Das Innerste nach außen kehren

Tänzerin Anita Fast aus Holzgerlingen tritt heute Abend im Finale der Castingshow "Masters of Dance" an

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Artikel vom 10. Januar 2019 - 12:00

HOLZGERLINGEN. Eine junge Frau schaut in die Video-Kamera. Ihr Blick ist konzentriert geradeaus gerichtet. Wirkt ein wenig traurig. Die Szenerie düster, farblos. Genau wie der schwarze Body und die zerrissene schwarze Strumpfhose, die ihren Körper umhüllen. Hinter ihr eine Wand mit weißen Tüchern verhängt. Schatten zeichnen sich dort ab. Unter ihr das nackte Parkett, die Bretter, die die Welt bedeuten.

Zu den Klängen von "Goodbye", dem Titelsong der deutschen Netflix-Serie "Dark" aus der Feder der Elektrogruppe "Apparat", beginnt sich die junge Frau langsam und rhythmisch zu bewegen. Lässt sich treiben von der Musik. Aber scheinbar auch von etwas anderem. Unsichtbare Marionettenfäden übernehmen zwischenzeitlich die Führung. Halten sie fest, zwingen sie in Positionen, die beinahe wie Verrenkungen wirken. Immer wieder führt sie ihre Hand an die Stirn, wirkt beinahe verzweifelt in dem, was sie tut. Erneut blickt sie auf, versucht weiter, sich der unsichtbaren Macht zu fügen, irgendwie hineinzupassen in die vorgegebenen Figuren. Scheitert. Wird erneut zu Boden gedrückt.

Bevor sie sich freimacht. Freimacht von dem, was sie hielt. Was ihr einen vorgefertigten Rahmen gab. Zwang und Sicherheit. Unsicher steht sie nun auf, blickt erneut in die Kamera. Verlässt den Raum, der ihr Käfig und Zuflucht zugleich war. Mit dem Rücken zur Kamera und dem Blick zu den weißen Tüchern öffnet sie sich und ihr Herz all dem, was da nun kommen mag.

Die junge Tänzerin, die im Video scheinbar mühelos übers Parkett wirbelt, ist Anita Fast aus Holzgerlingen. Die Choreographie hat die ausgebildete Bühnentänzerin und Tanzpädagogin selbst entwickelt und auf ihrem Kanal auf der Video-Plattform "Vimeo" veröffentlicht. "Tanzen bedeutet für mich, meine eigenen Fantasien zu verwirklichen, mein Innerstes nach außen zu kehren und mich mit Themen auseinanderzusetzen, die mich aktuell beschäftigen. Beispielsweise Ängste loszulassen oder auszubrechen aus dem Zwang, Erwartungen erfüllen zu müssen", erklärt die 27-Jährige, die am heutigen Donnerstag (20.15 Uhr, ProSieben) bei der Castingshow "Masters of Dance" für das Team der britischen Choreographin Nikeata Thompson das Finale bestreiten wird.

Ihre eigenen Choreographien setzen sich hauptsächlich zusammen aus Modern-, Contemporary- und HipHop-Elementen. Ihren persönlichen Tanzstil beschreibt sie als "abstrakt". "In meinen Choreos versuche ich neue Wege zu finden, um Dinge auf der Bühne zu präsentieren. Das führt hin und wieder dazu, dass das Publikum nicht sofort versteht, was ich sagen möchte, vielleicht auch zwei oder dreimal hinschauen muss. Aber manchmal geht es gar nicht ums Verstehen, sondern um die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten", sagt Anita Fast, die erst mit 15 Jahren ihre Leidenschaft für das Tanzen entdeckte, als sie einen Gutschein für einen Tanzschulkurs geschenkt bekam. "Danach hat es mich nie wieder losgelassen", erinnert sie sich.

"Tanzen bedeutet für mich, meine eigenen Fantasien zu verwirklichen und mich mit Themen auseinanderzusetzen, die mich beschäftigen."

Nach dem Abitur reiste sie gemeinsam mit einigen Freunden für drei Monate nach Los Angeles - eine der weltweiten Tanz-Hochburgen im Bereich Hip Hop und Modern Dance. "Ich habe mir gesagt, wenn ich dort mithalten kann, schaffe ich es auch in Deutschland - und habe mich dann dafür entschieden, mein Hobby zum Beruf zu machen", erzählt Anita Fast. "Es ist natürlich ein Risiko, wenn man in diesem Beruf Fuß fassen will, daher waren meine Eltern anfangs wenig begeistert. Mittlerweile sind sie aber total stolz auf mich."

Ihre eigenen Kreationen präsentiert die Holzgerlingerin hauptsächlich vor einem ausgewählten, tänzerisch geschulten Publikum, bei "Masters of Dance" verfolgten hingegen jeden Donnerstagabend Millionen von Zuschauern ihre Performances. "Da ist dann eher leichte Kost gefragt", meint Anita Fast.

Eine Anforderung, die ihr aufgrund ihrer Ausbildung, die verschiedene Tanzstile umfasste, keine Probleme bereitet habe. "Von Ballett über Modern und Jazz bis hin zu Hip Hop war ja alles dabei", sagt sie und verrät: "Ballett ist allerdings gar nicht mein Ding. Natürlich ist es gut für die Technik, aber die Schritte geben einen festen Rahmen, sie werden immer gleich getanzt. Beim Jazz oder Hip Hop hat man die Freiheit, auch mal neue Sachen auszuprobieren, explosiv und impulsiv zu sein und viel Energie in die Bewegungen hinein zu stecken."

Während die Anforderungen bei "Masters of Dance" sie weniger beunruhigten, führte die Aussicht auf die mögliche Anzahl an Zuschauern zu einigen Schmetterlingen im Bauch der Holzgerlingerin. "Auch wenn ich schon auf so vielen Bühnen performt habe, war ich beim Casting in Köln schon sehr aufgeregt, weil ich ja immer im Hinterkopf hatte, dass theoretisch ganz Deutschland mir zuschauen würde, sollte ich es in die Shows schaffen." Als Tanzprofi Nikeata Thompson sie dann in ihr Team berief, konnte Anita Fast es zunächst gar nicht richtig fassen. "Ich habe dann erstmal gewartet und versucht, mich nicht zu sehr zu freuen, weil ich immer gedacht habe, dass vielleicht doch noch etwas dazwischen kommen könnte. Als ich dann aber das Zugticket nach Berlin für den nächsten Tag in den Händen hatte, war es ein unglaubliches Gefühl", erinnert sie sich.

Von Köln aus ging es für sie zurück nach Holzgerlingen, wo sie genau drei Stunden Zeit hatte, um ihren Koffer für die Reise auf unbestimmte Zeit zu bestücken. "Ich hab' dann vorsichtshalber mal für eine Woche gepackt, dass ich es bis ins Finale schaffen würde, hätte ich nie erwartet", gibt sie zu. Die Bootcamps überstand sie jedoch mit wehenden Fahnen, begeisterte Coaches und Publikum. Ein großer Vorteil in Anita Fasts Augen: "Wir durften auch eigene Vorschläge für die Choreos einbringen, das war bei anderen Teams nicht der Fall."

"Ich hab' dann vorsichtshalber mal für eine Woche gepackt, dass ich bis ins Finale komme, hätte ich nie erwartet."

Heute Abend performt sie im Trio zur Titelmelodie der "Simpsons". "Das war wirklich schwer, weil die Musik kaum Höhen und Tiefen hat und ganz viele Kleinigkeiten passieren. Wer ganz genau hinschaut, wird feststellen, dass wir das genutzt haben, um einige Tricks und Kniffe einzubauen", verrät sie vorab. Im Duo wird sie zudem zum Thema "Kampf" eine Choreographie zu Christina Aguileras "Fighter" zeigen. "Das ist uns leichter gefallen, weil mein Tanzpartner Dennis und ich beide Kämpfernaturen sind. Die Performance wird kraftvoll sein, das passt gut zu uns."

Während es in den bisherigen Shows vor allem darum ging, gemeinsam eine gute Teamleistungen abzurufen, werden am heutigen Abend erstmals alle Mitstreiter gleichzeitig zu Konkurrenten. "Diesen Gedanken hatten wir während der gesamten Show eigentlich gar nicht so im Kopf, weil uns klar war, dass wir nur als gemeinsames Ganzes weiterkommen würden", betont Anni Fast, die bei aller Freundschaft den Titel "Master of Dance" trotzdem mit nach Holzgerlingen nehmen würde.

Wie sie sich ihre weitere Zukunft unabhängig vom Ausgang der Show vorstellt? "Ich würde gerne mehr Workshops am liebsten in ganz Deutschland geben. Ich bin gerne viel unterwegs, das ist genau mein Ding." Auch eine weitere Zusammenarbeit mit Coach Nikeata steht auf ihrer Wunschliste ganz oben. "Sie hat mich im Zuge der Show bereits in ihre Agentur aufgenommen. Einen ersten Auftritt beim Halbfinale von 'The Voice of Germany' hatte ich schon."

Das Innerste nach außen kehren

Von Sandra Schumacher

HOLZGERLINGEN. Eine junge Frau schaut in die Video-Kamera. Ihr Blick ist konzentriert geradeaus gerichtet. Wirkt ein wenig traurig. Die Szenerie düster, farblos. Genau wie der schwarze Body und die zerrissene schwarze Strumpfhose, die ihren Körper umhüllen. Hinter ihr eine Wand mit weißen Tüchern verhängt. Schatten zeichnen sich dort ab. Unter ihr das nackte Parkett, die Bretter, die die Welt bedeuten.

Zu den Klängen von "Goodbye", dem Titelsong der deutschen Netflix-Serie "Dark" aus der Feder der Elektrogruppe "Apparat", beginnt sich die junge Frau langsam und rhythmisch zu bewegen. Lässt sich treiben von der Musik. Aber scheinbar auch von etwas anderem. Unsichtbare Marionettenfäden übernehmen zwischenzeitlich die Führung. Halten sie fest, zwingen sie in Positionen, die beinahe wie Verrenkungen wirken. Immer wieder führt sie ihre Hand an die Stirn, wirkt beinahe verzweifelt in dem, was sie tut. Erneut blickt sie auf, versucht weiter, sich der unsichtbaren Macht zu fügen, irgendwie hineinzupassen in die vorgegebenen Figuren. Scheitert. Wird erneut zu Boden gedrückt.

Bevor sie sich freimacht. Freimacht von dem, was sie hielt. Was ihr einen vorgefertigten Rahmen gab. Zwang und Sicherheit. Unsicher steht sie nun auf, blickt erneut in die Kamera. Verlässt den Raum, der ihr Käfig und Zuflucht zugleich war. Mit dem Rücken zur Kamera und dem Blick zu den weißen Tüchern öffnet sie sich und ihr Herz all dem, was da nun kommen mag.

Die junge Tänzerin, die im Video scheinbar mühelos übers Parkett wirbelt, ist Anita Fast aus Holzgerlingen. Die Choreographie hat die ausgebildete Bühnentänzerin und Tanzpädagogin selbst entwickelt und auf ihrem Kanal auf der Video-Plattform "Vimeo" veröffentlicht. "Tanzen bedeutet für mich, meine eigenen Fantasien zu verwirklichen, mein Innerstes nach außen zu kehren und mich mit Themen auseinanderzusetzen, die mich aktuell beschäftigen. Beispielsweise Ängste loszulassen oder auszubrechen aus dem Zwang, Erwartungen erfüllen zu müssen", erklärt die 27-Jährige, die am heutigen Donnerstag (20.15 Uhr, ProSieben) bei der Castingshow "Masters of Dance" für das Team der britischen Choreographin Nikeata Thompson das Finale bestreiten wird.

Ihre eigenen Choreographien setzen sich hauptsächlich zusammen aus Modern-, Contemporary- und HipHop-Elementen. Ihren persönlichen Tanzstil beschreibt sie als "abstrakt". "In meinen Choreos versuche ich neue Wege zu finden, um Dinge auf der Bühne zu präsentieren. Das führt hin und wieder dazu, dass das Publikum nicht sofort versteht, was ich sagen möchte, vielleicht auch zwei oder dreimal hinschauen muss. Aber manchmal geht es gar nicht ums Verstehen, sondern um die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten", sagt Anita Fast, die erst mit 15 Jahren ihre Leidenschaft für das Tanzen entdeckte, als sie einen Gutschein für einen Tanzschulkurs geschenkt bekam. "Danach hat es mich nie wieder losgelassen", erinnert sie sich.

"Tanzen bedeutet für mich, meine eigenen Fantasien zu verwirklichen und mich mit Themen auseinanderzusetzen, die mich beschäftigen."

Nach dem Abitur reiste sie gemeinsam mit einigen Freunden für drei Monate nach Los Angeles - eine der weltweiten Tanz-Hochburgen im Bereich Hip Hop und Modern Dance. "Ich habe mir gesagt, wenn ich dort mithalten kann, schaffe ich es auch in Deutschland - und habe mich dann dafür entschieden, mein Hobby zum Beruf zu machen", erzählt Anita Fast. "Es ist natürlich ein Risiko, wenn man in diesem Beruf Fuß fassen will, daher waren meine Eltern anfangs wenig begeistert. Mittlerweile sind sie aber total stolz auf mich."

Ihre eigenen Kreationen präsentiert die Holzgerlingerin hauptsächlich vor einem ausgewählten, tänzerisch geschulten Publikum, bei "Masters of Dance" verfolgten hingegen jeden Donnerstagabend Millionen von Zuschauern ihre Performances. "Da ist dann eher leichte Kost gefragt", meint Anita Fast.

Eine Anforderung, die ihr aufgrund ihrer Ausbildung, die verschiedene Tanzstile umfasste, keine Probleme bereitet habe. "Von Ballett über Modern und Jazz bis hin zu Hip Hop war ja alles dabei", sagt sie und verrät: "Ballett ist allerdings gar nicht mein Ding. Natürlich ist es gut für die Technik, aber die Schritte geben einen festen Rahmen, sie werden immer gleich getanzt. Beim Jazz oder Hip Hop hat man die Freiheit, auch mal neue Sachen auszuprobieren, explosiv und impulsiv zu sein und viel Energie in die Bewegungen hinein zu stecken."

Während die Anforderungen bei "Masters of Dance" sie weniger beunruhigten, führte die Aussicht auf die mögliche Anzahl an Zuschauern zu einigen Schmetterlingen im Bauch der Holzgerlingerin. "Auch wenn ich schon auf so vielen Bühnen performt habe, war ich beim Casting in Köln schon sehr aufgeregt, weil ich ja immer im Hinterkopf hatte, dass theoretisch ganz Deutschland mir zuschauen würde, sollte ich es in die Shows schaffen." Als Tanzprofi Nikeata Thompson sie dann in ihr Team berief, konnte Anita Fast es zunächst gar nicht richtig fassen. "Ich habe dann erstmal gewartet und versucht, mich nicht zu sehr zu freuen, weil ich immer gedacht habe, dass vielleicht doch noch etwas dazwischen kommen könnte. Als ich dann aber das Zugticket nach Berlin für den nächsten Tag in den Händen hatte, war es ein unglaubliches Gefühl", erinnert sie sich.

Von Köln aus ging es für sie zurück nach Holzgerlingen, wo sie genau drei Stunden Zeit hatte, um ihren Koffer für die Reise auf unbestimmte Zeit zu bestücken. "Ich hab' dann vorsichtshalber mal für eine Woche gepackt, dass ich es bis ins Finale schaffen würde, hätte ich nie erwartet", gibt sie zu. Die Bootcamps überstand sie jedoch mit wehenden Fahnen, begeisterte Coaches und Publikum. Ein großer Vorteil in Anita Fasts Augen: "Wir durften auch eigene Vorschläge für die Choreos einbringen, das war bei anderen Teams nicht der Fall."

"Ich hab' dann vorsichtshalber mal für eine Woche gepackt, dass ich bis ins Finale komme, hätte ich nie erwartet."

Heute Abend performt sie im Trio zur Titelmelodie der "Simpsons". "Das war wirklich schwer, weil die Musik kaum Höhen und Tiefen hat und ganz viele Kleinigkeiten passieren. Wer ganz genau hinschaut, wird feststellen, dass wir das genutzt haben, um einige Tricks und Kniffe einzubauen", verrät sie vorab. Im Duo wird sie zudem zum Thema "Kampf" eine Choreographie zu Christina Aguileras "Fighter" zeigen. "Das ist uns leichter gefallen, weil mein Tanzpartner Dennis und ich beide Kämpfernaturen sind. Die Performance wird kraftvoll sein, das passt gut zu uns."

Während es in den bisherigen Shows vor allem darum ging, gemeinsam eine gute Teamleistungen abzurufen, werden am heutigen Abend erstmals alle Mitstreiter gleichzeitig zu Konkurrenten. "Diesen Gedanken hatten wir während der gesamten Show eigentlich gar nicht so im Kopf, weil uns klar war, dass wir nur als gemeinsames Ganzes weiterkommen würden", betont Anni Fast, die bei aller Freundschaft den Titel "Master of Dance" trotzdem mit nach Holzgerlingen nehmen würde.

Wie sie sich ihre weitere Zukunft unabhängig vom Ausgang der Show vorstellt? "Ich würde gerne mehr Workshops am liebsten in ganz Deutschland geben. Ich bin gerne viel unterwegs, das ist genau mein Ding." Auch eine weitere Zusammenarbeit mit Coach Nikeata steht auf ihrer Wunschliste ganz oben. "Sie hat mich im Zuge der Show bereits in ihre Agentur aufgenommen. Einen ersten Auftritt beim Halbfinale von 'The Voice of Germany' hatte ich schon."