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Denkmalschutz macht Weg für Baubeginn frei

Abrissarbeiten ab Anfang 2019 in der Weilemer Ortsmitte

Artikel vom 26. Oktober 2018 - 13:24

WEIL IM SCHÖNBUCH (red). Weil es in Weil im Schönbuch zu einem Interessenkonflikt zwischen den Plänen der Gemeinde für die Innenentwicklung und dem Landesamt für Denkmalpflege kam, wurde von Bürgermeister Wolfgang Lahl der Böblinger Landtagsabgeordnete Paul Nemeth eingeschaltet (die KRZ berichtete).

Nemeth vermittelte ein gemeinsames Gespräch zwischen der Gemeinde und dem Landesamt für Denkmalpflege mit Ministerialdirektor Michael Kleiner aus dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. Dabei gab es zwischen Gemeinde und Landesamt Annäherungen und konkrete Lösungen. "Es ist gut, dass zentrale Streitigkeiten aus dem Weg geräumt sind und zeitnah mit den geplanten Baumaßnahmen begonnen werden kann", zeigte sich Nemeth zufrieden.

Innenstadtentwicklung versus Denkmalschutz - diese Problematik herrschte über die Sommermonate in Weil vor. Konkret ging es darum, dass in der Gemeinde einige der Genossenschaftsbank gehörenden Gebäude im Ortszentrum abgerissen werden sollen, um an dieser Stelle ein Therapiezentrum mit Ärztehaus inklusive Wohnungen zu errichten. Das Landesamt für Denkmalpflege setzte allerdings voraus, dass der Bauherr vor dem Baustart für rund 10 000 Euro eine archäologische Untersuchung durchführen lässt, und zudem bei einem möglichen positiven Befund für rund 100 000 Euro eine Rettungsgrabung durchführen muss. Für Lahl ist dies nicht korrekt. "In Zeiten, in denen wir in der Region täglich darüber klagen, dass ein intensiver Wohnraummangel vorhanden ist und es deshalb auf dem Wohnungsmarkt zu völlig inakzeptablen sozialen Problemen kommt, stellt die aktuelle Rechtslage den Denkmalschutz über dieses Interesse", kritisierte er.

Annäherung in vielen Punkten

Dazu hat Nemeth nun ein gemeinsames Gespräch zwischen der Gemeinde und dem Landesamt für Denkmalpflege mit Ministerialdirektor Kleiner vermittelt. Das Treffen brachte laut einer Pressemitteilung in vielen Punkten eine Annäherung zwischen der Gemeinde und dem Landesamt. "Zumindest die archäologischen Voruntersuchungen werden jetzt in die regulären Aushubarbeiten integriert. Das heißt, dass die Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege erst im regulären Baustellenbetrieb ihre Grabungs- und Schürfungsarbeiten ausführen werden", so Lahl. "So wird zudem vermieden, dass die auf unserem Gelände vorhandenen Parkplätze bereits längere Zeit vor dem Baubeginn nicht mehr genutzt werden können. Mit den Baumaßnahmen soll laut aktuellem Stand im Januar oder Februar begonnen werden", berichtet der Vorstand der Genossenschaftsbank, Enrico Hubert.

Sorgen, dass bei einem möglichen archäologischen Fund auf der Baustelle wochenlang nichts mehr passiert, gibt es zwar nach wie vor, aber: "Das Landesamt für Denkmalpflege wäre bei einem möglichen Fund zu weiteren Gesprächen mit uns bereit", sagt Lahl.

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