Stuttgarter Landgericht spricht 43-jährigen Deutsch-Türken wegen bandenmäßigen Betrugs schuldig

Falscher Polizist muss knapp fünf Jahre ins Kittchen

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    Symbolbild: Archiv

Artikel vom 07. August 2019 - 18:30

Von Bernd S. Winckler

GÄRTRINGEN. Vier Jahre und neun Monate Haft - So lautete das Urteil des Stuttgarter Landgerichts gegen den 43-jährigen Deutsch-Türken, der als Logistiker und Koordinator bei der Betrügerbande der falschen Polizisten Senioren unter anderem in den Landkreisen Böblingen und Ludwigsburg um insgesamt 100 000 Euro erleichtert hatte.

Angeklagt war er auch deshalb, weil er im Februar vergangenen Jahres einer 63-jährigen Rentnerin aus Gärtringen über 25 000 Euro abgenommen haben soll. Für dieses konkrete Vergehen reichten die Indizien-Beweise allerdings nicht aus und der Mann wurde in diesem Fall freigesprochen.

In den übrigen vier Fällen im Landkreis Böblingen, Stuttgart, Freiburg und Ludwigsburg sahen die Richter seine Schuld jedoch als erwiesen an.

Von Beginn an hatte der 43-Jährige seine Unschuld beteuert. Die Geldtransfere in die Türkei hätten lediglich aufgrund seiner Geschäfte als Immobilienmakler stattgefunden. Eine falsche Angabe, so die Überzeugung des Gerichts. Es habe sich dabei vielmehr um gestohlene Gelder gehandelt, die er seinen "besonders schutzbedürftigen Opfern" abgenommen habe, indem er seine bereits abgeurteilten Helfer auf die Senioren angesetzt habe.

"Besonders schutzbedürftige Opfer" um ihr Erspartes gebracht

Diese hatten sich als falsche Polizisten ausgegeben und behauptet, die Wertsachen ihrer Opfer zur Sicherheit in Verwahrung zu nehmen. Beim letzten geplanten Coup war die Polizei den Dieben auf die Schliche gekommen und hatte einen der Geldabholer festgenommen. Der wiederum hatte - ebenso wie ein weiterer verurteilter Mittäter - den 43-Jährigen im Zeugenstand schwer belastet. Diese Aussagen bewiesen den Richtern die Mittäterschaft des 43-Jährigen. Auch die von den Verteidigern angezweifelte Aussage eines Kronzeugen ließen die Richter in das Urteil einfließen. Der hatte bei seiner Verurteilung im vergangenen Jahr bestätigt, dass er engen Kontakt zu dem Angeklagten gepflegt hatte. Über zwei verschiedene Handy-Nummern hätte der 43-Jährige Anweisungen gegeben, die Geldabholer betreut und von ihnen Geld und Goldschmuck eingesammelt, um die Beute anschließend zu fotografieren und in die Türkei zu bringen. Weiterhin habe er Geldtransporteure am Flughafen Izmir abgeholt und dort Gelder weiter geschickt. "Dabei hat es sich garantiert nicht um Hotelkäufe gehandelt, wie der Angeklagte es uns glauben machen wollte", so der Gerichtsvorsitzende.

Neben diesen "glaubhaften Zeugen" seien aber auch jede Menge Indizien-Beweise aufgetaucht, hieß es in der Urteilsbegründung. So beispielsweise bei der Telekommunikations-Überwachung der Polizei. Sie hätte ergeben, dass Angeklagte jeweils zur Tatzeit im April letzten Jahres in Böblingen, Stuttgart und Ludwigsburg präsent und in Verbindung mit den Abholern stand. Von einem Zufall, wie es der Angeklagte behauptet hatte, sei nicht auszugehen, so die Richter.

Fünf Jahre und drei Monate Haft hatte der Staatsanwalt beantragt, die beiden Verteidiger hingegen Freispruch wegen erwiesener Unschuld. Das Gericht sah die Schuld als erwiesen an und milderte die geforderte Strafe nur deshalb ab, weil der Angeklagte ein Erst-Verbüßer sei.

Mit diesem Urteil hat das Gericht einen großen Teil der Betrügerbande nun hinter Schloss und Riegel gebracht.

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