Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl im Forum der Oskar-Schwenk-Schule verfolgen 130 Zuhörer

Parforceritt durch Waldenbucher Themen

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    Eines der ganz wichtigen Themen in Waldenbuch: Was genau soll auf dem Areal Auch am Eingang zur Altstadt entstehen? Foto: Martin Müller

Das Kulturwerk Waldenbuch veranstaltete am Mittwochabend eine Podiumsdiskussion zur Gemeinderatswahl am 26. Mai. 130 Bürgerinnen und Bürger kamen dazu in das Forum der Oskar-Schwenk-Schule und nutzten die knapp zweistündige Veranstaltung, um die eigene Wahlentscheidung zu fundieren.

Artikel vom 16. Mai 2019 - 19:00

Von Volker Held

WALDENBUCH. Die bisher schon im Gemeinderat vertretenen Fraktionen von Freien Wählern, CDU und SPD wurden vom Kulturwerk angeschrieben und um Entsendung von jeweils zwei Vertretern gebeten. Zugeladen waren zwei Kandidaten der Wahlliste von Bündnis 90 / Die Grünen. Zunächst hatten die Parteien und Wahlvereinigungen die Gelegenheit, in Kürze ihr Programm für die kommenden fünf Jahre vorzustellen.

Für FWV-Kandidat Sascha Brand sind die Bürgerbeteiligung, die digitale Ausstattung der Schule, die Erhaltung des Waldenbucher Charakters und der Ausbau der Radwege wichtige kommunalpolitische Themen. Die FWV-Fraktionsvorsitzende Annette Odendahl ergänzte als wichtige Zielsetzungen die finanzielle und moralische Unterstützung der Vereine und des Ehrenamts sowie die Stärkung des Kindergarten-Wesens mit einem Kindergarten im Neubaugebiet nördlich des Bussardwegs.

Dr. Maria Rapp und Sebastian Winkler treten für Bündnis 90 / Die Grünen an. Die einleitende Bemerkung Rapps, dass die Grünen erstmals als Liste antreten, sorgte für Gebrummel im Publikum, weil bereits vor Jahrzehnten die offene grüne Liste erfolgreich für das Stadtparlament kandidierte. Für Rapp sind die nachhaltige und vorausschauende Stadtentwicklung, Toleranz und Vielfalt, Umweltschutz und die Wohnungsnot die wichtigsten Themen. Sebastian Winkler möchte eine strategische Koordinations- und Überwachungsstelle für Artenvielfalt schaffen und die Straßen intelligent beleuchten. Er sagte der Vermüllung der Stadt den Kampf an.

Bei der Wohnbebauung geht für SPD-Fraktionsvorsitzende Ingrid Münnig-Gaedke "Innenverdichtung vor Flächenverbrauch"; sie will außerdem die städtischen Grünflächen naturnah pflegen sowie den ÖPNV und die Radschutzstreifen ausbauen. Die SPD steht außerdem zur tariflich verankerten Rückkehr der städtischen Beschäftigten zur 39-Stunden-Woche. SPD-Stadtrat Ferdinando Puccinelli ergänzte die wohn-ortnahe Schaffung attraktiver Kindergartenplätze, Treffpunkte für Jugendliche und ein Stromausfallkonzept als SPD-Themen.

Bei der Sanierung und Entwicklung der Innenstadt möchte der CDU-Fraktionsvorsitzende Karl Rebmann die ortsbildprägenden historischen Gebäude erhalten, Rebmann tritt für "Handel und Dienstleistung in der Stadt", für die Reduzierung des Verkehrslärms und gegen leerstehenden Wohnraum ein. CDU-Kandidat Leon Kolb steht für den Ausbau der Nachtbuslinien und der Radschutzstreifen, aber auch zum motorisierten Individualverkehr - allerdings mit alternativen Antrieben.

Vier Themenkomplexe bei der moderierten Fragerunde

In den Mittelpunkt der zweiten Runde stellte Moderator Jan-Philipp Schlecht, Chefredakteur der Kreiszeitung Böblinger Bote, die vier Themen Abbau von Wohnraum-Leerstand, Mehr-Generationen-Quartier, Erweiterung Nord und die Zukunft des Auch-Areals.

Die CDU setzt beim Abbau des Wohnraum-Leerstands auf das "Karlsruher Modell" und sieht damit die öffentliche Hand als Förderer, Vermittler und Bürge. Als einzige Partei ist die SPD auch dazu bereit, eine Abgabe gegen leer stehenden Wohnraum zu erheben. Gegen Strafmaßnahmen und für Anreize ist die FWV. Bei Neubauprojekten müsse ein Anteil bezahlbarer Wohnungen durchgesetzt werden, sagte Annette Odendahl. Dr. Maria Rapp sieht die Ursachen für leer stehenden Wohnraum im Wohlstand und im Mietrecht, das sie zu Gunsten der Vermieter ändern möchte.

Ein zentrales Thema für alle Listen ist die Entwicklung des Mehr-Generationen-Quartiers auf dem Kalkofen. Darüber, dass das Mehr-Generation-Quartier neben (betreuten) Wohnungen für Alt und Jung, (Tages-) Pflege und Begegnungsmöglichkeiten auch Räume für Vereine und ein Café / Restaurant umfassen soll, herrscht bei FWV, SPD und CDU weitgehend Konsens. Die Konzeption "noch einmal durchdenken" will hingegen die Grüne Maria Rapp, die nicht alles für umsetzbar hält. Im Zentrum müssten betreute Wohnungen, Tagespflege und verschieden große, barrierefreie Wohnungen stehen.

Bei der Wohngebietserweiterung Nord stehen FWV, CDU und SPD zur beschlossenen Ausweisung auf der Westseite der Hasenhofstraße. Grundsätzlich gegen die Erweiterung Nord ist Maria Rapp. Sie will "die starken Zuzüge hinterfragen und die Wirtschaftskraft gleichmäßiger verteilen".

"Vorsichtig weiterentwickeln" möchte Annette Odendahl das Auch-Areal als "Herzstück des Städtles" mit Wohnbebauung und Gastronomie. Ausreichender Parkraum müsse durch eine Tiefgarage gesichert werden, so Odendahl. Für Parken, Handel und Wohnen auf dem Auch-Areal tritt Leon Kolb von der CDU ein. Und Ingrid Münnig-Gaedke möchte in den Bürgerdialog eintreten. Dr. Maria Rapp möchte erst einmal grundsätzlich diskutieren, wie groß Waldenbuch überhaupt werden will.

Jugendliche wünschen freies W-LAN und ein Fast-Food-Restaurant

Die Veranstaltung richtete sich im besonderen auch an die jüngeren Erstwähler. Obwohl kaum ein Mitglied dieser Zielgruppe auszumachen war, waren deren Themen trotzdem präsent. Jugendreferent Achim Böll stellte die Ergebnisse einer Befragung Jugendlicher vor, die ein freies WLAN-Netz und die Ansiedlung eines Fast-Food-Restaurants als wichtige Themen sehen. Während FWV, SPD und CDU sich auch für ein Fast- Food-Restaurant aufgeschlossen zeigten, lehnen dies die Grünen als nicht nachhaltig in Bezug auf Umwelt und Steuererlöse ab.

Abschließend hatte das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Der ehemalige CDU-Stadtrat Thomas Zipfel sieht in der Nicht-Beteiligung amerikanischer Einwohner am urbanen Leben ein Problem. Während Maria Rapp "die abgekapselte Parallelgesellschaft der Amerikaner" durchaus als Problem sieht, hielten die Vertreter der anderen Fraktionen den Begriff der Parallelgesellschaft für übertrieben.

Professor Roland F. Buchmaier, Sprecher der Initiative Bussardweg / Zeisigweg, die für eine Norderweiterung östlich der Hasenhofstraße eintritt, sah "erhebliche Defizite" in punkto Transparenz und Bürgerbeteiligung bei der Ausweisung des Neubaugebiets. Mit dieser Ansicht stieß Buchmaier allerdings bei keiner der Gruppierungen auf Verständnis.

Die vom Waldenbucher Kulturwerk vor wichtigen Wahlen bereits traditionelle veranstaltete Podiumsdiskussion wurde erstmals von Jan-Philipp Schlecht, dem Chefredakteur der Kreiszeitung, moderiert. Kulturwerks-Sprecherin Anette Störrle freute sich, dass zu mehreren kommunalpolitischen Themen "doch recht unterschiedliche Meinungen" deutlich geworden sind.

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