Ein offenes Haus soll es werden

Gestern war Richtfest fürs Gustav-Fischer-Stift in Hildrizhausen

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Je mehr das Gebäude Gestalt annimmt, umso größer wird die Zustimmung unter den Bürgerinnen und Bürgern von Hildrizhausen. Mit dieser Einschätzung stand Bürgermeister Matthias Schöck gestern beim Richtfest für das Gustav-Fischer-Stift keineswegs alleine.

Von Martin Müller

Artikel vom 16. Mai 2013 - 16:42

HILDRIZHAUSEN. Anders als beim Spatenstich am 27. Juli 2012, als die Sonne vom Himmel strahlte, hatte gestern beim Richtfest für Hildrizhausens Pflegeheim ein eher miesepetriger Wettergott Regie geführt. Es war lausig kalt und nass - aber der guten Stimmung am Bau tat dies keinen Abbruch. Andreas Schmiedel, der Verwaltungsdirektor der Evangelischen Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal, die als Bauherrin für das neue Pflegeheim am Werk ist, gewann der Wetterlage etwas symptomatisches ab: Von einem "furchtbar langen, bitter kalten, durch und durch trüb-grauen Winter, der uns auch heute noch zittern lässt", hätten sich die Handwerker keineswegs entmutigen lassen und "manche Schlacht gegen die Kälte erfolgreich geschlagen". Dem Bauwerk, so seine Überzeugung, könne die Mühe aller Beteiligten abgespürt werden, "eine letztlich optimale Lösung für die künftigen Bewohner und Mitarbeiter" zu verwirklichen: "Ich bin zuversichtlich, dass das Pflegeheim ein Schmuckstück wird", sagte Schmiedel, auf dass die künftigen Bewohner "hier möglichst bald ein Gefühl von Heimat entwicklen und - soweit ihr Zustand dies zulässt - sich hier rundum wohl fühlen können."

Auch Andreas Link, Geschäftsführer des Generalunternehmers, der Geiger Schlüsselfertigbau GmbH aus Augsburg, nahm auf den harten Winter Bezug. Weil etliche Arbeiten nur bei Plusgraden zu bewerkstelligen waren, hätte der Fertigstellungstermin um vier Wochen auf Mitte November nach hinten verschoben werden müssen. Der Evangelischen Diakonieschwesternschaft zollte er seinen "absoluten Respekt" für das vorbildliche regenerative Energiekonzept: "Hier werden Maßstäbe gesetzt." Das Haus soll mit Erdwärme behelfs Wärmepumpen geheizt werden, dazu wurden flachgründig 7,2 Kilometer Rohre mit Erdwärmekollektoren verlegt. Die eingefangene Wärme wird über 17 Kilometer lange Warmwasserrohrleitungen durch die Decken des Gebäudes gejagt, so dass eine so genannte Betonkernaktivierung zustande kommt: Das Gebäude strahlt also gewissermaßen von innen heraus seine Wärme ab. Zugleich wird eine Wärmerückgewinnung über das kontrollierte Belüftungssystem erzielt. "Bis auf den heutigen Tag, so Link, "sind 35 Kilometer an Rohrleitungen verlegt worden"; hinzu kommen 2900 Kubikmeter Beton und 250 Tonnen Baustahl.

Fertigstellung Mitte November, Inbetriebnahme Anfang Dezember

"Die Firmen haben mit überaus großem Engagement angepackt und Ebene für Ebene vom Untergeschoss bis zum Dachgeschoss realisiert", lobte Bürgermeister Mathias Schöck. Er sei überzeugt davon, dass das umfassende Raumprogramm mit 39 Pflegeplätzen, zehn betreuten Seniorenwohnungen, Kurzzeitpflegeplätzen und zwei Büros für den Krankenpflegeverein und die Diakoniestation Schönbuchlichtung sich in den Baukörper sehr gut integrieren lasse. Ein im Erdgeschoss geplanter Mehrzweckraum soll zudem für Veranstaltungen zur Verfügung stehen.

"Und trotz seiner Dominanz passt sich das Gebäude in die Umgebung gut ein." Begleitend zum Neubau habe die Gemeinde ihre Hausaufgaben gemacht, so Bürgermeister Schöck: Der Fußweg vom Rohrwiesengässle zur Ehninger Straße sei verbreitert worden und bis zur geplanten Inbetriebnahme im Dezember soll auch eine sichere Querung über die Ehninger Straße in die Ortsmitte geschaffen werden. Für die Gemeinde sei es ganz wichtig, so Schöck, dass das Gustav-Fischer-Stift ein offenes Haus wird. Und die Gemeinde selbst wolle ihren Beitrag dazu leisten. Gebildet hat sich ein Förderkreis aus ehrenamtlich aktiven Kräften für das Pflegeheim, am ersten Treffen im November nahmen bereits 25 Akteure teil. Am 20. Juni wird um 19 Uhr das zweite Treffen im Bürgersaal stattfinden. Aus der Mitte des Förderkreises heraus sollen regelmäßige ehrenamtliche Angebote für die Bewohner initiiert werden: Spaziergänge beispielsweise, Gedächtnistrainingseinheiten oder Angebote für Rollstuhlfahrer. "Es wird eine ganze Palette an Möglichkeiten geben, die das Leben im Gustav-Fischer-Stift bereichern werden." Auf diese Weise könne eine hohe Identifikation der Bürgerschaft mit der Einrichtung erreicht werden. Schöck ist sich sicher: "Unsere Infrastruktur wird dadurch nachhaltig positiv aufgewertet."

Oberin Ines Sauter von der Diakonieschwesternschaft sprach zu guter Letz ein geistliches Wort - und nahm Bezug auf die Tageslosung der Herrnhuter Gesellschaft: "Ich will Frieden geben an dieser Stätte, spricht der Herr Zebaoth." Ein Spruch, der nach der Rückkehr der Israeliten aus Ägypten vor 2500 Jahren an der Baustelle des salomonischen Tempels gesprochen worden sei. Diese Tageslosung sei "eine wunderbare Fügung für unser Richtfest heute", so die Oberin: Schließlich solle das Gustav-Fischer-Stift doch ein Haus werden, "in dem Menschen auf dem letzten Abschnitt ihres Weges in Frieden leben und Geborgenheit und Sicherheit erleben können".

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