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Mobiltelefone sind Schatzkisten

Zwischenbilanz zur Handy- Sammelaktion in Herrenberg

Artikel vom 15. September 2018 - 08:42

HERRENBERG (red). Bei den Nachhaltigkeitstagen im Juni hatte die Stadt Herrenberg dazu aufgerufen, nicht mehr benötigte Mobiltelefone und Smartphones abzugeben. Im Inneren der Geräte befinden sich wertvolle Rohstoffe, die wiederverwertet werden können.

"Bisher wurden 158 Altgeräte gesammelt und verwertet", freut sich Lisa Bartholomä, Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz, die die Aktion betreut. "158 Geräte bedeuten 1422 Gramm Kupfer, 23,7 Gramm Silber und 3,95 Gramm Gold." Die Stadt übergibt die ausgedienten Geräte an den externen Dienstleister Teqcycle Solutions, der den Rückholprozess inklusive Datenlöschung im Auftrag der Telekom Deutschland durchführt. Die Telekom verdient an der Handyrücknahme nichts, sondern trägt unter anderem die Kosten für das Sammelcenter, die Sammelboxen, die Logistik und das Porto für die Rücksendung. Die Erlöse werden gespendet, so Bartholomä. Auch das fachgerechte Recycling in einem Recyclingbetrieb und das Einschmelzen der Metalle kosten Geld.

Aus dem Erlös der Aktion erhält die Stadt Herrenberg zurzeit 0,70 Euro pro Handy. Dieses Geld kommt drei nachhaltigen Bildungs- und Gesundheitsprojekten der Aktion Hoffnung, des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission und des Evangelischen Jugendwerks in Afrika zugute. Wer zu Hause in Schubladen, Schränken oder Regalen nicht mehr benötigte Geräte verstaut hat, kann diese in Sammelboxen bei den Bürgerdiensten am Marktplatz, in der Stadtbibliothek und bei den Bezirksämtern in den Stadtteilen abgeben.

Abbau der Rohstoffe unter unwürdigen Bedingungen

Viele unterschiedliche Rohstoffe stecken in einem Handy, darunter Metalle wie Kupfer, Zinn, Silber, Gold und Coltan. Viele dieser Rohstoffe werden unter Bedingungen abgebaut, die gegen Menschenrechte verstoßen und die Natur zerstören. Zinnabbau in Indonesien verursacht etwa unfruchtbare Kraterlandschaften, ganze Regenwälder und Felder werden zerstört. Kleinbauern können ihre Böden nicht mehr bewirtschaften und verlieren ihre Lebensgrundlage. Der Bergbau bedroht hier zudem zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Der Coltanabbau in der Demokratischen Republik Kongo verursacht gewalttätige Konflikte. Verschiedene Milizen kämpfen um den Zugang zu diesen wertvollen Rohstoffen. Besonders Frauen und Kinder leiden unter dieser Gewalt. Zehntausende Kinder wurden zum Dienst an der Waffe gezwungen. Zudem bedroht der Abbau den Lebensraum der Berggorillas.

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