Hilfstransport rollt von Böblingen nach Lesbos

Die Hilfsaktion der Sindelfingerin Viola Zahiri füllte einen ganzen 40-Tonner der Böblinger Spedition Logistics Group International. Der ist bereits unterwegs ins Flüchtlingslager Moria, um das Leid der Menschen dort zu lindern. Die Initiatorin ist überaus dankbar.

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    Rund 15 Tonnen Hilfsgüter sind durch die Aktion von Viola Zahiri (Mitte) jetzt unterwegs. Auch dank vieler Helfer - und der Logistic Group International mit Lagerleiter Hans König (vorne rechts) Foto: STS

Artikel vom 29. November 2020 - 19:00

BÖBLINGEN/LESBOS (red/jps). Am Ende ging es schnell: Der 40-Tonner war innerhalb einer halben Stunde vollgeladen mit insgesamt 24 Paletten an Hilfsgütern, und für den Fototermin blieb kaum noch Zeit. Am vergangenen Freitag war es um Punkt zwölf dann soweit: Die Sindelfingerin Viola Zahiri versammelte ihre Helfer bei der Logistics Group International auf der Böblinger Hulb. Kurz darauf musste der 40-Tonner auch schon losrollen.

Über die Kreiszeitung hatte Zahiri Mitte Oktober einen Aufruf gestartet, um einen Hilfstransport auf die griechische Insel Lesbos zu organisieren. Dort harren derzeit 13 000 Geflüchtete aus, darunter 4000 Kinder. Eine Brandkatastrophe hatte im Sommer vieles von dem wenigen, das die Menschen noch besaßen, zerstört. Dabei konnte die 37-jährige Architektin nicht tatenlos zusehen und wollte den Menschen dringend benötigte Güter zukommen lassen.

Was ihr damals fehlte: Ein Lastwagen samt Fahrer, eine Lagerfläche für die Hilfsgüter und natürlich Spenden, um selbige vergünstigt bestellen zu können.

All das kam in der Zwischenzeit zusammen, und die Spendenbereitschaft der Bevölkerung war übergroß. "Mein Glaube an die Menschheit ist wiederhergestellt. Ich bin überwältigt von so viel Selbstlosigkeit, dem Einsatz der Helfer und den Bergen an Sachspenden, die uns erreicht haben", sagt sie. Und bedankt sich ausdrücklich bei den vielen Helfern: "Es ist kein Alleinverdienst, sondern eine gemeinschaftliche Leistung, die die Aktion und Unterstützung jedes einzelnen gebraucht hat, um so weit zu kommen. Es ist unser Projekt, ich bin nur der Kopf des Tausendfüßlers." An drei Terminen im November nahm sie Sachspenden im Hof der Kreiszeitung an. Ein geplanter vierter wurde abgesagt - der Platz im LKW reichte nicht mehr aus.

Am Ende dürften es zwischen 12 und 15 Tonnen insgesamt sein, die die Bevölkerung aus dem Kreis Böblingen ins Flüchtlingslager nach Griechenland schickt. "Vor allem die zwei Paletten mit Babynahrung hatten es in sich, die waren ziemlich schwer", sagt LGI-Lagerleiter Hans König, der die Aktion betreut hat. "Es waren auch sehr viele Kinderwägen dabei", staunt er. Diese werden in dem Lager auf Moria tatsächlich dringend benötigt. Parallel liefen auf das Konto des Vereins Pro Vita insgesamt 4280 Euro an Geldspenden ein, mit denen Zahiri vor allem Babynahrung, Hygieneartikel und Atemschutz-Masken besorgen konnte. "Vom Geld konnten die Dinge hinzugekauft werden, die nicht oder nur wenig gespendet, jedoch dringend benötigt werden, etwa Medizin", bedankt sie sich.

Seriöse Organisation erhält die Hilfsgüter vor Ort

Die Güter gehen an die Hilfsorganisation "One Happy Family", die dafür bekannt ist, vor Ort schnell und unkompliziert Hilfe zu leisten. "Uns war wichtig, mit einer seriösen und anerkannten Organisation vor Ort zusammenzuarbeiten", sagt Viola Zahiri. Erst nach einiger Recherche sei sie fündig geworden. Jetzt komme die Hilfslieferung in gute Hände, ist sie sich sicher. Die Fahrt selbst bestreitet der 70-jährige Plastiras Kelesidis, selbst griechischer Herkunft. Er rollte am Freitag um die Mittagszeit los in Richtung Salzburg, weiter nach Slowenien, Kroatien und Serbien bis nach Griechenland. Mindestens zwei Tage wird er unterwegs sein, schätzt er. Seine Herkunft hilft ihm: Kelesidis stammt aus der griechischen Stadt Kavala, so fällt der Kontakt zu Behörden vor Ort leichter.

Die unabhängige Spedition Jago, die den Transport im Auftrag der LGI durchführt, hat in der Vergangenheit schon häufiger Hilfstransporte nach Griechenland gefahren. Die Spedition kennt demnach alle Vorschriften und bürokratische Hürden, die dabei zu überwinden sind. Die Fahrt ist daher beinahe Routine.

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