Vom Krämer zum Handelsmann

Aus den Akten des Herrenberger Stadtarchivs: Hans Jakob Khönle würde am 25. März 400 Jahre alt

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    Das Epitaph von Hans Jakob Khönle in der Stiftskirche mit dem Khönleschen Hauszeichen

Der Geburtstag von Hans Jakob Khönle jährt sich am 25. März 2018 zum 400. Mal. Als Initiator der Handelsfamilie Khönle versorgte er Mitte des 17. Jahrhunderts Herrenberg und Umgebung mit Eisenwaren und Produkten aus Übersee. Die Erfolge dieser Persönlichkeit aus Herrenberg sind Thema dieses Beitrags aus dem Stadtarchiv.

Artikel vom 23. März 2018 - 18:00

HERRENBERG (red). Hans Jakob Khönle kam am 25. März 1618 als drittes Kind des Schreiners und Obermüllers Michael Khönle in Hildrizhausen zur Welt. Er war der Stammvater der Handelsfamilie Khönle, die im 17. und 18. Jahrhundert Herrenberg und das Gäu mit überseeischen Produkten belieferte.

Nach Herrenberg kam Hans Jakob Khönle 1651 durch seine Heirat mit der Bäckerstochter Rosina Ruthardt. Auskunft über die Heirat sowie das Vermögen, das beide in die Ehe mitbrachten, gibt die vom 5. Oktober 1651 stammende so genannte Beibringensinventur, die im Stadtarchiv Herrenberg verwahrt wird. Die Mitgift von Rosina umfasste nur bescheidene 77 Gulden. Sie bestand nicht etwa aus Bargeld oder Immobilienbesitz, sondern lediglich aus Kleidern, Leinwand, Bettzeug, Möbeln wie Tisch und Bettlade sowie Nutztieren, nämlich je einer Kuh, einem Schwein, einem Bienenstock und zwei Hühnern. Damit war sie nicht gerade eine gute Partie. Hans Jakob dagegen hatte sein Vermögen in Höhe von 1000 Gulden in Eisenwaren angelegt, war er doch Eisenkrämer mit Niederlassungen in Frankfurt und Straßburg. Weiteres Geld oder auch Kleidung über das hinaus, was er am Leib trug, besaß er laut Inventur nicht, hatte aber auch keine Schulden.

Khönles Eisenwaren waren offenbar gefragt - in einer Zeit, in der man in Herrenberg nach dem verheerenden Stadtbrand von 1635 und dem Ende des 30-jährigen Krieges mit dem Wiederaufbau beschäftigt war. Bereits im Januar 1652 konnte er sich eine Hofstatt am Marktplatz, wo nur die Herrenberger Führungsschicht wohnte, kaufen. Dort erbaute er sein erstes Haus. Die angrenzende Hofstatt zur Schuhgasse hin folgte 1657 und wurde 1663 bebaut, 1664 und 1667 erwarb er eine weitere, bisher unbebaute Hofstatt sowie das Haus des ehemaligen Vogts Johann Georg Vischer.

Warensortiment wird weiter ausgebaut

Khönle baute auch sein Warensortiment weiter aus, selbst wenn sein Kerngeschäft immer noch der Eisenhandel blieb. Eine Übersicht der Waren, die er in seinen Niederlassungen in Frankfurt, Straßburg und Herrenberg vertrieb, findet sich in der Realteilung, die anlässlich seines Todes erstellt wurde. Das Sortiment war - wie man es sich bei einem Krämer vorstellt - bunt gemischt und reichte von Messern oder Mistgabeln über Scheren, Hüte, Bänder aus Atlas oder Taft bis hin zu Gewürzen wie Muskat oder Pfeffer, Farben wie Goldpigment oder Rot, gewonnen aus den Cochenille-Läusen, hinzu kamen Knöpfe, Nadeln, Glas, Spiegel oder Flaschen. Bereits der Umfang der zu einem dickeren Band gebundenen Realteilung im Vergleich zu der nur sechs Blatt umfassenden Inventur zeigt, wie sehr sein Vermögen gewachsen war: Er verfügte nach Abzug der Schulden über das stattliche Vermögen von 29 552 Gulden, das unter seiner Witwe Rosina Khönle sowie seinen drei überlebenden Kindern Hans Jakob (25 Jahre), Anna Ottilia (20 Jahre) und Anna Rosina (6 Jahre) aufgeteilt wurde.

Ein Blick in die Chronik von Vogt Gottlieb Friedrich Heß zeigt, dass Hans Jakob Khönle parallel zu seinem materiellen Erfolg auch sein Sozialprestige in der Stadt steigern konnte: Von 1660 bis zu seinem Tod 1675 war er Mitglied des Rates. Daran änderte auch die Anklage wegen Zollvergehen im Jahr 1669 nichts, für die er auf herzoglichen Entscheid vom 4. März 1669 einen Gulden Strafe zahlen musste.

Nach einem erfüllten Leben starb Hans Jakob Khönle am 10. März 1675 im Alter von 57 Jahren. Davon zeugt noch heute sein Epitaph in der Vorhalle der Stiftskirche. Neben seiner Witwe überlebten ihn drei seiner elf Kinder, von denen der älteste, Hans Jakob, die väterlichen Geschäfte übernahm. Er baute das Unternehmen weiter aus und hinterließ bei seinem Tod das erneut vermehrte Vermögen von 70 000 Gulden.

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