Leben in großer Armut und ohne jede Hoffnung

Samariterdienst schickt erneut Hilfsgüter vom Zentrallager in Herrenberg in die Ostukraine

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    Die Lebensumstände in der Ostukraine sind alles andere als menschenwürdig. Gekocht wird unter erbärmlichen Verhältnissen Fotos: red

Artikel vom 06. Februar 2017 - 18:00

HERRENBERG (red). Die Menschen in der Ostukraine leiden besonders unter den kriegerischen Auseinandersetzungen. Das Hilfswerk Samariterdienst, das sein Zentrallager mit Hilfsgütern in Herrenberg betreibt, schickte zwei Trucks in das Krisengebiet, die jetzt angekommen sind.

"Seit einigen Tagen wird wieder gebombt und mit Artillerie geschossen", heißt es in einer Pressemitteilung des Samariterdienstes. Avdeyevka, einer der Orte, wo die Organisation eine Missionsstation betreibt, sei so unter Beschuss, dass die Menschen wieder evakuiert werden müssten. Die Temperatur betrage dort derzeit minus 22 Grad. Es fehlt an Lebensmitteln und warmer Kleidung.

An zwei extremen Beispielen wird die derzeitige Lage in der Ost-Ukraine besonders deutlich: Anatoli ist 67 Jahre alt. Er arbeitete 40 Jahre auf verschiedenen Schiffen. Seine einzige Tochter ist nach Russland ausgewandert und hat keinen Kontakt zum Vater. Als die Helfer des Samariterdienstes die Wohnung betraten, stockte ihnen der Atem. Anatoli ist vor längerer Zeit hingefallen und hat sich das Becken gebrochen. Da er kein Geld für die Behandlung im Krankenhaus hat, lag er die ganze Zeit zu Hause und versuchte die Schmerzen mit Tabletten zu unterdrücken. Er konnte das Zimmer nicht verlassen.

Das Geld fehlt für ärztliche Versorgung und Lebensmittel

Der Raum glich einer Mülldeponie. Neben dem Bett steht ein Stuhl, auf dem er sich mit Hilfe einer Heizplatte sein Essen gekocht hat. Wenn er Geld hatte, bat er die Nachbarn, ihm Lebensmitteln zu kaufen. Als Mitarbeiter vom Hilfswerk Samariterdienst von der Situation erfahren haben, sind sie gleich aktiv geworden. Sie versorgten ihn mit sauberer Kleidung, frischer Bettwäsche und Lebensmitteln. Die Sachen kamen gerade mit dem Lkw aus Deutschland. Der Mann hat sich mit Tränen in den Augen herzlich bedankt.

Weiteres Beispiel: Nina Ivanovna ist eine Rentnerin, die ihrer Tochter hilft, die Enkelin Amira großziehen. Das Kind braucht ständige Begleitung, da sie ein autistisches Kind ist. Mit ihren fünf Jahren redet sie nur ein paar Wörter. Und die ganze Rente von der Oma geht für den Kauf von Pampers drauf. Sie leben von der kleinen Unterstützung, die sie für Amira bekommen. Das reicht kaum für die Nebenkosten der Wohnung. Deswegen sind sie oft gezwungen, sich Lebensmitteln zu leihen, im Bewusstsein, dass sie es womöglich nicht zurückgeben können. Die Stadt, in der sie leben, befindet sich direkt an der Frontlinie. Da hört man ständige Explosionen von Granaten und Maschinengewehre. Das alles wirkt sich auch sehr negativ auf die Entwicklung des Kindes aus. Es gibt auch keine ärztliche und professionale Hilfe für das Kind in der Stadt. So leben sie resigniert und ohne jede Hoffnung. Wie so oft ging die Oma in den Laden, mit der Hoffnung, wieder mal Lebensmittel auf Pump zu bekommen. Leider war geschlossen. So ging sie mit Tränen in den Augen und voller Verzweiflung wieder nach Hause. Da kam die Hilfe vom Samariterdienst gerade zur rechten Zeit.

Das Zentrallager in Herrenberg, Schießmauer 3, gegenüber Volksbankstadion, ist von Montag bis Donnerstag von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Ansprechpartner: Gerhard Hämmerle, Telefon (0 70 32) 22 122 oder Thomas Strenkert, Telefon (01 52) 09 40 06 70. Spendenkonto Hilfswerk Samariterdienst: DE15 6025 0010 0005 2942 44. Verwendungszweck: Stoppt Hunger.
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