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Angeklagter beschimpft Gericht und muss Saal verlassen

Urteil im Eisenstangen-Prozess: 56-Jähriger aus Weil im Schönbuch muss zwölf Jahre ins Gefängnis wegen Mordversuchs an der Ehefrau

Von Bernd S. Winckler

Artikel vom 01. März 2014 - 10:38

WEIL IM SCHÖNBUCH. Der fast tödliche Angriff eines 56-Jährigen aus Weil im Schönbuch gegen seine 52-jährige Ehefrau mit einem 500 Gramm schweren Eisenstab endete gestern vor der Stuttgarter Schwurgerichtskammer mit der Verurteilung des Mannes zu zwölf Jahren Haft. Die Richter werteten die Schläge gegen den Kopf der Frau als versuchten heimtückischen Mord aus niederen Beweggründen und wiesen den Antrag der Verteidigung auf Körperverletzung zurück.

Die gestrige Urteilsverkündung gegen den rabiaten Ehemann musste im Stuttgarter Landgerichts mehrmals unterbrochen werden. Der Angeklagte wollte das Urteil nicht hinnehmen. Noch während die Vorsitzende Richterin das Urteil mündlich begründete, fing er an, sie und die ganze Strafkammer einschließlich der Staatsanwältin laut zu beschimpfen und machte Anstalten, sich zu erheben. Daraufhin wurde der Angeklagte gewaltsam aus dem Saal gebracht.

Erst eine halbe Stunde später konnte die Urteilsbegründung fortgesetzt werden, wobei der Angeklagte erneut ständig lautstarke Proteste und Meinungsäußerungen über seine Abneigung gegen das Gericht und gegen das Urteil von sich gab. Die Vorsitzende Richterin riet ihm, er könne sich ja gegen den Schuldspruch wehren.

Die Strafkammer stellte im Urteil fest, dass seine Ehefrau ihn bereits im März vergangenen Jahres verlassen hatte. Nachdem er sie selbst aus der gemeinsamen Wohnung in Weil im Schönbuch hinausgeworfen hatte, forderte er plötzlich wieder ihre Rückkehr. Doch die Frau war zu ihrer Tochter nach Ludwigsburg gezogen und erklärte ihrem Ehemann die endgültige Trennung, nachdem sie jahrelang dessen Herrschsüchtigkeit, seine Schläge und Spielsucht, bei der er alles Geld verlor, erdulden musste.

Diese Trennung habe nach Meinung des Gerichts der in Kurdistan geborene Angeklagte aufgrund seiner hierarchischen Lebenseinstellung bezüglich Ehe und Familie nicht hinnehmen wollen. Wochenlang versuchte er, sie gewaltsam zurückzugewinnen. Dabei sprach er mehrfach Morddrohungen gegen seine Frau aus. Falls sie nicht freiwillig zurückkehre, werde er ihr den Kopf abschneiden. Noch eine Woche vor der Tat drohte er, sie werde "dafür bezahlen".

An jenem 13. Juli letzten Jahres habe der Mann schließlich sein Vorhaben, die abtrünnige Frau zu töten, in die Tat umsetzen wollen, so das Urteil. Ein letztes Gespräch, in dem er versuchte, sie umzustimmen, fand frühmorgens auf einem Supermarkt-Parkplatz in der Ludwigsburger Innenstadt statt.

Schläge verursachen Gehirnblutung

Wieder war die Frau der Forderung nach einer "bedingungslosen Rückkehr" nicht nachgekommen. Als sie dann aus seinem Fahrzeug ausstieg und wieder zurück in die nahe Wohnung ihrer Tochter gehen wollte, holte der Angeklagte aus dem Kofferraum das 40 Zentimeter lange Eisenstück und schlug ihr mit direktem Tötungsvorsatz von hinten mehrfach kräftig auf den Kopf. Sie sollte mit ihrem Leben dafür zahlen. Dies nennt das Gesetz einen "niederen Beweggrund", weil das Motiv auf niederster Stufe stehe. Durch die Schläge habe der Mann den Tod der Frau in Kauf genommen. Selbst als die Frau verletzt auf dem Boden lag, schlug ihr Mann weiter mit der Eisenstange auf sie ein und versetzte ihr lebensgefährliche Kopfverletzungen, ehe er zurück in seine Wohnung nach Weil im Schönbuch fuhr.

Die Frau habe ihn provoziert, sagte der Angeklagte im Prozess, weil sie ihm von einem anderen "Freund" erzählt habe. Das habe er nicht dulden können. Eine mögliche Tötung sei nie seine Absicht gewesen. Die 52-Jährige erlitt neben zahlreichen Knochenbrüchen ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Gehirnblutung, die nur durch eine Notoperation im Krankenhaus gestoppt werden konnte. An den Folgen leidet sie noch heute und kann nicht mehr ohne Stock gehen.

Der Verteidiger des 56-Jährigen will Revision einlegen. Er hatte in seinem Plädoyer ausgeführt, dass keine Tötungsabsicht, sondern nur eine Körperverletzung vorliege.

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