Von Chicago ins Schönbuch-Paradies

Glosse: Die Holzgerlinger haben verstanden, dass Pressemenschen echte Leuchten sind

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    Holzgerlingens Fotograf und Gemeinderat Pieter van Munster und die Lichtgestalt Dirk Hamann am Pressetisch Foto: Björn Schittenhelm

Artikel vom 28. Februar 2019 - 06:00

Von Martin Müller und Dirk Hamann

HOLZGERLINGEN. Endlich, die Holzgerlinger haben verstanden! Die wahren Lichtgestalten dieser Gesellschaft, das sind doch die Pressemenschen: Spot on! Huldigt ihnen! Rückt sie ins beste Licht! Bauchpinselt sie! Bringt eure Opfergaben dar!

Holzgerlingens Starfotograf und Gemeinderat Pieter van Munster hat jetzt im Ratssaal den richtigen Anfang gemacht. Extra auf Geheiß seines Bürgermeisters Ioannis Delakos - zugegeben, auch ein nicht ganz unbedeutender Mensch - hat er, als Meister von Licht und Schatten, seinen Leuchtscheinwerfer aus dem Fotostudio herangekarrt, um den Herrn Redakteur am Pressetisch mit einem geübten Knopfdruck in Szene zu setzen und ins rechte Licht zu rücken. "Keine Kosten und keine Mühen haben wir gescheut", meinte Delakos. Und van Munsters Adlatus Björn Schittenhelm, ebenfalls Gemeinderat der Freien Wähler, hat dann sein Smartphone gezückt und das Foto vom Pressestar für die Nachwelt machen dürfen. Recht so, weiter so! Huldigt ihm! Bauchpinselt ihn!

Allerdings, wir hätten da noch ein paar klitzekleine Verbesserungsvorschläge zu machen: Das Licht, weit entfernt von düsteren Chicago-Tagen, ist doch viel zu blendend jetzt, so glockenhell, dass man schier erblindet über den hart reflektierenden Drucksachen des Gemeinderats. Und recht heiß könnte es unter seinem Schein werden - vor allen Dingen in den Sommermonaten.

Daher wäre es nicht schlecht, wir bekämen noch so ein, zwei Hauptbeamtinnen in Kellnerinnen-Livree, die uns etwas Schatten spenden und etwas Luft zufächeln für die Dauer des mitunter doch recht langatmigen Sitzungsgeschehens. Mit leichten, durchscheinenden Gaze-Tüchern dürften sie tänzerisch den allzu harten Lichtstrahl vor unseren Augen bändigen. Und überhaupt, wenn wir schon mal beim Wünschen sind: Wir wollen nicht nur Teinacher Tafelwasser und Apfelsaftschorle vom Landkreis. Wir wollen endlich was zu essen haben.

Wie wäre es zum Beispiel damit, für jeden Tagesordnungspunkt - mundgerecht zubereitet - eine kleine Zwischenmahlzeit zu reichen? Hmmm? Hmmm?

Am Dienstagabend hätte es dann zwischen der Bürgerfragestunde und den Bekanntgaben ein nettes Elf-Gänge-Menü gegeben. So was kann man schon erwarten, wenn man als Zeitungsmensch aufsteigt aus dem Weilemer Chicago und endlich ins Holzgerlinger Paradies gelangt.

Also, ihr Holzgerlinger: Ihr seid auf einem guten, auf dem rechten Wege. Weiter so - wir wissen dies in aller Unbestechlichkeit zu schätzen! Und bleibt ihr dabei, dann geloben auch wir Besserung: Nie wieder werden wir auf euch bezogen von "Klein"-Chicago schreiben. Klein? Da habt ihr - dann - recht, geht gar nicht. Tischt ihr groß auf, wie es dem Holzgerlinger Standard entspricht, dann gibt's von uns Großes zurück. Seid euch sicher: Bei uns tut's da kein kleiner Pinsel für den Bauch - wir packen gleich einen ordentlichen Quast aus. Chicago? Pah! Schönbuch-Metropole von Weltrang wollen wir euch nennen, als leuchtendes Beispiel für vorbildlichen Presse-Umgang mit dicken Lettern ein Loblied singen.

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