Kommentar: Denkfehler

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    Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 12. April 2018 - 09:00

Von Hans-Dieter Schuh

Vor gut einem Monat entschied der Gärtringer Gemeinderat, den Beschluss über Standorte für Flüchtlingsunterkünfte zu vertagen. Gut so, dachte der gemeine Bürger: Die Entscheider gehen nochmals in sich, schauen womöglich dem Volk aufs Maul.

Nun ist die Entscheidung da, und sie ist unverrückbar geblieben. Nicht dass man sich gewünscht hätte, dass die Ratsmehrheit dem Volk nach dem Maul redet. Die Zwänge bleiben ja bestehen: Den Flüchtlingen, die bisher übergangsweise der Landkreis untergebracht hat, muss jetzt die Gemeinde ein Dach über dem Kopf gewähren. Aber man hätte sich gewünscht, dass die Entscheidung über die Unterbringung von (mehr) Vernunft geleitet gewesen wäre. Vernünftig wäre gewesen, "richtige" Häuser zu bauen statt Container zu beschaffen, weil dies langfristig kostengünstiger und jeden einzelnen Tag menschenwürdiger gewesen wäre. Häuser wären 20, 30 Jahre nutzbar gewesen, für Flüchtlinge oder andere bedürftige Personengruppen, ganz normal finanzierbar bei Null-Kreditzinsen über Mieteinnahmen, für die letztlich im Bedarfsfall der Landkreis aufkommt. Warum also Container, die die darin lebenden Menschen zu solchen zweiter Klasse stempeln, die die Integration blockieren und damit Unfrieden säen und zudem "finanzwirtschaftlich die schlechteste Lösung" sind, wie ein Kämmerer einer Kreiskommune urteilt? War bei der Entscheidung schlicht Angst vor lautstarken Kritikern im Spiel? Das Ergebnis jedenfalls ist niederschmetternd: Die Ratsmehrheit hat wider besseres Wissen einen Denkfehler gemacht.

 

 

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