Weil im Schönbuch: Ja is' denn heut schon Weihnachten?

Weil im Schönbuch hat die Hauptstraße in der Ortsmitte mit weihnachtlichem Dekor verziert

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    Mit weihnachtlichen Dekor im Hochsommer wirkt Weil im Schönbuch wie aus der Zeit gefallen. "Wir haben aber schon noch alle Tassen im Schrank", meint Bürgermeister Wolfgang Lahl Foto: Martin Müller

Wie es sich anfühlt, Weihnachten mitten im Sommer zu feiern - wie zum Beispiel in Neuseeland oder Australien - diese Erfahrung machen gerade die Weilemer.

Artikel vom 14. Juni 2019 - 20:30

Von Martin Müller

WEIL IM SCHÖNBUCH. Dort weihnachtet es gerade nämlich sehr - und das mitten in den Pfingstferien und mitten im Ort an der Hauptstraße. Weshalb auch in den sozialen Medien die Weilemer Weihnacht schon rauf und runter diskutiert wird. Was machen die da bloß?

Einer schreibt doch glatt: "Die Gemeinde ist ihrer Zeit voraus", womit er unmittelbar Bezug zu nehmen scheint auf unsere Glosse vom "Holzgerlinger Standard". Scheinbar wollen die Weilemer auch - wie die Holzgerlinger - Maßstäbe setzen und endlich einmal nachgeahmt werden. Haben sie sich diese Weilemer Weihnachtszeit zur Sommerzeit also extra ausgedacht, um anzuzeigen, dass sie ihrer Zeit vorbildlich voraus sind? Ein anderer kommentiert auf Facebook: "Das war heute früh mega irritierend, hätte wegen dem Scheiß fast nen Unfall gebaut." Woraufhin es prompt die Antwort setzt: "Wie machst du das dann zur Weihnachtszeit, wenn die überall hängen - nicht Autofahren?!"

Wie auch immer: auf Höhe des Edekas baumeln zurzeit schmucke Sternchen, Sternschnüppelchen und kristalline Schnee-flöckelchen von den Laternenmasten. Manche von ihnen sind mit kuntststoffimmergrünem Firlefanz-Fummel ummantelt, andere wiederum glänzen in hehrer Nacktheit. Und die netten Dinger lassen sich selbstverständlich illuminieren, jede Nacht zu vorgerückter Stunde ist es soweit: Dann leuchten sie so richtig auf und weisen allen Durchfahrenden und Spätheimkehrern den Weg. . .

Oberhirte Lahl: Alles hat seine Richtigkeit

"Wenn Sie jetzt denken, wir haben in Weil nicht mehr alle Tassen im Schrank, dann täuschen Sie sich aber gewaltig", hat Weils führender Hirte, Bürgermeister Wolfgang Lahl, seinen Gemeinderäten noch vor den Pfingstferien verkündet. Und so hat die hochheilige Stimmung in Weil auch einen ganz nüchternen, pragmatischen Hintergrund: Die bisherige Weihnachtsbeleuchtung ist in die Jahre gekommen, sie muss aus Sicherheitsgründen ausgetauscht werden.

Doch - geschäftstüchtig wie sie sind - wollen die Weilemer natürlich nicht die Sternschnuppe im Sack kaufen. Und deshalb wurde die Hauptstraße auf Anregung des örtlichen Gewerbe- und Handelsvereins mit netten Weihnachtssternen bemustert - damit sich alle Welt ein (Meinungs-)Bild machen kann, welcher Stern besonders gut zu Weil passt und welcher ihnen eher schnuppe ist. Die schönsten sollen nämlich womöglich eingekauft und dann zur echtwinterlichen Weihnachtszeit herausgehängt werden. Darüber entscheidet der Gemeinderat in seiner nächsten hochsommerlichen Sitzungsrunde.

Rund zwei Wochen noch dauert das weihnachtliche Weilehemer Sommermärchen - dann kehrt auch in diese Schönbuchgemeinde die ganz banale Sommerzeit zurück.

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