Unterhaltsame Reise in die heitere Vergangenheit

In der Nufringer Wiesengrundhalle verzückte der Chor "Rondo Cantabile" mit Gassenhauern aus den 20er und 30er Jahren

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    "Rondo Cantabile": Stimmungsvoller Auftritt zwischen Bar und Friseursalon Foto: red

Artikel vom 03. Dezember 2018 - 16:36

NUFRINGEN (red). Der Chor "Rondo Cantabile" mit seinem Dirigenten Peter Binkowski hatte unter dem Motto "Wenn ich vergnügt bin, muss ich singen" am Samstag in die Nufringer Wiesengrundhalle eingeladen und die Konzertbesucher in der ausverkauften Halle freuten sich auf die angekündigte Musik aus den 20er und 30er Jahren.

Das Publikum wurde empfangen von einem von Heike Henne beeindruckend gestalteten szenischen Bühnenbild mit einem Barbershop und einer gut bestückten Bar. Im Friseursalon warteten schon die Männer des Chors zeitungslesend auf ihren Haarschnitt, als Vorstand Gerhard Stähle und Sonja Duhatschek die Gäste begrüßten und willkommen hießen. Jetzt kamen die Männer summend auf die Bühne und die Frauen gesellten sich dazu. Die amerikanischen Friseursalons waren Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts Orte geselliger Treffen, bei denen sich die Herren die Wartezeit gelegentlich mit spontan improvisierten Gesängen zu vertreiben wussten.

Die beiden jungen Damen Conny (Franziska Enders) und Anja (Kathrin Stähle), die gekonnt unterhaltend durch das Programm führten, sagten nun die meist sehr kurzen, sich oft um die Liebe oder die Angebetete drehenden Songs wie "The old songs", "Aura Lee", "Little Lize" oder das schöne Gutenachtlied "Now the Day is over"an, die der Chor mit Hingabe sang. Anschließend begaben sich Conny und Anja in die Bar nebenan, wo die Sängerin Birgit Gentner drei wunderschöne, freche Lieder wie "Sexappeal", "Kleptomanin" und "Für mich soll's rote Rosen regnen" - einfühlsam am E-Piano begleitet von Klaus Hügl - zum Besten gab.

Der Chor wollte da nicht zurückstehen und brachte die herrlichen Titel "Was machst du mit dem Knie, lieber Hans", "Ich hab das Fräulein Helen baden sehn" und "Die Männer sind alle Verbrecher" dem amüsierten Publikum zu Gehör. Bevor die anwesenden Männer jedoch endgültig böse wurden, kam ein besonders inniges: "Aber lieb, aber lieb sind sie doch!" Zum Ausklang des ersten Teils des Abends konnten die Gäste eine wunderbar geschminkte und stilgerecht gekleidete Janine Grellscheid mit zwei gekonnten Stepptänzen erleben. Nach der Pause - der Chor hatte sich umgezogen - waren die bekannten Lieder der Comedian Harmonists angesagt. Dieses Berliner Vokalensemble löste zwischen 1927 und 1935 wahre Begeisterungsstürme aus. Das Auftaktlied mit dem Motto des Abends "Wenn ich vergnügt bin, muss ich singen" elektrisierte das Publikum und die Zungenbrecher in diesem Lied "acka wacka, eia weia weg" sorgten für Schmunzeln.

Viel Beifall und großes Lob

Mit "Mein kleiner grüner Kaktus", dem melancholischen "Irgendwo auf der Welt" und dem immer gültigen "Wochenend und Sonnenschein" begeisterte der Chor die Gäste und manch einer summte die Melodien mit. "Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt", auch dieser Text ist herrlich sentimental und kann heute noch so stehen. Mit "Ich wollt, ich wär ein Huhn" endete das offizielle Programm, bevor als Zugabe der Chor mit Schwung nochmal an das Motto des Konzerts erinnerte: "Wenn ich vergnügt bin, muss ich singen" und hat damit nicht nur sich selbst, sondern - dem anhaltenden Beifall nach zu urteilen - auch den Zuhörern sehr viel Freude gemacht. Großes Lob verdiente sich auch der Pianist Klaus Hügl, der den Chor wunderbar begleitete und ihn zu Höchstleistungen anspornte.

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