnjährige Tochter auch ohne Begleitung in die Stadtbibliothek fahren. Das ist so momentan nicht möglich." Insbesondere die Einzelhändler zeigen sich mit der derzeitigen Situation unzufrieden. "Dass die Parkplätze am Seeländer wegen der Baumaßnahmen weggefallen sind, macht die Situation nicht unbedingt besser", meint Andreas Koch von der Papyrus-Buchhandlung. "Das Parkhaus an der Volksbank würde Entlastung bringen, aber es muss schnellstmöglich realisiert werden." Ebenso sieht es Petra Köhler vom Dekoshop Gall& Zick. "Viele Kunden werden im Moment abgestoßen. Sie können zwar an der Stadthalle parken, wenn sie aber mit ihren Einkaufstaschen unterwegs sind, ist vielen der Weg zu weit." Das Parkhaus an der Hindenburgstraße sei eine gute Lösung - ebenso wie der Ausbau des ÖPNV. "Dann müsste es aber definitiv mehr Haltestellen geben."

"Jeder Kunde beschwert sich und kommt schon gestresst in den Laden, weil er das Auto kurz vor der Tür abschnellt und möglichst schnell wieder raus möchte", ärgern sich Amal Mahmoud und Meike Holzwarth vom "foto-markt". Für sie sind insbesondere an der Stadthalle zu wenig Parkplätze vorhanden. Und die Gebühren zu hoch. "Ich habe beispielsweise eine Monatskarte, finde dort aber häufig keinen Platz. Deswegen muss ich dann woanders parken und auch wieder extra bezahlen", sagt Amal Mahmoud, die für mehr und breitere Parkflächen plädiert.

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