Holzgerlingen investiert Millionen in Bauprojekte

Während Corona neuen Bauvorhaben in der Stadt einen Riegel vorschiebt, sollen die laufenden fertiggestellt werden.

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    Bürgermeister Delakos blickt mit Wohlwollen auf den neuen Trimm-Dich-Pfad Foto: Lebedew

Artikel vom 04. August 2020 - 18:00

Von Artur Lebedew

HOLZGERLINGEN. Die Stadt Holzgerlingen muss wegen Corona sparen. Neue Projekte wie die Sanierung des Schönbuch-Gymnasiums hat sie verschoben. Auf die aktuellen Baustellen haben die Gemeinderäte samt Bürgermeister Ioannis Delakos aber bei einer Fahrradtour durch die Stadt geblickt.

 

Wohnungen für knapp 800 Menschen. Im Baugebiet Dörnach-West hört man Handwerker bohren und hämmern. Zahlreiche Gerippe der Häuser stehen bereits, in wenigen Jahren sollen hier 800 Bürger Holzgerlingens wohnen. Die Stadt will demnächst die Arbeiten an der städtischen Kita an der Astrid-Lindgren-Straße beginnen. Auch ein Pflegeheim soll kommen. Das Ziel bleibt: In den nächsten zehn Jahren sollen sämtliche Flächen bebaut werden.

 

Neuer Jugendtreff sorgt für Konflikt: Zwischen Äckern und Landstraße soll beim Bolzplatz beim Palmer eine Grillstelle für Jugendlich errichtet werden. Die Stadt plant ein Pavillon und eine Sitzgruppe, die von Hecken abgegrenzt werden. 35 000 Euro plant der Gemeinderat dafür ein. Doch kaum steht das Vorhaben, regt sich Widerstand. Als die Gemeinderäte das Gelände des neuen Jugendtreffs besichtigen, stehen ihnen ein Dutzend Traktoren im Weg, die die Landwirte aus Protest auf dem Feldweg aufgereiht haben. Aus ihrer Sicht, ist das Gelände eine "gänzlich schlechte Standortwahl". Sie befürchten, dass die neuen Besucher Müll und leere Flaschen ins Feld schmeißen und so ihre Maschinen beschädigen. Außerdem würden sie womöglich auf dem "Feldweg-Verkehrsknoten" ihre Autos parken. Die Bauern schlagen vor, einen anderen Ort zu suchen. Bürgermeister Delakos widerspricht: "Wir bauen und schauen, wie es sich entwickelt." Sollten die Jugendliche sich nicht an die Regeln halten, würde der Grillplatz wieder aufgelöst.

 

Ein Vorzeigeplatz für Reiter: Der alte Springplatz auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins Schönbuch war für Mensch und Pferd gleichermaßen eine Zumutung: Bei Trockenheit wurde er hart wie Stein, bei Regen ein Matschfeld. Zum Jahresbeginn wurde der Platz saniert und sei nun nach Meinung des Vereinsvorsitzender Siegried Holzapfel, "einer der schönsten im Kreis Böblingen". Neuer Bodenbelag mit drei verschiedenen Schichten ist verlegt worden. Dazu installierten Handwerker eine Beregnungsanlage und schraubten um das Gelände herum Schranken. Kosten: 100 000 Euro, knapp ein Drittel zahlte die Stadt Holzgerlingen. Der Rest kam vom Verein und durch andere Zuschüsse.

 

Kraftübungen für Draußensportler: Es sind Begriffsungetüme wie Outdoor Fitnessstudio oder Calisthenics-Park; und sind der neue Trend unter freiem Sporthimmel: Eine Ansammlung von fest installierten Fitnessgeräten, an denen sich Sportler mithilfe ihres eigenen Körpergewichts fit halten können, etwa durch Klimmzüge oder Situps. Sieben solcher Geräte hat die Stadt nun auf 190 Quadratmetern auf den Rosswiesen installieren lassen. Dazu verlegte sie einen speziellen Schutzteppich, um Stürze der Sportler abzufedern. Die Kosten belaufen sich nach Plan auf 124 000 Euro.

 

Sicherheit für Abwasser: Wenige Wochen nach der Sanierung der Überlaufbecken auf den Rosswiesen, ist außer Bauzäunen nicht viel von dem Aufwand zu erkennen, der nötig war, um die Anlagen wieder in Schuss zu bringen. Kein Wunder, befinden sich die Becken ja unter der Erde. Die Liste der Mängel war lang: veraltete Abdeckungen für einen Explosionsschutz, mangelhafte Schachtabdeckungen, beschädigte Abdichtungen, ... Obwohl die Arbeiten für knapp 600 000 Euro ausgeschrieben waren, ließ während eines Jahres sich kein Bauunternehmen auf den Auftrag ein. "Die Firmen konnten den Aufwand einfach nicht abschätzen", sagt Andrea Lesch vom Bauamt. Am Ende willigte doch einer ein.

 

Neue Halle, neue Farbe: Zum Schulstart im September soll die Sporthalle des Schönbuchgymnasiums aussehen wie neu, so der Wunsch von Bürgermeister Delakos. Nach einem Wasserschaden vor über einem Jahr musste die Stadt die Halle sanieren. Nun sind die großflächigen Aufgaben erledigt - früher als gedacht. Auch weil wegen Corona die Halle geschlossen war und genügend Handwerker zur Verfügung standen. Knapp 760 000 Euro hat die Stadt bezahlt. Im Wesentlichen für die Arbeiten an der Dachentwässerung, am neuen Kanalanschluss oder der Montage neuer Wände. Auch einen neuen Sportboden haben Handwerker bereits verlegt. Die neue Farbe des Bodens: Giftgrün.

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