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Neubaugebiet ohne Durchgangsverkehr planen

Herrenberg-Süd: Eine Bürgerinitiative macht sich für nachhaltige und zukunftsorientierte Wohnsiedlungs- und Verkehrspolitik stark

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    In Herrenbergs Süden sollen 45 Hektar Fläche bebaut werden. Eine Bürgerinitiative spricht sich nicht gegen die Bebauung des Areals aus, wohl aber dagegen, dass Durchgangsverkehr durch das Neubaugebiet fließen soll Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 05. November 2018 - 17:36

HERRENBERG (red/dih). Herrenberg plant im Süden der Stadt ein Neubaugebiet: auf rund 45 Hektar Fläche soll ein neues Stadtquartier entstehen, bei dem neben zwei Wohngebieten auch Flächen für Naherholung sowie Dienstleistungs- und Gewerbeflächen vorgesehen sind. Auf der Fläche könnten auf rund 16 Hektar Wohnbauland eines Tages 1600 bis 2000 Menschen leben (die KRZ berichtete). Die aktuellen Pläne der Stadt stoßen allerdings nicht in allen Bereichen auf Gegenliebe. Die "Bürgerinitiative Herrenberg Süd" hat sich dazu gegründet. Deren Mitglieder machen bereits jetzt deutlich, dass sie das künftige Neubaugebiet nur ohne Durchgangsstraße befürworten.

"Wir sind eine Bürgerinitiative für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Wohnsiedlungs- und Verkehrspolitik im Zusammenhang mit dem geplanten Wohnneubaugebiet Herrenberg-Süd. Entstanden ist diese Bürgerinitiative, nachdem bekannt wurde, dass die Stadt Herrenberg eine Durchgangsstraße durch die am dichtesten besiedelten Wohnneubaugebiete Herrenbergs mit später einmal 1400 Einwohnern bauen will", schreibt die Bürgerinitiative (BI) auf ihrer Homepage. Und weiter: "Wir wollen in Herrenberg-Süd keinen Durchgangsverkehr wie im Alzental mit seinen leidvollen Erfahrungen."

Mit der Forderung nach einer Durchgangsstraße blockiere man die nachhaltige und ökologische Zukunft Herrenbergs, schreibt BI-Sprecher Stephan Zerweck in seiner neuesten Pressemitteilung. "Wir wollen eine qualitativ hochwertige Entwicklung Herrenbergs unter Schonung unserer natürlichen Ressourcen und die Erhaltung des Naherholungsgebietes Oberes Gutleuthaustal - keinen Verkehrsmoloch. Wir schütteln den Kopf über die Kraftrhetorik der Stadtverwaltung und fordern dazu auf, verbal abzurüsten", formuliert er weiter. Und bekräftigt, dass die BI keineswegs das gesamte Vorhaben der Stadt in Frage stelle: "Herrenberg-Süd kann von unserer Seite aus ohne Verzug als vorbildliches Baugebiet mit nachhaltiger, ökologischer Verkehrskonzeption begonnen werden." Aus Sicht der BI scheitere die Entwicklung von Herrenberg-Süd nur an einer Durchgangsstraße, die dort vorgesehen sei. "Diese führt durch das am dichtesten besiedelte Wohngebiet Herrenbergs und soll als Ersatz für den gesperrten Durchgangsverkehr im Alzental und zur Entlastung des Reinhold-Schick-Platzes dienen. Die späteren 2000 Bewohner können sich nicht wehren", schreibt Stephan Zerweck weiter.

Laut einem von der Stadt in Auftrag gegebenen Verkehrsgutachten entlaste eine Durchgangsstraße durch Herrenberg-Süd die Horber Straße um lediglich 550 Fahrten an hausgemachtem Verkehr. Bei 15 700 Fahrten täglich sei das ein Unterschied von 3,5 Prozent. Zwerweck: "Zu behaupten, dass Herrenberg-Süd deshalb nicht einseitig angeschlossen werden könnte, ist schlicht abwegig."

2008 sei eine Straßenverbindung von der Nagolder Straße zur Horber Straße mittels Bahndammdurchstich im Schießtäle wegen Sicherheitsaspekten im Hinblick auf den Schülerverkehr im Schießtäle abgelehnt worden. Eine vergleichbare Gefährdung des Schülerverkehrs bestehe nun auch am Schulzentrum Längenholz mit 2900 Kindern zuzüglich der überwiegend jugendlichen Besucher von Freibad und geplantem Freizeitzentrum, so Stephan Zerweck. Trotzdem sei die Anbindung an die geplante Durchgangsstraße durch Herrenberg-Süd in der Vorlage zur Gemeinderatsentscheidung als positiv gewertet und den Gemeinderatsmitgliedern so dargestellt worden. "Das ist nicht nachvollziehbar - es sei denn, die Sicherheit der Schüler am Schulzentrum Längenholz wäre weniger wert als die der Schüler im Schießtäle."

Das Fazit und die Forderung der BI lautet: "Herrenberg-Süd: Ja, aber ohne Zerstörung durch eine Durchgangsstraße: Kein Alzental-2 in Herrenberg-Süd, auch nicht unter dem Vorwand einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme."

Über das Großprojekt Herrenberg-Süd berät am heutigen Abend der Technische Ausschuss des Gemeinderats und am 20. November der Gemeinderat. Falls das Gremium dabei die vorbereitende Untersuchung auf den Weg bringt, ist für den 17. Dezember eine Informationsveranstaltung für die Grundstückseigentümer vorgesehen.

Weitere Informationen der Bürgerinitiative unter http://www.bi-hs.de im Internet.
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