Mit dem Steakmesser gegen den Ehemann

52-Jährige aus Hildrizhausen ist wegen versuchten Totschlags vor dem Stuttgarter Landgericht angeklagt

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    Symbolbild: Archiv

Artikel vom 06. Februar 2019 - 17:00

Von Bernd S. Winckler

HILDRIZHAUSEN. Eine Schwurgerichtskammer am Stuttgarter Landgericht versucht seit dem gestrigen Mittwoch zu klären, ob der Messereinsatz einer 52-jährigen Frau gegen ihren Ehemann in Hildrizhausen am 25. August vergangenen Jahres als ein Verbrechen des versuchten Totschlags zu werten ist. Die in den USA geborene Beschuldigte soll laut Anklage versucht haben, ihren vier Jahre jüngeren Ehemann mit dem Steakmesser zu töten. Ein Vorwurf, den die Frau allerdings bestreitet.

Die Geschichte, die die 52-jährige ehemalige US-Soldatin den Stuttgarter Richtern erzählt hat, ist ziemlich verworren: Demnach habe sie niemals die Absicht gehabt, ihren Ehemann mit dem Messer anzugreifen. Allerdings sagen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen etwas anderes: Nämlich, dass sie am Nachmittag des 25. August 2018 zunächst ihrem Ehemann den Zugang zum Haus in Hildrizhausen verweigert hat. Dieser habe sich anschließend nicht zu helfen gewusst und benachrichtigte besorgt die Polizei, weil seine Frau erst kurz zuvor aus einer Klinik entlassen worden war. Plötzlich habe die Frau schließlich doch die Türe geöffnet und in ihrer Hand hinter dem Rücken versteckt das Messer mit der 19,5 Zentimeter langen Klinge gehalten. Dann soll sie auf einmal versucht haben, damit auf den Ehemann einzustechen, was dieser mit Hilfe eines Nachbarn jedoch verhinderte. Dazu konnte er seiner Frau das Messer abnehmen, ohne dabei verletzt zu werden. Dieser Vorfall, so die Anklage, erfülle den Tatbestand des versuchten Totschlags.

Davon jedoch distanziert sich die 52-Jährige energisch. Sie gibt im Gerichtssaal an, dass sie am Tag zuvor nach einer komplizierten Operation aus dem Böblinger Krankenhaus entlassen worden war, es ihr dann aber zu Hause plötzlich schlechter erging, weil neue Wundblutungen auftraten. Sie wollte deshalb aber nicht mehr in die Klinik, obwohl ihr das dringend geraten wurde. Sie habe sich daraufhin im Haus eingeschlossen, weil sie Angst hatte, dass ihr Ehemann sie jetzt in die Klinik bringen könnte. Aus diesem Angstzustand heraus sei der Messerangriff zu sehen. Sie habe auch geglaubt, dass ihr Ehemann beauftragt sei, sie umzubringen. Einen richtigen Angriff habe sie jedoch nicht vorgehabt. "Ich liebe meinen Mann!" Einen Grund ihn zu töten, habe es nicht gegeben.

Seit 2016 in Deutschland

In der intensiven Befragung durch die Richter der Stuttgarter Schwurgerichtskammer stellte sich heraus, dass die pensionierte US-Soldatin schon einmal wegen psychischer Probleme behandelt worden ist - sie sei aber nicht psychisch krank, erklärte sie. Die Behandlung sei lediglich aufgrund ihrer Tätigkeit in verschiedenen Kriegsschauplätzen im Irak, Kosovo und Bosnien, wo sie schreckliche Geschehnisse mit der Folge von Angstzuständen miterlebt habe, nötig gewesen. Als Spezial-Kommunikatorin war sie an verschiedene Fronten abgeordnet - "auch in Kampfgebieten", betonte sie: von ihrem 20. bis zum 43. Lebensjahr. Im Jahr 2016 kam das Ehepaar nach Deutschland. Auch ihr Ehemann ist Elite-Soldat in der US-Armee. Beide sind aktive Angehörige der US-Streitkräfte Stuttgart. Man habe immer eine sehr harmonische Ehe geführt und das sei heute noch so, beteuerte die 52-jährige Frau.

Mit Hilfe eines psychiatrischen Sachverständigen wollen die Stuttgarter Richter in den kommenden Verhandlungstagen feststellen, in welchem psychischen Zustand sich die Angeklagte am 25. August 2018 befand. Hat ihre panische Angst vor einem nochmaligen Klinikaufenthalt mit der Tat zu tun? Ist sie möglicherweise daher im strafrechtlichen Sinne nicht schuldfähig? Fragen über Fragen, die auch zwei Beobachter des US-Militärs, die dem Prozess beiwohnten, sehr interessieren.

Nach der Tat wurde die Beschuldigte zunächst von der deutschen Polizei festgenommen. Sie befand sich drei Monate in Untersuchungshaft, wurde dann aber gegen Auflagen im November wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach drei Prozesstagen will die Strafkammer am Donnerstag nächster Woche ein Urteil fällen.

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