Flüchtlinge in Gärtringen: Hitzige Debatte vor Abstimmung

Verwaltung sowie Freie Wähler und CDU-Fraktion bringen neue Vorschläge zur Flüchtlingsunterkunft ins Spiel - Entscheidung fällt am Dienstag

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    Geht es nach der Verwaltung, entsteht auf diesem Bauerwartungsland im Gärtringer Kayertäle-Ost eine dauerhafte Unterkunft für 50 Flüchtlinge. Bild: Käthe Ruess

Die Entscheidung über Standort und Bauweise für die geplante Flüchtlingsunterkunft in Gärtringen steht am kommenden Dienstag, 10. April, auf der Tagesordnung der öffentlichen Gemeinderatssitzung.

Artikel vom 04. April 2018 - 18:36

GÄRTRINGEN (red/scu). Vorab informiert die Gemeindeverwaltung über verschiedene Alternativen, die zur Abstimmung stehen.

Welche Standorte stehen bei der Gemeinderatssitzung zur Diskussion?

Eine erste Alternative ist die Schaffung einer mittelgroßen Unterkunft mit einer Grundfläche von 800 Quadratmetern für 50 Personen im Kayertäle-Ost, angrenzend an den Rohrweg im Osten und den Wilhelm-Busch-Weg im Süden. Eine zweite Variante ist der Bau von zwei kleinen Unterkünften an besagter Stelle im Kayertäle-Ost und am Aidlinger Weg (je 400 Quadratmeter), angrenzend an das Friedhofsareal. Jeweils 25 Personen sollen darin untergebracht werden. Eine weitere Variante schlagen die Freien Wähler und die CDU-Fraktion vor: Sie plädieren für die Schaffung von Containern im Kayertäle-Ost (30 Personen) und an der Schwarzwaldhalle (20 Plätze).

Wie soll gebaut werden?

Für die ersten beiden Alternativen schlägt die Gemeindeverwaltung eine nachhaltige Bauweise vor. Das ermöglicht eine Nachnutzung der Anlagen als sozialer Wohnraum. Hier bestehe, so die Gemeindeverwaltung, bereits heute ein immenser Bedarf, da auf 12 000 Einwohner lediglich 20 Sozialwohnungen kommen. Für die Errichtung nachhaltiger Unterkünfte gibt es Fördergelder vom Land, die bis zu 25 Prozent der Kosten betragen können. Mobile Unterkünfte wie Container werden nicht gefördert.

Welche Kosten kommen auf die Gemeinde zu?

Eine nachhaltig gebaute Flüchtlingsunterkunft für rund 25 Personen würde voraussichtlich 952.000 Euro kosten, eine nachhaltige Lösung für 50 Personen würde sich auf rund 1,9 Millionen belaufen. Für die Errichtung eines Containers mit einer Grundfläche von 360 Quadratmetern für etwa 25 Personen würden rund 430 000 Euro anfallen. Dabei geht die Verwaltung vom Kaufpreis aus, da bei der Nutzung einer solchen mobilen Unterkunft über fünf Jahre eine Anschaffung wirtschaftlicher sei als die Anmietung (diese beläuft sich bei ähnlichen Anlagen in Gärtringen und Rohrau auf 35 000 Euro im Jahr).

 


Während die Verwaltung eine nachhaltige Unterkunft für 50 Personen bevorzugt, plädieren Freie-Wähler- und CDU-Fraktion für Container im Kayertäle-Ost und an der Schwarzwaldhalle. Grafik: Google

 

Welche Vor- und Nachteile haben die Varianten?

Die Verwaltung favorisiert nach wie vor die Errichtung einer nachhaltigen Unterkunft für 50 Personen im Kayertäle-Ost. In der mittelgroßen Unterkunft sei eine gute Sozialbetreuung der Flüchtlinge möglich. Außerdem sei die Errichtung einer nachhaltigen Unterkunft kostengünstiger als die von zweien. Für den Standort spreche die fußläufig erreichbare Nahversorgung im Ortskern und Gewerbegebiet sowie der mögliche Kontakt zur Gärtringer Bevölkerung durch die benachbarte Wohnbebauung. Variante zwei hätte den Vorteil, dass sie dezentraler wäre und dass kleine Einheiten bei der Sozialbetreuung Vorteile bieten könnten.

Der Standort am Aidlinger Weg biete eine ebenso gute sozialräumliche Nähe zu Einrichtungen und Nachbarschaft wie das Kayertäle. Von der Errichtung weiterer mobiler Unterkünfte rät die Verwaltung ab, da eine nachhaltige Nutzung nicht möglich und da die ökologische Bilanz deutlich schlechter sei. Zwar sei auch hier menschenwürdiges Leben möglich, allerdings habe sich gezeigt, dass die Bewohner mit nachhaltigen Räumen sorgsamer umgehen, weniger Probleme mit Reparaturen hätten und soziale Probleme zwischen Flüchtlingen seltener zu Tage treten. Auch den Standort an der Schwarzwaldhalle lehnt die Verwaltung ab.

Hier könne es zu einer Nutzungskonkurrenz mit dem Hallenbetrieb kommen. Außerdem könne der Lärmschutz für die Flüchtlinge durch den Betrieb in der Halle nur schwer gewährleistet werden und auch die Parkplatzkapazitäten dort seien ausgereizt. Freie Wähler und CDU halten dagegen, dass trotz höherer Kosten für Betreuung und Versorgung für die Kommune eine deutliche Entzerrung stattfinde.

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