Der Wald verdient Respekt und Rücksichtnahme

Der Jagdpächter und Landschaftsgestalter Alfred E. Haas zeigt sich entsetzt über die Rücksichtslosigkeit mancher Zeitgenossen. Der Jagdpächter und Landschaftsgestalter Alfred E. Haas zeigt sich entsetzt über die Rücksichtslosigkeit mancher Zeitgenossen. Der Jagdpächter und Landschaftsgestalter Alfred E. Haas zeigt sich entsetzt über die Rücksichtslosigkeit mancher Zeitgenossen. Der Jagdpächter und Landschaftsgestalter Alfred E. Haas zeigt sich entsetzt über die Rücksichtslosigkeit mancher Zeitgenossen.

  • img
    Die Vermüllung mitten im Wald ist ein großes Ärgernis Foto: Haas

Artikel vom 01. August 2020 - 07:00

Von Sabine Ellwanger

SCHÖNAICH. "Kürzlich kam mir ein ganzes Rudel Mountainbiker mitten aus dem Wald entgegen", entrüstet sich der Schönaicher Jagdpächter Alfred E. Haas. Der Naturschützer weist immer wieder auf Missstände im Wald hin: "Radfahrer, Reiter, Hundehalter, sogar Motorräder und Partymacher sind nicht nur seit Beginn der Corona-Krise verstärkt im Wald unterwegs. Und immer weniger Leute halten sich an die Grundregeln des Waldes!" So könne es nicht weitergehen, betont Haas. Zumal zurzeit die Waldtiere ihre Jungen aufziehen.

Der Forst- und Gartenbaufachmann, der mit seinem Team vielerlei Waldarbeiten und Aufforstungen bewältigt und daher auch die örtliche Situation kennt, fordert: "Der Wald braucht dringend Ruhe. Insbesondere in den Abend- und Nachtstunden. Aber auch sonst sollten sich alle Waldbesucher angemessen und rücksichtsvoll verhalten. Es sind nicht die 100 Waldbesucher, die am Tage auf den geschotterten Wegen bleiben, wandern und den Wald genießen. Nein, es sind nur die Wenigen, die fernab von den Wegen den Wald schädigen, zweckentfremden und der Flora und Fauna nicht den nötigen Respekt entgegenbringen."

Als Schönaicher Gemeinderat habe er sein Anliegen, gegen die Vermüllung und Zweckentfremdung vorzugehen, im Gremium kürzlich vorgestellt. Außerdem habe sich eine Gruppe von Jägern, Naturschützern und umsichtigen Waldspaziergängern bereits zusammengeschlossen, um den Missständen und der Zweckentfremdung des Waldes entgegenzuwirken. Ebenso wie Haas moniert auch die Landesforstverwaltung: "Leider gibt es immer wieder Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich nicht an Regeln des Zusammenlebens halten und ihre Umwelt durch Müll oder Lärm verärgern." Das Ministerium verweist auf seinen "Waldknigge" mit Regeln, die es speziell beim Waldbesuch zu beachten gebe, wie etwa den Schutz vor Feuergefahren, Bestimmungen zum Parken und Fahren im Wald, sowie zum Schutz des Wildes, nicht zuletzt vor "Haustieren". Diesbezüglich sei er mit Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk im Austausch, so der Schönaicher Jagdpächter Haas: "Der Minister gibt uns in unserem Anliegen recht", meint aber, dass die aufgestellten Verhaltensregeln im Wald nicht ausreichen. "Wir wünschen uns zudem von den Verantwortlichen in Forstwirtschaft und Verwaltung mehr Initiative." Es fehle vor Ort etwa an entsprechenden Hinweistafeln mit Piktogrammen.

Ein weiterer Dorn im Auge ist Haas "der Umgang mit dem wichtigen Rohstoff Holz. Angefangen bei den vom Borkenkäfer befallenen Beständen bis hin zum starken Wertholz: Käferfichten müssen zeitnah gefällt und entrindet werden. Im Wald liegt zu viel Holz, das verwertbar ist, ohne dass die Ökologie darunter leidet. Da verrottet Kapital!"

Veranstaltungen nicht im tiefen Wald stattfinden lassen

Aber besonders aufgeregt habe ihn ein für den 9. Juli terminiertes Event, das in örtlichen Gemeindeblättern angekündigt wurde: "Waldbegang mit Flöten von 17 bis 19.30 Uhr. In Schönaich. Und das gerade um diese Zeit der vielen ruhebedürftigen Jungtiere. Das verstehe ich von den Verantwortlichen nicht", schimpft Haas, "Waldpädagogik in allen Ehren. Aber wir, alle Jäger, Natur- und Landschaftsschützer, würden uns wünschen, darüber frühzeitig informiert zu werden, und solche Events nicht erst aus der Zeitung zu erfahren." Solcge Veranstaltungen dürften nicht im tiefen Wald, sondern an Plätzen stattfinden, wo der Wildbestand nicht tangiert ist. "Hier erwarten wir Verantwortungsbewusstsein sowie Rücksicht der Obrigkeit. Denn der Wald braucht jetzt vor allem eines: Ruhe."

Verwandte Artikel