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Zwischen Indoktrination und Freizeitgestaltung

Schüler des Andreae-Gymnasiums forschen im Stadtarchiv Herrenberg zu Kindheit und Jugend während des Nationalsozialismus

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    Schüler des Andreae-Gymnasiums bei ihren Nachforschungen im Stadtarchiv Foto: red

Artikel vom 29. Oktober 2018 - 16:06

HERRENBERG (red). Zum Thema "Kindheit und Jugend während des Nationalsozialismus in Herrenberg" recherchierten 17 Schüler des Herrenberger Andreae-Gymnasiums mit ihrer Lehrerin Dr. Kerstin Arnold im Stadtarchiv.

Ausgehend von der Untersuchung Dr. Marcel vom Lehns zu "Herrenberg im Nationalsozialismus" und der gleichnamigen Ausstellung erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler anhand von Originalquellen vier Aspekte zum Thema "Kindheit und Jugend während des Nationalsozialismus in Herrenberg". So untersuchten sie die Selbstdarstellung und Funktion des 1941 in Herrenberg fertiggestellten Reichsarbeitsdienst-Lagers auf der Grundlage eines im Stadtarchiv aufbewahrten Foto-Albums des Lagers. Auch die Funktion des Schulunterrichts im Nationalsozialismus, der anhand zweier Schulbücher, eines Aufsatzes über die Funktion des Winterhilfswerks sowie eines Propagandahefts zum Versailler Vertrag erarbeitet wurde, kam zur Sprache.

Die zwischen 1937 und 1944 in Form eines etwa DIN-A4-Blatt großen, als Schmuckblatt gestalteten Kleinplakats erschienenen NS-Wochensprüche, die mit Zielen und Gedankengut den Nationalsozialismus bekannt machen und im öffentlichen Raum in einem Wechselrahmen ausgehängt werden sollten, dienten ebenfalls einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern als Quelle. Auf jedem Blatt war hier ein Ausspruch Hitlers, anderer Nationalsozialisten oder einer Persönlichkeit der deutschen Kulturgeschichte in grafisch ansprechender Form wiedergegeben. Sie haben sich in größerer Zahl im Ortsarchiv Gültstein erhalten.

Das letzte Thema widmete sich den NS-Jugendorganisationen zwischen Freizeitgestaltung und Indoktrination und nahm dabei einen Ausweis der Hitlerjugend (HJ), Fotos zur HJ und zum Bund deutscher Mädchen (BDM), ein Handbuch zum SA-Sportabzeichen und ein kleines Notizbuch in den Blick.

Nach Begrüßung durch Stadtarchivarin Dr. Stefanie Albus-Kötz und einer kurzen Archivführung teilten sich die Schülerinnen und Schüler auf die vier Themenstationen auf und bearbeiteten ihre Quellen anhand der von ihrer Lehrerin vorbereiteten Arbeitsaufträge. Für die meisten war es das erste Mal, dass sie wirklich mit Originalen aus einem Archiv arbeiten konnten. Sie werden nun jeweils einen kleinen Vortrag über ihre Ergebnisse verfassen, der im Unterricht präsentiert wird. Am Ende des Projekts soll zudem ein fertiges Unterrichtsmodul stehen, das auf dem Landesbildungsserver eingestellt werden und anderen Lehrkräften als Schablone zur Erarbeitung des Themas Kindheit und Jugend in der NS-Zeit dienen soll.

Wer alte Unterlagen, Briefe, Fotos oder Tagebücher im Stadtarchiv abgeben will, kann sich gerne unter der Telefonnummer (0 70 32) 95 46 33 0 oder per E-Mail unter archiv@herrenberg.de beim Archiv melden.
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