Musikvereine finden "Heimat" in Weilemer Martinskirche

Sieben Chören singen in der Martinskirche in Weil im Schönbuch

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    Alle sieben Mitwirkenden des Heimatkonzerts: Weiler Musikverein, Gesangsverein Weil im Schönbuch, Liederkranz Breitenstein, evangelischer Kirchenchor, katholischer Kirchenchor, Harmonika-Freunde Weil im Schönbuch und Posaunenchor. Judith Erb-Calaminus dirigiert Foto: Sterk

Der Samstagabend in der Martinskirche stand im Zeichen der Begegnung über die Musik. Das gemeinsame Festkonzert der musiktreibenden Vereine stand unter dem Motto "Heimat und Musik". Was die beiden verbindet, machte neben den Stücken ein Gesprächskreis deutlich.

Artikel vom 18. November 2018 - 18:34

Von Chiara Sterk

WEIL IM SCHÖNBUCH. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben viele Musikvereine Heimatvertriebenen wieder ein Zuhause gegeben. Und auch noch heute verbinden sie die Menschen. Um das zu feiern und um gemeinsam über Heimat zu reden und zu singen, haben sich vergangenen Samstag alle sieben musikschaffenden Vereine aus Weil im Schönbuch, Neuweiler und Breitenstein in der Weiler Martinskirche eingefunden.

Etwa ein Jahr dauerte die Organisation des Konzerts. Die hatten die evangelische Erwachsenenbildung Böblingen und die evangelische Kirchengemeinde Weil im Schönbuch übernommen. Das Konzert stellten die Veranstalter unter das Motto "Heimat". Zur Eröffnung spielte der Weiler Posaunenchor vier Stücke, darunter passenderweise "Im schönsten Wiesengrunde" und weitere Loblieder auf die Heimat.

Anschließend begrüßten Pfarrer Götz Krusemarck und seine Frau, Diakonin Ulrike Krusemarck, die Konzertgäste. "Musik und Heimat gehören sehr eng zusammen", erklärte die Diakonin. Und fügte hinzu: "Denn was wäre Weil im Schönbuch ohne seine Musik?" Als Nächstes war der Weilemer Gesangsverein an der Reihe und startete mit dem Klassiker "Das Beste" von Silbermond, worauf "Auf der Schwäb'schen Eisenbahn" folgte. Diakonin Krusemarck betonte, dass die Eisenbahn zu Schwaben gehöre.

Eine Sängerin des Gesangsvereins teilte eine ganz besondere Erinnerung zum Thema Heimat: "Als ich vor einigen Jahren ins Schwabenland zuzog, war ich auf einer Grillparty eingeladen und man bat mich, einen Teppich mitzunehmen, weil es abends kalt werden würde. Ich wunderte mich, wozu ich wohl einen Teppich brauchen würde", fuhr sie fort. Und packte schließlich einen Teppich ein, erzählte die Sängerin weiter. "Und ab dem Moment, an dem ich meinen Teppich auspackte, war ich der Gag des Abends", erinnerte sie sich. Doch die "Reingeschmeckte" lernte nicht nur, dass im schwäbischen Idiom eine Decke mitunter auch zum "Teppich" wird, sie lernte ebenfalls im Landesdialekt zu singen.

Gesprächsrunde über Heimat

Danach ging es in eine erste Gesprächsrunde. Die Moderatoren Daniel Tepper, Bezirkskantor in Sindelfingen, sowie das Ehepaar Krusemarck nahmen zuerst Schirmherr und Bürgermeister Wolfgang Lahl an die Reihe. Was das Motto des Abends in ihm auslöse und was sein Bezug zur Musik sei, wollten sie wissen. "Ich bin stolz in einer Gemeinde zu leben, in der es so viele musiktreibenden Vereine gibt", antwortete er. Und fügte hinzu: "Und ich denke, dass es eine tolle Idee ist, über das Thema Heimat zu sprechen." Sein Bezug zur Musik hingegen sei beschränkt, er habe zwar als Kind Schlagzeug gelernt, sei diesem Hobby seither aber nicht mehr nachgegangen.

Nächster war der Leiter des Posaunenchors, Klaus Budczinski. Der sei über die Flöte zur Posaune gekommen, wie er erzählte. "Ich habe immer zu stark in die Flöte gepustet", erinnerte er sich. Und schwärmte vom Weilemer Posaunenchor: "Die Art und Weise, wie Termine eingehalten werden, das ist unvergleichlich." Dritter der ersten Gesprächsrunde war Franz Lutz, Vertreter des Weiler Gesangsvereins. Lutz singt nun schon seit 50 Jahren und fühlt sich beim Gesangsverein richtig daheim. "Musik ist etwas, das verbindet und wodurch man neue Leute kennenlernt", begründete er seine Liebe zur Musik. Was er aber am meisten schätze beim Gesangsverein? "Das ist die Kameradschaft, dass man immer füreinander da ist", erklärte Lutz. "Und dass es den Blutdruck beruhigt."

Vierter und letzter der ersten Runde war Dieter Staiger von den Harmonikafreunden. Für Staiger ist es ebenfalls die Musik, mithilfe derer man sich am besten integrieren und eine neue Heimat finden können. "Und damit man sich kennenlernen kann, ist es uns wichtig, neben dem Singen etwas gemeinsam zu erleben", erklärte Staiger.

Nach der ersten Gesprächsrunde ging's weiter mit den Harmonikafreunden, gefolgt vom Breitensteiner Liederkranz. Die gaben unter anderem ihr eigenes "Breitensteiner Lied" zum Besten, das extra für eine Jubilarfeier geschrieben wurde. Auf den Liederkranz folgte der katholische Kirchenchor und eine weitere Gesprächsrunde.

Vom Liederkranz-Vorsitzenden Werner Weinstein wollte Bezirkskantor Tepper wissen, was er mit Heimat verbinde. "Heimat ist für mich Wohlfühlen, mich mit geliebten Menschen umgeben und eine gewohnte Umgebung", antwortete der. Und natürlich der Liederkranz, denn ohne den könne er sich Breitenstein gar nicht mehr vorstellen. Auch für Manfred Schuhl vom katholischen Kirchenchor ist die Musik ein Zuhause. "Da kann man die Seele baumeln lassen und runterkommen", erklärte Schuhl. Martin Satzinger vom Musikverein Weil im Schönbuch stimmt zu: "Heimat ist für mich dort, wo man aufwachst und wo Tradition und Kultur gepflegt wird." Werner Gommel vom evangelischen Kirchenchor Gommel ist ein Anliegen, mit Liedern die Heimat wieder mehr in Erinnerung zu rufen. Und das tat der evangelische Chor mit dem Volkslied "Kein schöner Land". Der Weiler Musikverein entführte mit dem Marsch "Abel Tasman" ins weitgelegene Australien bevor Pfarrer Krusemarck den Segen sprach und schließlich alle gemeinsam "Der Mond ist aufgegangen" sangen.

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