Brandserie in Steinenbronn hat keinen islamistischen Hintergrund

Polizei schließt auch einen türkisch-kurdischen Kulturstreit als Hintergrund für die sechs brennenden Autos aus

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    Zwischen den sechs Tatorten im Dornröschenweg, Rapunzelweg, der Tübinger Straße und dem Hagwiesenweg liegen 250 Meter Luftlinie Grafik: Google

Artikel vom 03. April 2018 - 18:00

Von Martin Müller

STEINENBRONN. "Eine solche Brandserie hatten wir schon lange nicht mehr", sagt Peter Widenhorn, Chef der Pressestelle im Polizeipräsidium Ludwigsburg: Wie berichtet waren in Steinenbronn in der Nacht auf Samstag sechs Autos in einem Wohngebiet südlich der Schönaicher Straße angezündet und zum Teil auch komplett zerstört worden.

Die Feuerwehr Steinenbronn hatte alle Hände voll zu tun, war mit drei Fahrzeugen und 20 Mann gegen 1 Uhr zum ersten Brandort im Dornröschenweg ausgerückt. Nach und nach gingen dann binnen einer knappen Stunde fünf weitere am Straßenrand geparkte Autos in Flammen auf: im Rapunzelweg, in der Tübinger Straße/Ecke Teckstraße und zuletzt im Hagwiesenweg. Der oder die Täter hatten nach derzeitigem Ermittlungsstand wohl nacheinander Autos der Marken GMC (ein amerikanischer Van), Ford Fiesta, Peugeot 1007, einen 5er-BMW, einen weiteren Ford Fiesta und einen Audi A3 in Brand gesteckt. Ob dabei ein Anzünder gebaucht wurde? Die Polizei hält sich zur Stunde mit "Aussagen zum Täterwissen" bedeckt und will laut Widenhorn auch weiteren Ermittlungsergebnissen der Kripo nicht vorgreifen. "Das ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen, ich bitte um Verständnis, dass wir dazu nicht mehr sagen können", vertröstet der Pressesprecher auf den Fortgang der Untersuchungen.

Die Polizei geht zur Stunde eher davon aus, dass die Autos nach und nach angezündet wurden - womöglich von einem Einzeltäter, der zu Fuß im Wohngebiet südlich der Schönaicher Straße unterwegs gewesen sein könnte. "Im Lauf der Nacht haben wir verschiedene Zeugenhinweise bekommen; wir sind aber nicht in der Lage einen Tatverdächtigen zu präsentieren", präzisiert Widenhorn. Die Polizei bittet speziell ein Pärchen, das im Dornröschenweg gesehen und von einem Ortsfremden angesprochen wurde, sich zu melden. Der ortsunkundige Zeuge hatte um 0.56 Uhr den Erstalarm im Dornröschenweg ausgelöst und das Pärchen kurz zuvor um den Weg gefragt. Es könnte sich laut Polizei dabei um einen italienischen Staatsangehörigen und seine Frau gehandelt haben. Die Polizei würde vom Paar gerne wissen, ob es verdächtige Beobachtungen gemacht hat.

Den gesamten Sachschaden beziffert die Polizei auf rund 40 000 Euro. Einige Autos sind völlig zerstört worden, bei anderen konnten die Feuerwehr Steinenbronn und teilweise auch Anwohner durch ihr schnelles Eingreifen größere Schäden vermeiden.

Indes kocht in Steinenbronn die Gerüchteküche hoch, dass die Brandserie etwas mit terroristischen Anschlägen nach Art des Islamischen Staates zu tun haben könnte. Wie Peter Widenhorn auf Nachfrage der KRZ mitteilt, gibt es hierfür "überhaupt keinen Hinweis". Ebenso entschieden weist Widenhorn Mutmaßungen zurück, dass es sich um "einen Kulturstreit zwischen türkischen und kurdischen Volksgruppen" handeln könnte. Daran sei nichts.

Die Staatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet, die Polizei wird sich zu gegebener Zeit wieder mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit wenden, so Widenhorn: "Jetzt warten wir mal, was die Kripo herausfindet."

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