Cannabis-Anbau war wohl nur jugendlicher Blödsinn

Jugendschöffengericht lässt noch einmal Milde walten - Alle drei Angeklagte bleiben auf freiem Fuß

Mit einem milden Urteil kamen drei junge Schönaicher davon, die sich vor dem Böblingen Jugendschöffengericht wegen eines gemeinschaftlichen Anbaus von Cannabis zu verantworten hatten. Zwei der Angeklagten erhielten jeweils 50 Arbeitsstunden und müssen sich zudem einem Drogentest unterziehen - der Dritte im Bunde erhielt eine Jugendstrafe, die ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt wurde, 60 Arbeitsstunden und muss bei zwei Drogentests nachweisen, dass er diese nicht mehr konsumiert.

Von Dirk Hamann

Artikel vom 09. Oktober 2017 - 12:37

SCHÖNAICH. Der Fall, der vor dem Jugendschöffengericht verhandelt worden ist, spielte sich schon vor etwas mehr als zwei Jahren ab. Drei damals jugendliche Schönaicher - 14, 16 und 19 Jahre alt - bauten im Wald in der Nähe des Gewerbegebiets Cannabis an. Um ihren Eigenbedarf zu decken, erklärten alle drei vor Gericht. Ein Spaziergänger bemerkte die ausgewachsenen Pflanzen, meldete die Mini-Plantage der Polizei. Die hatte in der Folge keine Probleme, diejenigen ausfindig zu machen, die dort auf reiche Ernte hofften. Diese übernahmen schließlich die Polizeibeamten - und es stellte sich heraus, dass der Ertrag mit rund rund 600 Gramm Marihuana reichlich ausgefallen wäre. Um einiges höher, als dass sie noch irgendwie unter den Begriff Eigenbedarf hätte fallen können, stellte der Vorsitzende Richter Dr. Ralf Rose klar.

Seitdem die drei Cannabis-Anbauer aufgeflogen sind, ist zumindest bei zweien von ihnen nicht nur einiges an Zeit ins Land gegangen - sie haben inzwischen längst die Kurve hin in ein geregeltes Leben gekriegt. Simon G. (Namen geändert), der inzwischen 16 Jahre alt ist und keinen Schulabschluss gemacht hat, berichtete im Gerichtssaal, dass er nicht nur dem Drogenkonsum abgeschworen hat, sondern auf eigene Initiative hin alles in die Wege geleitet hat, um seinem weiteren Leben eine Perspektive zu geben. Er hat vor einem Jahr eine Landschaftsgärtner-Ausbildung in Sinsheim angetreten, wo er auch in einer betreuten Jugendeinrichtung lebt. "Ich wollte raus aus dem Kreis, mein Leben in den Griff kriegen", versicherte er glaubhaft. Auch sein ehemaliger Kompagnon Thomas M., der heute 19 Jahre alt ist, ist raus aus der Szene, die ihn beinahe ins Unglück gestürzt hätte, erklärte er bestimmt. In Kürze will er seine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker erfolgreich abschließen, erst einmal weiterarbeiten, bevor er sich weiterbilden möchte. "Zum Techniker oder Meister", verriet er. Früher, als er gekifft habe, habe er diesen "Blödsinn" gemacht - das sei Vergangenheit. "Ich habe begriffen, dass mir die Ausbildung wichtiger ist."

Beim dritten Angeklagten, dem heute 21-jährigen Emre C. gestaltet sich der Fall etwas anders. Und das nicht nur, weil er im Mai 2017 von der Polizei mit einem Joint erwischt worden ist. Seitdem er 2015 seinen Hauptschulabschluss gemacht hat, hat sich bei ihm in Sachen Ausbildung und Beruf so gut wie gar nichts getan. In zwei Jahren hat er sieben Wochen Praktikum gemacht, kaum Bewerbungen geschrieben - auf insgesamt vier hat er es gebracht. "Ich habe oft gechillt", räumte er ein, beteuerte aber, dass er seit Mai keine Drogen mehr konsumiert, er seitdem bestrebt ist, in die Spur zu kommen. "Als ich erwischt worden bin, hat es in meinem Kopf klick gemacht", erklärte er. Dass diese Ausführungen so stimmen mögen, verdeutlichte ihm zunächst der Staatsanwalt, der C. "einen letzten Schuss vor den Bug" in Aussicht stellte. Diesen gab es schließlich auch vom Jugendschöffengericht. "Ich sehe ein Fragezeichen, ob Sie wirklich die Kurve gekriegt haben", meinte Richter Rose bei der Urteilsbegründung. "Es sind Zweifel angebracht, ob die schädlichen Neigungen nicht noch vorhanden sind." Die Strafe für Emre C. fiel deswegen etwas härter aus - auch ein Bewährungshelfer wird ihm zur Seite gestellt. "Er wird auch beim Bewerbungen Schreiben und bei der Jobsuche helfen", so Rose, der zudem betonte, dass er nicht zögern werde, ihm die Freiheit auf Bewährung zu entziehen, sollte er gegen die Auflagen, die er zu erfüllen hat, verstoßen.

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