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Schulpartner seit 20 Jahren: Weil und Medininkai

Die Schulpartnerschaft der Gemeinschaftsschule Weil im Schönbuch mit dem litauischen Medininkai besteht seit 20 Jahren

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    Weilemer Schüler beim jüngsten Besuch im litauischen Medininkai Foto: red

Artikel vom 22. Oktober 2018 - 15:12

WEIL IM SCHÖNBUCH (red). Im vergangenen Winter waren es zwanzig Jahre, dass der Journalist Klaus Bachmann in einer Zeitung einen Artikel schrieb. "Wer keine Kuh hat, hat kein Auskommen", lautete der Titel. Bachmann war auf dem Weg nach Weißrussland, als er mit einer Autopanne bei Schnee und Eis in dem kleinen Grenzdorf Medininkai in Litauen, zwei Kilometer vor der Grenze nach Weißrussland, stecken blieb und bei Mönchen in einem kleinen Kloster Unterkunft fand. Die Folge dieser Begegnung führte zu einem Zeitungsartikel.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion brachten die Auflösungen der Kolchosen und die Währungsreform die Bevölkerung vor allem auf dem Land Arbeitslosigkeit und Armut. In Breitenstein las Jörg Lehmann den Artikel. Von seiner Betroffenheit bis zur Gründung des Vereins "Breitenstein hilft Medininkai" war es dann nur ein Schritt. Und nach wenigen Wochen fuhr der erste Lastwagen mit Hilfsgütern los. Es sollten weitere Transporte folgen.

Bereits 1998 wurde parallel zu den Hilfstransporten die erste Schülergruppe eingeladen und in den Familien der zirka 30 Vereinsmitglieder untergebracht. Dieser erste Besuch, bei dem die Schüler auch Gäste in der Weilemer Schule waren, war der Beginn einer Partnerschaft, die bis zum heutigen Tag Bestand hat. 2006 fuhr die erste Schülergruppe aus Weil im Schönbuch nach Medininkai, damals noch eine 26-stündige Zugfahrt. Auch jetzt zu den Feierlichkeiten zum 20. Partnerschaftsjubiläum flog wieder eine Schülergruppe nach Litauen, begleitet von Rektorin Annette Pfizenmaier und den sich mittlerweile im Ruhestand befindenden Betreuern der ersten Stunde, Alt-Rektor Karl Heinz Hartmann und Gertrud Sänger. Zum eigentlichen Festakt wurde die Gruppe ergänzt durch Bürgermeister Wolfgang Lahl sowie ehemalige Mitglieder des früheren Vereins "Breitenstein hilft Medininkai" mit ihrem Vorsitzenden Jörg Lehmann.

Stolz waren die Teilnehmer darauf, dass es ihnen gelungen war, den Journalisten Bachmann ausfindig zu machen und mit einzuladen. Eine größere Anzahl der längst erwachsenen litauischen Schüler der ersten Gruppe erzählten von ihren Eindrücken damals in Breitenstein. "Seien sie stolz auf ihren Artikel, Herr Bachmann!", sagte Aljona P., selbst Mitglied der ersten Schülergruppe und noch immer engagiert in der Schulpartnerschaft. Der Journalist und heutige Professor für neuere Geschichte an einer Universität in Warschau war sichtlich beeindruckt von dem, was damals begonnen hat. "Es ist gut, und kommt doch so selten vor, dass eine journalistische Arbeit Folgen hat", so kommentierte er die 20 Jahre Partnerschaft.

Nachdem Hartmann in einer Präsentation nochmals die Geschichte der Partnerschaft Revue passieren ließ, wiesen die Rektorinnen Annette Pfizenmaier und Petruvic auf die Bereicherung beider Schulen hin, die durch die gemeinsamen Kontakte entstanden sind. Dies wurde durch kurze Beiträge der deutschen Gastschüler unterstrichen, die darauf hinwiesen, welchen Gewinn für sie diese Reise hat, verbrachten sie doch gerade wieder eine Woche mit vollem Programm in Unterricht, Workshops und Ausflügen gemeinsam mit ihren Gastgeschwistern.

Bürgermeister Lahl ebenso wie die Bürgermeisterin von Medininkai beteuerten in ihren Reden den Respekt vor der geleisteten Arbeit und die Hoffnung auf eine Fortführung des gemeinsamen Weges. Auch Jörg Lehmann drückte seine Freude aus darüber, was so spontan begann und dann so weite Kreise zog.

Sehr erfreut und dankbar zeigte sich die Schule in Medininkai über ein gemeinsames Geldgeschenk der Gäste. Mit ihm soll ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gehen, der einen gemeinsamen Ausflug aller 105 Schüler der Schule mit ihren Lehrkräften ermöglicht, denn noch immer gibt es im Dorf Familien, die ihren Kindern solche Träume nicht erfüllen können.

Nach der dreieinhalbstündigen offiziellen Veranstaltung, die von Schülern der Schule in Medininkai moderiert und mit Tanz- und Musiknummern begleitet wurden, endete der erste Teil des Festaktes. Im einzigen Restaurant des Dorfs wurde nun weiter gefeiert, gegessen und sich unterhalten. Ein brillanter Abschluss brachte dann noch eine Überraschung. Alle Gäste wurden aufgefordert, sich im Hof zu versammeln, wo plötzlich ein fantastisches Feuerwerk gezündet wurde.

Im kommenden Jahr soll zeitgleich mit dem Besuch der litauischen Schüler das Jubiläum in Weil im Schönbuch gefeiert werden.

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