Klangvolles Geburtsgeschenk ans Publikum

Der Montanara-Chor war am Samstag zu Gast beim Liederkranz Schönaich - Beim Galakonzert des Männerensembles platzte die Gemeindehalle aus allen Nähten

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    Zum Abschluss standen sie alle gemeinsam auf der Bühne die Gastgeber aus Schönaich und Steinenbronn sowie die Sänger des Montanachores (in Jacketts und mit roten Krawatten) Foto: Bischof

Prominenter Besuch beim Liederkranz Schönaich: Am Samstag war der renommierte Montanara-Chor zu Gast in der Gemeindehalle. Der Männerchor präsentierte ein hochkarätiges Programm und teilte sich zum großen Finale auch mit den Gastgebern der Liederkränze Schönaich und Steinenbronn die Bühne.

Artikel vom 07. Oktober 2018 - 18:36

Von Jutta Rebmann

SCHÖNAICH. Keine Maus passte mehr in die Schönaicher Gemeindehalle. Als der letzte Platz besetzt war, trat erwartungsvolle Stille ein: Der Liederkranz Schönaich, verstärkt um die Sängerinnen und Sänger des Liederkranzes Steinenbronn, nahm seinen Platz auf der Bühne ein. Ursula Wagner, seit Februar Vorsitzende des Vereins, stimmte die Gäste auf den Abend ein.

Der traditionsreiche Liederkranz Schönaich, gegründet im Jahr 1839, feiert kommendes Jahr seinen 180. Geburtstag. Mit dem Galakonzert wollten die Sängerinnen und Sänger schon darauf hinarbeiten. Zwischen Michael Kuhn, Chorleiter der Schönaicher und Patrick Bopp, Chorleiter in Steinenbronn, bestehen schon länger freundschaftliche Beziehungen, gegenseitige Vertretungen und gemeinsames Musizieren eingeschlossen. "Das Galakonzert", so Ursula Wagner sei "das Geburtstagsgeschenk des Liederkranzes an seine Gäste".

Da trifft es sich gut, dass der Chorleiter und renommierte Pianist Michael Kuhn beim weltberühmten Montanara-Chor mitwirkt. Das Männerensemble hat zwar auch schon 60 Jahre auf dem Buckel, an Stimmstärke haben die Herren aber nichts eingebüßt. Geleitet wird der Montanara-Chor von Wolfgang Isenhardt, einst Gründungsmitglied im Tenor, heute musikalischer Leiter. Der Chor hat sich über all die Jahre seinen warmen, sonoren Klang und die Elastizität der Stimmen bewahrt.

Dass die Schönaicher Sänger die ersten 145 Jahre als reiner Männerchor zubrachten und erst 1984 der holden Weiblichkeit das Mitsingen erlaubten, spielt heute keine Rolle mehr. "Wer ist hier jung, wer hat hier Schwung", fragten die vereinigten Liederkränze ihr Publikum und das stimmte per Applaus eindeutig ab. Gut, dass anschließend "Zwei Mokka" serviert wurden. Nach dieser Swing-Nummer erklang mit dem Popsong "You raise me up" ein neuer Titel im Programm der beiden Gesangsvereine.

Mit dem von Felix Mendelssohn Bartholdy vertonten Heine-Gedicht "Auf Flügeln des Gesanges" eröffnete anschließend der Montanara-Chor seinen Teil des Konzertes. Traumhaft schön und mit Lokalbezug - denn der "Sonettenkranz für Friederike" wurde von dem jungen Heinrich Heine einer Böblingerin gewidmet: Friederike Robert, geborene Braun, 1795 geboren, verdrehte dem jungen Heinrich Heine dereinst gründlich den Kopf. Sie ging im Hause Mendelssohn ein und aus und galt als die "schönste Schwäbin ihrer Zeit".

Mit dem venezianischen Gondellied stand danach noch einmal Felix Mendelssohn auf dem Programm. Ganz demokratisch ausgewählt hatten die Sängerinnen und Sänger drei Volkslieder. "Das war ein langwieriger Prozess" flachste Bernhard Hartmann. Um so schöner die Auswahl mit "Kein schöner Land", "Ännchen von Tharau" und "Es löscht das Meer die Sonne aus." Die beiden nächsten Titel stammten von Gabriel Fauré: Zum einen "Cantique de Jean Racine", gesungen vom Bariton Bernhard Hartmann. Es handelt sich um eine Komposition des jungen Fauré, entstanden nach einem aus dem Jahr 1688 stammenden Text des französischen Nationaldichters Jean Racine. Danach erklang noch einmal ein Werk Faurés: "Après un Réve", eines seiner populärsten Werke, in einer Bearbeitung von Alexander Yudenkow. Das Lied - wehmütig dahinschmelzend in seiner Mollstimmung - mutet an wie das Erwachen am Morgen. Kurz vor der Pause gab es einen passenden Paukenschlag: "Im Feuerstrom der Reben" aus der Fledermaus von Johann Strauß.

Gefangenenchor aus "Nabucco" singen am Ende alle gemeinsam

Im zweiten Teil des Programms begann der bunte Melodienreigen mit "Heimat, wie bist du so wunderschön", ein Arrangement von Harry Pleva, dem jahrzehntelangen musikalischen Leiter des Montanara-Chores, der im vergangenen Jahr verstorben ist. Jetzt zogen die Sänger alle Register: Auf den Pilgerchor aus Richard Wagners "Tannhäuser", folgte das Lied der verliebten Nixe Rusalka an den Mond aus Antonin Dvoraks Oper "Rusalka". Danach ging es nach Russland: Der Zauber "Moskauer Nächte" wurde noch übertroffen von dem "Eintönig klingenden Glöcklein," dargeboten von Alexander Yudenkov, der sein Publikum zu begeisterten Beifallsstürmen hinriss.

Danach schwelgte die Halle im Montanara-Fieber, egal, ob beim "La Danza Tarantella" oder dem "Halleluja" - der Beifall nahm kein Ende. Trotz zweier Zugaben, darunter das einst namensgebende "Lied der Berge" ("La Montanara"), erträumte sich das Publikum mehr: "Fanget no' amôl von vorne an", war der Wunsch eines Zuhörers, der leider unerfüllt blieb. Mit dem von Gästen und Gastgebern gemeinsam gesungenen Gefangenenchor aus "Nabucco" ging das Galakonzert für viele immer noch viel zu früh zu Ende.

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