Glosse: Geheime Machenschaften im Bürgersaal von Weil im Schönbuch?

Diffuses Licht, eine kaputte Glühbirne, Balken im Auge und eine breite Dialektkulisse

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    Duster sieht's aus auf dem Tisch des Zeitungsreporters: Die Birne über seinem Arbeitsplatz hat den Geist aufgegeben . . . Foto: mmü

Artikel vom 05. Februar 2019 - 08:00

Von Martin Müller

WEIL IM SCHÖNBUCH. Lässt der Gemeinderat von Weil im Schönbuch die Vertreter der Presse etwa ganz bewusst im Dunkeln tappen/hocken? Damit wir uns auch mal so richtig als Enthüllungs-, Erhellungs- oder gar Erleuchtungsjournalisten beweisen können? Oder damit am besten von vornherein gleich rein gar nichts berichtet wird? Oder handelt es sich schlicht und ergreifend um eine Sparmaßnahme wie in Waldenbuch, wo zu nachtschlafender Stunde der Halbnachtszeit jede zweite Straßenlaterne ausgeknipst wird? Fast könnte man's meinen!

Der Bürgersaal ganz oben im Rathaus, in dem die Sitzungen der Damen und Herren Gemeinderäte immer stattfinden, ist mit drei Mal fünf Deckenleuchten, die vom schweren dunklen Gebälk herabbaumeln, immerhin einigermaßen gleichmäßig und durchgängig beleuchtet - auch wenn das Resultat trotz alledem ziemlich, ziemlich funzelig erscheint. Sodass man schon wegen dieser stark heruntergedimmten Atmosphäre meinen könnte, dass hier irgendwelche konspirativen Treffen stattfinden, bei denen wer weiß was ausbaldowert wird. Das Chicago der Prohibitionszeit lässt grüßen - mit Sprudel aus Rohrau und Apfelsaftschorle aus Waldenbuch auf den Spieltischen . . .

Aber es wird noch besser: Eine Leuchte ist nämlich kaputt. Seit Monaten schon. Und zwar ausgerechnet die direkt über dem Tisch des Pressemenschen - der ja sowieso heutzutage unter dem Generalverdacht steht, ein ausgemachter Finsterling zu sein.

Nur mit Mühsal kann der bemühte Chronist da noch entziffern, was auf den Drucksachen steht - das Augenlicht wird mit zunehmendem Alter ja auch nicht unbedingt besser. Damit nicht genug: Auch akustisch ist es eine Herausforderung, aus dem breiten, bisweilen bruddeligen Weilemer, Breitensteiner und Neuweiler Dialektgemisch überhaupt etwas herauszufiltern und abzulauschen, geschweige denn mitzubekommen, worum es eigentlich geht. Vielleicht brauchen wir wie die Kripo da mal ein spezielles Hörgerät zur Sprechsignalverbesserungsanalyse?! Zu allem Ungemach stehen dann noch irgendwelche tragenden Balken im Weg, die nicht nur den Blick auf die Beamer-Bildschirme ganz vorne an der Stirnseite der Verwaltungsspitze verstellen, sondern auch den Schallweg versperren.

Also: Wer eine Ahnung davon bekommen will, welche Herausforderungen der Lokaljournalismus so mit sich bringen kann: Hardcore-Weil macht's möglich. Wer von hier was Verwertbares mitbringt - der kommt überall durch. Sogar in Chicago. Todsicher.

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