Johannes Dieterle aus Weil im Schönbuch eröffnet Privatmuseum mit unzähligen Feuerwehrhelmen

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    Johannes Dieterle frönt einem besonderen Hobby: Der ehemalige Abteilungskommandant der Feuerwehr Weil sammelt Helme und Mützen zu besichtigen in seinem Privatmuseum

Artikel vom 15. April 2018

WEIL IM SCHÖNBUCH (red). Es sind Raritäten darunter, die für manchen Liebhaber womöglich sogar die Qualität einer Devotionalie annehmen können: Im Souterrain seines Wohnhauses hat der Weilemer Johannes Dieterle über Jahrzehnte hinweg eine beachtliche Sammlung von Feuerwehrhelmen, Mützen und Militaria zusammengetragen.

Irgendwie scheint die Sammelleidenschaft den Brüdern Dieterle in die Wiege gelegt worden zu sein. Während der jüngere, Armin (79), im Altdorfer Privatarchiv fotografische Dokumente sammelt, die bis in die Kriegstage zurückreichen (die KRZ berichtete), hat der ältere, Johannes (82), bei sich daheim ein Privatmuseum der Feuerwehrhelme und Mützen aufgemacht. Das war im Jahr 2014. Seitdem hat er zwar nicht viel Besuch bekommen im Souterrain seines Wohnhauses in der Vogelsangstraße - doch prinzipiell steht nach telefonischer Voranmeldung einer Besichtigung nichts im Weg, betont er. Ganz im Gegenteil erhofft sich der Weilemer, der von 1982 bis 1994 Kommandant der Feuerwehrabteilung Weil im Schönbuch war, interessierte Gäste, mit denen sich vielleicht auch angeregt über "die gute alte Zeit" aus längst vergangenen Feuerwehrtagen plaudern lässt.

Was der Weilemer da im Lauf seines halben Lebens in seinem Keller zusammengetragen hat, kann sich wahrlich sehen lassen. Viele seiner Ausstellungstücke hat er feinsäuberlich nach Herkunft auf den Regalen sortiert: "Bestimmt 20 bis 30 Länder sind vertreten", sagt er. Und so finden sich im Kellerraum dicht an dicht Helme aus Deutschland und der DDR, aus Polen, Russland und Tschechien, aus Österreich und der Schweiz, aber auch aus Neuseeland, Australien, Mexiko und der USA. Letztgenannten Helm hat ein Feuerwehrmann am 9. September 2011 in New York aufgehabt, an jenem Tag also, an dem Terroristen zwei Flugzeuge ins World-Trade-Center hineinsteuerten.

Vom Sammlervirus gepackt wurde Johannes Dieterle "wahrscheinlich irgendwann" in seiner aktiven Zeit als Feuerwehrkommandant in Weil. Seitdem lässt er die Beziehungen spielen, um an die begehrten Stücke heranzukommen: Befreundete Kollegen anderer Wehren hat er mit Erfolg um Sammlerstücke gebeten, aber auch Flohmärkte hat er abgeklappert und ist häufig fündig geworden. Viele Mitbringsel von Freunden aus Urlaubsreisen sind darunter. "Und viel hab ich getauscht oder gekauft - so isch mer halt zu dem Zeugs komme", sagt der Weilemer.

Pickelhauben aus Württembergs Königszeit

So wuchs die Sammlung, peu à peu, im Lauf der Jahrzehnte immer weiter an. Eine weibliche Schaufensterpuppe, die er einem Sindelfinger Fachgeschäft abschwatzen konnte, ziert inzwischen die Uniform, mit der er selbst im Weilemer Feuerwehrhaus ein- und ausgegangen ist. Und das männliche Pendant gegenüber im Raum macht Staat mit der Feuerwehruniform eines Eidgenossen.

Die wertvollsten Schmuckstücke freilich hat er hinter eine Glasvitrine gepackt: Darunter eine Pickelhaube aus der Zeit von König Karl - "Württemberg um 1880", erklärt ein kleines Täfelchen. Aber auch jede Menge an Polizeimützen, Nato-Kopfbedeckungen, GSG-9- Kappen und ein Militärhelm aus der Wehrmachtszeit finden sich im Dieterleschen Souterrain. Ein chinesisches, besonders schweres Prunkstück macht einem die ganze Last des Ehrenamts deutlich. Wie viel Kilo das gute Stück auf die Wage bringt? "Oje, des weiß i gar net so genau." Sackschwer jedenfalls hockt der Deckel auf dem Meckel.

Doch wer schon mal da ist, im Keller des Weilemer Dieterle, der sollte auch nicht versäumen, noch einen Blick in den benachbarten Kellerraum zu werfen. Auch dort stapeln sich die Schmuck- und Prunkstücke. Neben einer riesigen Fuchsschwanz-Säge und einer Waldsäge, die von zwei Männern mit Muskelkraft bedient werden musste, hängen dort auch Geweihe an der Wand. Und ausgestopfte Hechte, die der Hobbyangler einst an Land gezogen hat. Mitten im Raum aber stehen blitzeblank zwei originale NSU-Motorräder, Baujahr 52. Eine Fox und eine Quick. "Angemeldet, versichert und fahrbereit", wie der 82-Jährige betont. Selbst will er sich zwar nicht mehr draufschwingen und das Gaspedal durchtreten; aber vielleicht findet ja irgendwann einmal auch ein interessierter Käufer den Weg ins Weilemer Souterrain?

Wer Lust bekommen hat auf eine Besichtigung des Privatmuseums, kann sich bei Johannes Dieterle anmelden, Telefon (0 71 57) 6 19 28.Zur Person: 1936 geboren in Altdorf, dort in den Kindergarten und zur Volksschule gegangen.1951 Lehrjahre in Altensteig, Ausbildung zum Kaminfeger.1961 Heirat und Umzug nach Weil zur Gattin Hildegard.1971 Bezirksschornsteinfegermeister in Neuenstadt am Kocher.1981 Umzug nach Weil. Dieterle betreut bis zum Ruhestand 2001 als Bezirksschornsteinfegermeister von Böblingen auch Ehningen und Dagersheim.1954 beginnt Dieterles Karriere als Feuerwehrmann in Altenstieg, er ist nacheinander in den Wehren Altdorf, Neuendorf und Weil aktiv. In Weil löst er 1982 Hans Notter als Kommandant ab und wird 1994 Ehrenkommandant bis zu seinem Austritt. Dieterle hat einen Sohn, eine Tochter und fünf Enkelkinder.
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