Herrenberg feiert seine Vielfalt

Die Lange Nacht der Kulturen würdigt Bewohner aus verschiedenen Ländern, die das Leben in der Gäustadt bereichern

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    Gemeinsam feiern und tanzen: Auf dem Place de Tarare tanzten die Mitglieder der albanischen Folkloregruppe aus Sindelfingen gemeinsam mit ihrem Publikum Fotos: Käthe Rueß

In herzlicher und entspannter Atmosphäre feierten am Samstagnachmittag und -abend viele Herrenberger Bürger sowie Besucher aus der Umgebung die kulturelle Vielfalt der Gäumetropole.

Artikel vom 07. Oktober 2018 - 19:00

Von Käthe Ruess

HERRENBERG. Über 50 beteiligte Vereine, Verbände, städtische Kultureinrichtungen und Ehrenamtliche hatten ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt, das sich auf mehrere Schauplätze in der Innenstadt verteilte. Der perfekte Herbsttag mit spätsommerlichen Temperaturen rundete die gelungene dritte Auflage der Langen Nacht der Kulturen, die inzwischen zumeist mit "LaKuNa" abgekürzt wird, ab.

Zusammen genießen: "Streuobst meets Culture" hieß es im Innenhof von Volkshochschule und Stadtbibliothek: Eine lange, weißgedeckte Tafel neben dem großen Laubbaum in der Platzmitte lud die Besucher aus vielen verschiedenen Nationen ein, miteinander ins Gespräch zu kommen, und festzustellen, dass Säfte und Seccos aus dem Obst heimischer Streuobstwiesen gut mit Speisen aus aller Welt harmonieren: Das großzügige Buffet, zu dem unter anderem Teilnehmer der VHS-Integrationskurse beigetragen hatten, lockte beispielsweise mit verschiedenem Gebäck, afrikanischen Reisgerichten, frittierten Bananen oder einem kunstvoll dekorierten iranischen Salat. Aber auch an anderen Stationen konnten die Besucher Bekanntschaft mit Spezialitäten anderer Länder und Kontinente machen: Griechenland, Türkei, Peru, Kamerun, Brasilien, Frankreich, Italien und Syrien galt es kulinarisch zu entdecken.

Zusammen staunen, schauen und feiern: Bunt und farbenfroh ging es auf den Bühnen auf dem Marktplatz und dem Place de Tarare zu: Dort führten unter anderem Folkloregruppen in landestypischen Trachten die klassischen türkischen, griechischen, albanischen und orientalischen Tänze auf.

Auch Tänzerinnen und Tänzern, die südeuropäisches und lateinamerikanische Temperament bei Flamenco und Tango Argentino zeigten, hatten ihren Auftritt vor zahlreichem Publikum. Außerdem gab es auch jede Menge Live-Musik: "Folklang", ein interkulturelles Orchester, das verschiedene musikalische Stilrichtungen miteinander vereint, unterhielt zum Abschluss auf dem Marktplatz, nachdem die Band "Uusikuu" dort bereits am Nachmittag Einblicke in den finnischen Vintage-Tango gegeben hatte.

Am Platz de Tarare dominierten dagegen am Abend die rhythmischen Klänge bei einer afrikanischen Tanz- und Trommelshow. Elektronische Beats waren dagegen ab dem frühen Abend im Klosterhof angesagt: Im dortigen Gewölbekeller feierten Herrenberger Jugendliche eine Party zur Musik von "Base X". Neben Musik standen auch Theater und Film auf dem Programm: "Unterwegs in Herrenberg" war das Inklusive Theater, das Theater aus dem Köfferchen hatte "Irgendwie anders" mit im Gepäck, in der St. Martinskirche ging "Der kleine Prinz" als musikalische Erzählung auf Reisen und im Kommunalen Kino wurden internationale Low- und No-Budget-Filme gezeigt.

Miteinander singen: Für alle, die den schönen Herbsttag lieber im Freien bei Lagerfeuerromantik ausklingen lassen wollten, war der Interkulturelle Garten im Schatten der Stadtmauer an der Schlossbergstaffel ein guter Ort: Dort luden Thomas Rose und die "Folkfriends" zum gemeinsamen Singen von Liedern von Hannes Wader und Co. ein. Eine Einladung zum Mitsingen hatte es auch bereits zuvor nachmittags im Otto'schen Garten gegeben: Kinder des Asylheims Berliner Straße und Esmeralda Diaz Ardila hatten kleine und große Besucher dazu eingeladen, gemeinsam deutsche Kinderlieder anzustimmen.

Oberbürgermeister Sprißler: "Frage nach dem Verbindenden ist wichtig"

Vielfalt leben: "Gemeinsamkeit lässt sich nicht verordnen", betonte Herrenbergs Oberbürgermeister Thomas Sprißler am Samstag bei der offiziellen Eröffnung des Festivals. Aber man könne die entsprechenden Anlässe dafür schaffen, damit sich die verschiedenen Kulturen, auch aus anderen Blickwinkeln, kennenlernen können: "Die Frage nach dem Verbindenden ist wichtig", so Oberbürgermeister Sprißler weiter: Kultur, Essen und Musik, wie bei der LaKuNa, seien dabei wichtige Faktoren. Denn, so unterstrich der Rathauschef: "Vielfalt ist auch ein Wert."

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