Schleichverkehr muss draußen bleiben

Vorübergehend könnten Poller die Durchfahrt durchs Herrenberger Alzental verunmöglichen

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    Kommt die Durchfahrtssperre, freut sich die Bürgerinitiative vom Alzental Foto: Bischof/Archiv

Artikel vom 09. November 2018 - 15:06

Von Käthe Ruess

HERRENBERG. Die Theorie einem Praxistest unterziehen - dies könnte ab Mitte Januar nächsten Jahres im Herrenberger Alzental geschehen, wenn die Durchfahrt durch das Wohngebiet für mindestens vier Wochen, höchstens aber ein halbes Jahr, versuchsweise unterbrochen wird. Darüber, ob das Vorhaben in die Tat umgesetzt wird, entscheidet der Gemeinderat voraussichtlich in seiner nächsten Sitzung am 13. November.

"Wir wollen diejenigen erreichen, die mit dem Alzental eigentlich nichts zu tun haben", erläuterte Herrenbergs Oberbürgermeister Thomas Sprißler bei der Vorberatung zu der Thematik in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses.

Wie bereits mehrfach berichtet, beklagen die Alzental-Anwohner nicht nur die hohe Anzahl an Fremdparkern, sondern auch die vielen Fahrzeuge, die das Wohngebiet als "Abkürzung" zwischen Horber Straße und der B 296 (früher B 28) nutzen, um den Reinhold-Schick-Platz zu umgehen. Dass manche dabei "Bauchweh" haben, wisse er dabei sehr wohl. Aber durch den zeitlich begrenzten Versuch könnten mit begleitenden Zählungen Fakten gesammelt werden, die so mit Sicherheit einen Erkenntnisgewinn bringen.

Fußgänger und Radfahrer sind nicht betroffen

An zwei Stellen sollen Sperrelemente und bewegliche Poller die Durchfahrt stoppen: Erstens soll die Gültsteiner Straße zwischen den Einmündung Erhardt- und Markusstraße gesperrt werden und zweitens soll die Johannesstraße an der Einmündung zur Gültsteiner Straße abgehängt werden. Fußgänger und Radfahrer wären davon nicht betroffen. Spätestens nach einem halben Jahr wäre der Versuch beendet, auch weil dann eine Sperrung der Horber Straße wegen Umbau- und Sanierungsarbeiten, unter anderem für die Modellstadt-Maßnahmen anstehen.

Eva Schäfer-Weber (Frauenliste) findet es "klasse", dass der Versuch gewagt wird, obwohl sie als Alzental-Anwohnerin ebenso direkt von der Sperrung betroffen ist wie Grünen-Sprecher Jörn Gutbier. Es sei selbst sehr interessiert an den Ergebnissen des Tests, obwohl er ihn selbst eher als "Kabarettstück" betrachte, meinte Gutbier. Hermann Frank (CDU) konnte den Plänen dagegen nichts Positives abgewinnen und ordnete sie in der Kategorie "Schildbürgerstreich" ein. Aus Sicht seines Fraktionskollegen Hermann Horrer ließe sich das Problem auch mit entsprechenden Schildern lösen. SPD-Sprecher Bodo Philipsen mahnte dagegen, das Projekt mit entsprechender Ernsthaftigkeit anzugehen, auch als Signal, dass man die Sorgen der Alzentalbewohner ernst nehme.

Freie-Wähler-Sprecher Thomas Deines sprach sich grundsätzlich für die befristete Sperrung aus, auch "in Kenntnisnahme eines möglichen Scheiterns".

Kommt der Rettungswagen zu spät, gibt's auch keine Sperre

K.o.-Kriterium wäre für ihn, wenn es für den Rettungsdienst dadurch zu Problemen bei der gesetzlich einzuhaltenden Hilfsfrist, die in Baden-Württemberg 15 Minuten beträgt, kommen sollte. Den Standpunkt teile er, unterstrich Sprißler. Nach Kenntnis von Thomas Deines gibt es Zweifel daran, dass die angedachte Lösung praktikabel ist. Demnach hätte der Rettungsdienst einen Schlüssel im Fahrzeug, mit dem die Poller umgelegt werden könnten. Am nächsten Tag würden diese dann laut Ordnungsamtschef Dieter Bäuerle wiederaufgerichtet. Die Verwaltung will den Sachverhalt bis zur nächsten Gemeinderatssitzung klären.

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