Ein Warnschuss vor den Bug für Ehningen

Einsatzbericht des Feuerwehrkommandanten im Gemeinderat ruft Erinnerungen an das Jahr 1978 wach

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    Die nächtliche Szenerie zeigt die Seenlandschaft, die sich in der Ehninger Ortsmitte Anfang Juni wegen anhaltender Regenfälle bildete Foto: Stüven

Von Matthias Weigert

Artikel vom 19. Juni 2013 - 17:42

EHNINGEN. "Eine Regenstunde mehr und es wäre genauso schlimm gekommen wie im Hochwasserjahr 1978", bringt Thomas Feuchter die Situation vor gut zwei Wochen in Ehningen auf den Punkt, als er dem Gemeinderat am Dienstagabend Rede und Antwort steht. Doch Land unter hieß es nach den ergiebigen Regenfällen Anfang Juni trotzdem. Am Ende waren nicht nur Stücker 50 Keller von den Floriansjüngern und ihrem Einsatzgerät leer gepumpt. Mindestens genau so viele Keller wurden in Eigenregie von Anwohnern trocken gelegt und mit Sandsäcken bewehrt.

"Die Deckenpfronner Feuerwehrkameraden bekamen blutige Hände beim Sandsäcke füllen", schilderte Feuchter dem Gemeinderat die Einsatzfreude. Allerdings hätten nicht alle Ehninger die Einsatzkräfte pfleglich behandelt: Weil die Anwohner die Sandsäcke beim Feuerwehrgerätehaus selbst abholen mussten, wurden ihnen demnach sogar vereinzelt Schläge angedroht, obwohl auch auf Privatgelände einige Hausaufgaben anstünden. Mitunter liefen nämlich die Keller nicht des Hochwassers wegen voll, sondern laut Feuchter aufgrund aufsteigendem Grundwasser oder defekter Rückstauklappen in der Abwasserleitung.

Bereits vier Wochen zuvor hatte die Würm Hochwasser geführt, doch an dem Wochenende 30. Mai/2.Juni schwoll auch der Krebsbach an. Am Nadelöhr Brücke Hildrizhauser Straße war dann die Oberkante erreicht und die Wassermassen traten über das Ufer und fluteten den Obsthof Kempf. Das Wasser suchte sich seinen Weg über den Schlosshof, strömte auf die Hildrizhausener Straße und in die Tal- und Burgwiesenstraße. 28 Pumpen und 4000 Sandsäcke verhinderten Schlimmeres. Erst gegen 3 Uhr zeichnete sich laut Einsatzbilanz eine Entspannung ab. Über 150 Einsatzkräfte aus Ehningen, Gärtringen, Aidlingen, Holzgerlingen, Böblingen und Herrenberg waren im Einsatz.

"Die Vorkommnisse bestätigen, dass Ehningen ein Hochwasserproblem hat", warnte Bürgermeister Unger in der Ratsrunde. Dies zeige auch die Hochwassergefahrenkarte des Landes. Die Ausarbeitung für Ehningen sei während des Einsatzes eine wertvolle Grundlage gewesen. "Bereits in der 80er Jahren gab es Pläne für Rückhaltebecken, die wegen der Kosten nicht umgesetzt wurden", ärgerte sich CDU-Gemeinderat Rainer Klein. Aufwind-Gemeinderat Dr. Thomas Ritter sieht das Problem eher bei den Besitzern von möglichen Überflutungsflächen, die die Maßnahmen wegen wirtschaftlicher Interessen ablehnten.

Dem Hochwasserproblem nahm sich Ehningen bereits vor dem Hochwasserereignis wieder an. Ein Gutachten des Wasser-verband Würm mit den Mitgliedsgemeinden Nufringen und Ehningen sowie dem Landkreis als Partner ist in Arbeit. Das Gutachten soll auch bauliche Maßnahmen aufzeigen (siehe nebenstehenden Artikel).

Viel Lob spendete Unger den Einsatzkräften. Der Schultes kritisierte aber die Entscheidung der Verkehrsbehörde, die Straße nach Mauren offen zu lassen - trotz Überflutungen von bis zu 30 Zentimetern, bei denen das Wasser den Hang herunter kam.

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