Eva Marie Lehmacher: Kämpferin gegen Ungerechtigkeit

Zum Tod der Rohrauer Gemeinde- und Ortschaftsrätin und langjährigen Vorsitzenden des Bürgervereins

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    Eva Marie Lehmacher Foto: Bischof

Sie hat sich immer eingemischt in ihrer Heimat Rohrau und Gärtringen, war über Jahrzehnte Streiterin für eine bessere Lebensqualität und bis zuletzt kreisten ihre Gedanken um das Wohl und Wehe "ihrer" SPD: Am Samstag ist Eva Marie Lehmacher im Alter von 84 Jahren verstorben. Die Beerdigung auf dem Rohrauer Friedhof findet am Freitag, 13. Juli, um 15 Uhr statt.

Artikel vom 10. Juli 2018 - 17:30

Von Hans-Dieter Schuh

ROHRAU. "Mecklenburger können unheimlich stur sein." Als Eva Lehmacher vor sechs Jahren mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, sagte sie diesen Satz, mit dem sich die Rohrauerin und ehemalige Ortschafts- und Gemeinderätin mit ostdeutschen Vorfahren selbst treffend charakterisiert. Sturheit kann man den Charakterzug nennen, den man auch mit dem positiveren Wort Beharrlichkeit beschreiben kann. Landrat Roland Bernhard beschrieb sie seinerzeit als Frau "mit starker Durchsetzungskraft, die häufig in Penetranz gegipfelt" habe. Sie war auf alle Fälle ein Unruhegeist im beschaulichen Rohrau, die mit ihrer Stärke viel durchgesetzt hat.

Im Nachruf der Gemeinde Gärtringen nehmen Bürgermeister Thomas Riesch und Ortsvorsteher Torsten Widmann namens aller Mitglieder und ehemaligen Mitglieder des Gemeinde- und Ortschaftsrats "in tiefer Trauer Abschied von der besonders engagierten Mitbürgerin und streitbaren Kämpferin für die Belange der Gemeinde und der Ortschaft, gegen Ungerechtigkeit, für Lebensqualität und soziale Gerechtigkeit".

Sie war von 1988 bis 2013 als Gemeinderätin und von 1980 bis 2009 als Ortschaftsrätin ehrenamtlich für die Gemeinde Gärtringen und die Ortschaft Rohrau tätig gewesen. Für ihre Verdienste wurde sie 2012 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland, 1984 mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg, 2010 mit der Ehrennadel in Gold des Gemeindetags Baden-Württemberg und 2013 mit der Bürgermedaille der Gemeinde Gärtringen in Silber ausgezeichnet.

Wichtige Stationen im öffentlichen Leben von Eva Marie Lehmacher waren neben ihrem Engagement in den gemeindlichen Gremien, unter anderem auch als Vorsitzender der SPD-Fraktion, ihr Engagement für die Ortschaft Rohrau als Elternbeiratsvorsitzende, als Gründerin (1985) und bis 2012 Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der Lebensqualität in Rohrau mit vielfältigem Engagement für den Erhalt der Schule in Rohrau, der Optimierung des Öffentlichen Nahverkehrs, dem Einsatz für sauberes Wasser, Lärmschutz und saubere Luft und dabei insbesondere der Kampf gegen den Standort der Firma Industriebedarf im Wasserschutzgebiet der Ortschaft Rohrau, der Flüchtlingsarbeit, der Leseförderung von Kindern, der Ortsreinigung und dem Einsatz für Mülltrennung bereits vor dem Aufbau der Wertstoffhöfe, dem Erhalt denkmalgeschützter Gebäude und der Pappelallee am Krebsbach bei Rohrau.

1979 ist sie in die SPD eingetreten. Bis in ihre letzten Lebensmonate kreisten ihre Gedanken und Überlegungen immer wieder um das Wohl und Wehe der Partei, wie sie es zuletzt in einem Leserbrief im vergangenen Jahr formuliert hat, nämlich "alles zu tun, um die Lebensbedingungen benachteiligter Bevölkerungsschichten zu verbessern". Sie stand hinter dem Markenkern der SPD.

Eine, die nie wegschauen konnte

Bei der Wahl ihrer Mittel, um ihre Ziele zu erreichen, war Eva Lehmacher nicht zimperlich: Sitzstreiks, Bürgerinitiativen und Unterschriftensammlungen wurden von ihr initiiert und durchgeführt. Mit viel Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen nervte sie nicht selten Behörden und Beteiligte. Als Elternvertreterin am Herrenberger Schickhardt-Gymnasium zum Beispiel organisierte sie eine Busblockade und erreichte damit, dass dass die Busse aus Rohrau bis vor die Schule und nicht bloß bis zum Bahnhof fuhren. 1969 mit ihrem Mann Karl in Rohrau zugezogen, kämpfte sie schon wenige Jahre später als Elternbeirätin vehement gegen die beabsichtigte Schließung der dortigen Joseph-Haydn-Schule - mit nachhaltigem Erfolg.

Sie hatte dabei immer das Gemeinwohl vor Augen. "Ihre uneigennützigen sozialen Aktivitäten zur Unterstützung von notleidenden Menschen in Gärtringen und Rohrau sind besonders hervorzuheben", heißt es im Nachruf der Gemeinde Gärtringen. Der Landrat trifft wohl ins Schwarze mit einer Formulierung, die er ihr bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes zuschreibt: "Eva Lehmacher ist ein Mensch, der nicht wegschauen kann."

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