Verwaltung kämpft für Tempo 30 in Altdorf

Gemeinde kämpft mit Lärmgutachten für Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Ortsdurchfahrt

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    Noch dürfen die Blechkarawanen mit bis zu 50 Stundenkilometern durch Altdorf fahren. Mit dem Lärmaktionsplan könnte sich das in Zukunft aber ändern Foto: Martin Müller

Seit zwei Jahrzehnten schon redet die Gemeinde Altdorf über Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt. Eine Verwirklichung aus Sicherheitsaspekten lehnten die verantwortlichen Behörden ab. Der am Dienstag im Gemeinderat vorgestellte Lärmaktionsplan könnte das ändern.

Artikel vom 17. Mai 2018 - 10:00

Von Holger Schmidt

ALTDORF. "Es ist eine historische Chance", appellierte BWV-Rat Wolfgang Henne an seine Kollegen, das Vorhaben im engen Schulterschluss mit Hildrizhausen, wo die Anwohner der L 1184 genauso lärmgeplagt sind, doch noch zu verwirklichen.

"Lärm zählt zu größten Umweltproblemen", führte Carina Schulz von dem in Altdorf und Hildrizhausen mit der Lärmberechnung und -kartierung beauftragten Büro Rapp Trans AG aus. Die Analyse der Experten förderte an den Tag, dass in Altdorf bei 10 800 bis 15 000 Fahrzeugen in 24 Stunden tagsüber 99 und nachts sogar 111 rechnerische Betroffenheiten bezüglich des damit verbundenen Lärms in der Ortsdurchfahrt bestehen. Davon liegen sieben beziehungsweise elf davon über den Tages- und Nachtgrenzwerten von 70 beziehungsweise 60 Dezibel, so dass aus Sicht der Gutachter dringender Handlungsbedarf besteht.

Als Lösung kommen aus Sicht der Fachleute eine Geschwindigkeitsbeschränkung und ein lärmoptimierter Fahrbahnbelag mit flankierenden Maßnahmen wie digitaler Geschwindigkeitsanzeige oder stationären Kontrollen infrage. "Wenn Zone 30, dann mit Kontrolle", stieß Letzteres nicht nur bei Wolfgang Henne auf Zustimmung.

Trotzdem schieden sich im Gremium an einer Geschwindigkeitsbegrenzung die Geister. "Damit tue ich mich schwer", bekannte Christoph Zipperer von der Bürgerlichen Wählervereinigung (BWV). Frust, Ärger und gefühlter Zeitverlust wurden als Gegenargumente ins Feld geführt. Fraktionskollege Jürgen Wurster setzt lieber auf den "Flüsterasphalt". Tempo-30-Befürworter Albrecht Brenner vom Altdorfer Forum hörte aus einigen Beiträgen der Ratskollegen das "Sankt-Florian-Prinzip" heraus und empfahl, notfalls sogar den Rechtsweg zu beschreiten. "Bevor wir tiefer und weiter reingehen, müssen wir den Wunsch der Bevölkerung klären", sagte BWV-Rätin Katarina Creuzberger. Diese Öffentlichkeitsbeteiligung geschieht derzeit in Hildrizhausen, wo das Verfahren schon weiter fortgeschritten ist, und steht in Altdorf für einen späteren Zeitpunkt ebenfalls auf der Agenda.

Unverständnis über Behörden

Denn trotz mancher Bedenken beschloss der Altdorfer Gemeinderat am Dienstag einstimmig, weitere Schritte im Rahmen der Lärmaktionsplanung zu gehen. Dazu gehören Wirkungsanalysen der vorgeschlagenen Maßnahmen, die vor allem für Landratsamt und Regierungspräsidium endlich unwiderlegbare Argumente liefern sollen. "Ich verstehe nicht, warum im Kreis Tübingen in allen Ortsdurchfahrten Tempo 30 vorgeschrieben ist, aber nicht im Kreis Böblingen", äußerte Bürgermeister Erwin Heller sein Unverständnis über die bisherige ablehnende Haltung hiesiger Behörden.

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