Falscher Polizist soll fünf Jahre hinter Gitter

Plädoyer des Staatsanwalts vorm Stuttgarter Landgericht

  • img

Artikel vom 03. August 2019 - 07:00

GÄRTRINGEN (red). Eine Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten forderte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch im Prozess gegen den 43-jährigen Deutsch-Türken, der seit sechs Wochen wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges in vier Fällen, in einem als Versuch, auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts sitzt. Er soll maßgeblich an Betrügereien gegenüber Senioren beteiligt gewesen sein und unter anderem einer 78-Jährigen aus Gärtringen 25 000 Euro abgenommen haben (die KRZ berichtete).

Als Bandenkopf soll er von einem Call-Center in der Türkei aus Senioren angerufen und mehrere falsche Polizisten ferngesteuert haben: die sogenannten Geld- und Wertsachen-Abholer, die dann vor Ort bei den Senioren Druck machten. Später soll er hierzulande dann die Beute zwischengelagert und später in die Türkei gebracht haben.

Gesamtschaden von 86 000 Euro verursacht

Von Anfang an hatte der 43-Jährige seine Unschuld beteuert. Eine Aussage, die der Staatsanwalt ihm aber nicht abkaufte und als "großkotziges Geschwätz" abtat. Von März bis April letzten Jahres sei der Angeklagte für einen Gesamtschaden in Höhe von 86 000 Euro verantwortlich. Überführt sei er in erster Linie durch die damalige polizeiliche Telekommunikations-Überwachung - und durch die Aussage eines Kronzeugen. Dieser war zusammen mit ihm am 5. April verhaftet worden, als man gerade dabei war, bei einem Ehepaar 25 000 Euro in Empfang zu nehmen. Dieser Zeuge, der aufgrund seines umfassenden Geständnisses mit Nennung aller Hintermänner zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, ist nach Ansicht des Anklägers glaubhaft.

Nach den Plädoyers der beiden Verteidiger des 43-Jährigen, die Freispruch beantragen wollen, soll am 7. August das Urteil verkündet werden.

Verwandte Artikel