Naturbad Herrenberg: Dem Keim auf der Spur

Färbeversuch zeigt Handlungsbedarf auf, aber Ursachenforschung läuft mit Hochdruck weiter

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Um die Ursache der wiederkehrenden Keimbelastung im Herrenberger Naturfreibad zu finden und zu beheben, wurde am 19. August ein Färbeversuch unternommen. Mithilfe des Farbpulvers Uranin wurde die Durchströmung des Beckens sichtbar gemacht. Die Ergebnisse des Färbeversuches liegen nun vor.

Artikel vom 19. September 2016 - 17:36

HERRENBERG (red). Der Test, bei dem an zwei Stellen im Wasserkreislauf des Freibades Uranin als Färbemittel eingebracht wurde, sollte zeigen, wie sich das einströmende Wasser im Becken verteilt. Denn: Stagnationszonen im Becken können eine mögliche Ursache von Grenzwertüberschreitungen des Bakteriums Pseudomonas aeruginosa sein. Diese hatten wiederholt zu einer Schließung des Herrenberger Naturfreibades geführt. "Sollte es Bereiche geben, die nicht oder nicht ausreichend durchströmt werden, besteht die Gefahr der Verkeimung", erläutert Stadtwerke-Chef Florian Müller in einer Pressemitteilung der Stadt.

Der Versuch wurde bei 60 Prozent Anlagenlast durchgeführt. Zur optischen Aufnahme wurden zwei Drohnen eingesetzt und zusätzlich vom Sprungturm und vom Wasserfall Fotos gemacht. Es dauerte gut eine Minute, bis das mit Uranin gefärbte Wasser an den Düsen im Schwimmerbecken angekommen war. Nach zwei Minuten und zehn Sekunden wiesen alle Düsen, bis auf die Bodendüsen vor den Startblöcken, eine Färbung auf. Hier dauerte es weitere 13 Sekunden, bis auch in diesem Strang gefärbtes Wasser ankam. Gleichzeitig wiesen der Wasserfall sowie die seitlichen Düsen am Nichtschwimmerbecken ab diesem Zeitpunkt Uranin auf. Etwa 20 Sekunden später kam der Farbstoff an der Rutsche und einem der Quellsteine an.

Nach 16 Minuten und neun Sekunden war das Schwimmerbecken zu etwa 88 Prozent bedeckt. Es bestanden zu diesem Zeitpunkt zwei größere Bereiche, an denen eine reduzierte Durchströmung erkennbar war: an der Rutsche und an der linken oberen Beckenecke.

Fehler in der Hydraulik nicht für Bakterienbelastung verantwortlich

"Das Naturbad soll nach 15 Minuten zu 90 Prozent (bei 100 Prozent Anlagenlast) im oberen Meter weitestgehend durchströmt sein. Insbesondere bei schnell durchströmten Becken hat die Erfahrung gezeigt, dass kleine Sedimentationsbereiche, Bereiche mit geringerer Strömungsgeschwindigkeit, an disponierten Stellen auftreten sollten, um weniger Zooplankton auszuspülen", beschreibt Stefan Bruns, Geschäftsführer von Polyplan, die beiden genannten Bereiche und ergänzt: "Genau diese beiden Bereiche wurden in der Ausführungsplanung als solche Sedimentationsbereiche vorgesehen." Insofern sei dieses Ergebnis nicht überraschend und auch so gewollt.

Stadtwerke und die Firma Polyplan sind sich einig: Der Versuch macht deutlich, dass ein Düsenstrang im Schwimmerbecken und auch die Strömung im Übergang zum Nassfilter korrigiert werden müssen. Allerdings zeigt der Test auch, dass die Hydraulik nicht als Hauptursache für die erhöhten Werte des Bakteriums gesehen werden kann. "Hätten wir unser Hauptproblem nicht, nämlich nach wie vor die Trübstoffe im System, hätten diese Mängel alleine nicht zu einer Grenzwertüberschreitungen des Bakteriums Pseudomonas aeruginosa geführt", so Bruns. Dennoch: Die Hydraulik des Freibades muss nachgebessert werden.

Die Ursachenforschung läuft derweil mit Hochdruck weiter. Das Hauptaugenmerk liegt dabei weiter auf den Feinst-Partikeln im Wasser und deren Quelle. Ziel, und auch klare Forderung der Stadt an die Planer bleibt: Das Freibad muss dauerhaft und störungsfrei funktionieren.

Die Ergebnisse der weiteren Untersuchungen werden in den kommenden Wochen erwartet.

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