Chorverband Johannes Kepler spielt mit der Option der Auflösung

Regionalverband des Schwäbischen Chorverbandes im Altkreis Böblingen könnte dem Beispiel der Kreisreform vor 40 Jahren folgen

Artikel vom 12. Februar 2015 - 14:54

WEIL DER STADT/RENNINGEN/LEONBERG (red). Beim bevorstehenden Verbandstag am Samstag, 14. März, 14 Uhr, in der Karl-Koch-Halle in Ditzingen-Hirschlanden wird über den Fortbestand des Chorverbandes Johannes Kepler mit seinen 31 Vereinen mit 66 Chorgattungen im Altkreis Leonberg entschieden.

Als einer von 23 Regionalverbänden im Schwäbischen Chorverband (SCV) mit insgesamt 1600 Vereinen ist der Chorverband Johannes Kepler (CVJK) mit seinen 31 Vereinen einer der kleineren Regional-Chorverbände. Historisch gehörten diese Vereine dem ursprünglichen Strohgäu-Sängerbund an, der von den Machthabern des Dritten Reiches 1933/34 aufgelöst und dem Nachbarchorverband Otto-Elben-Kreis (Böblingen/Herrenberg) angeschlossen wurde. Durch die Neugründung 1947 verselbständigte sich der "Sängerkreis Leonberg", später "Kepler-Gau", seit 2012 "Chorverband Johannes Kepler e.V." und blieb auch nach der Kreisreform im Jahre 1973 bestehen. Da immer weniger Vereine und Verbände ihre Vorstandspositionen besetzen können, gab es auch im Schwäbischen Chorverband eine Abfrage an die Regionalverbände bezüglich einer Gebietsreform.

Das fragmentierte Präsidium des CVJK steht dieser Reform laut Pressemitteilung offen gegenüber und regt eine größere Übernahme der administrativen Aufgaben durch den Dachverband SCV selbst an, wodurch sich Regionalverbände auflösen oder zusammenschließen könnten. Eine Entscheidung darüber, wie es im CVJK weitergeht, soll der nächste Verbandstag herbeiführen.

Bereits seit zwei Jahren ist der CVJK ohne Vizepräsident und Pressereferent und nun wird er auch ohne Schatzmeister sein, da die amtierende Schatzmeisterin Maria Schütte vorzeitig ihre Wahlperiode aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen beenden möchte. Auch die Schriftführerin Andrea Krause legt nach zehnjähriger Tätigkeit ihr Amt nieder. Das derzeit neunköpfige Präsidium, unter dem Vorsitz von Angelika Puritscher, die seit dem Jahr 2010 die Geschicke des CVJK lenkt, sieht sich von den angeschlossenen Vereinen wenig unterstützt. Immer wieder sind es die satzungsmäßigen Chortage, die zu Rücktritten von Verbandsfunktionären geführt haben. So trat auch die erste weibliche Verbandspräsidentin im CVJK Christine Schultheiß 2010 aus Verärgerung und Überlastung zurück.

Die Zusatzangebote im Verband würden laut Puritscher nicht nur den Publikumskreis vergrößern, sondern auch den Austausch in der Sängerschaft fördern. Dies gelte auch für die Übernahme von Funktionen auf Verbandsebene. Beim Opernprojekt der Chortage im Jahr 2014 seien die Chorsängern der Vereine gut vernetzt gewesen. Die hierzu angebotenen Stimmbildungskurse seien besonders von den Sängerinnen gut besucht worden. Dagegen schmelze im Kepler-Chorverband zunehmend die Zahl der Männerchöre wie Schnee in der Sonne, wobei zehn der Verbandsvereine reine Männerchöre seien, während es bisher - unter der überwiegenden Zahl der gemischten Chöre - nur vier Frauenchöre gebe.

Verband mit Jugendarbeit und Fortbildungen erfolgreich

Die Zielsetzung des Chorverbands ist es auch, in jedem Verein Jugendarbeit zu etablieren. Sei es durch Kooperationen mit Schulen und Kindergärten oder der Einrichtung eigener Kinder- und Jugendchöre. Mittlerweile engagierten sich die Hälfte der CVJK-Vereine. Die Verantwortlichen im Chorverband stellen fest, "dass wir mit Angeboten, wie dem kostenfreien ,Caruso-Seminar - Jedem Kind seine Stimme' viele Teilnehmer ansprechen, wobei diese Veranstaltungen ausgebucht waren." Während der letzten Monate verschenkte der CVJK die Liedkalender der Stiftung "Singen mit Kindern" an Kindergärten im Altkreis.

Neben der frühmusikalischen Erziehung ist den Chorverbänden das Singen mit Senioren ein großes Anliegen. Hierfür werden regelmäßig gezielte Seminare für Leiter von Seniorenheimen angeboten. Erfreulicherweise etablierten sich gesellige Singkreise in einigen Chorvereinen mit einem Nachmittagsangebot, das nicht nur Senioren ansprechen soll. Vereinscoachs wurden vom Dachverband ausgebildet, um Vereine in ihren Planungen zu unterstützen. Der derzeit angebotene Vizechorleiterkurs des CVJK erfreut sich laut Präsidium mit zehn Teilnehmern großer Beliebtheit.

"Der Vorteil einer Verbandszugehörigkeit beschränkt sich auf die Übernahme der GEMA-Kosten bei Konzerten, den Versicherungsschutz für seine Mitglieder, die finanzielle Chorleiterförderung, die Ehrung langjähriger Mitglieder und Funktionsträger, regelmäßige Informationsschriften über das Chorsingen", so Puritscher. Die Gemeinschaft biete eine Reihe von Fortbildungsveranstaltungen und Auftrittsplattformen zur Begegnung mit anderen Chören. Die Satzungen der Verbände ließen zudem Chorensembles zu ohne Vereinsstatus. Auch für Schulchöre sei die Aufnahme in den Chorverband interessant, da es eine besondere Jugend- und Chorleiterförderung gibt.

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