"Unternehmenslenker mit Weitsicht"

Werner Stauß, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Böblingen, ist im Alter von 89 Jahren gestorben.

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    Werner Stauß am Schreibtisch seines Büros in der Kreissparkasse Böblingen Foto: red

Artikel vom 20. August 2020 - 08:06

BÖBLINGEN/HOLZGERLINGEN (red/mmü). Die Kreissparkasse Böblingen trauert um ihren ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und die Stadt Holzgerlingen um ihren langjährigen Gemeinderat, ersten stellvertretenden Bürgermeister und Träger der Holzgerlinger Ehrenmedaille: Werner Stauß ist am Montag im Alter von 89 Jahren verstorben.

"Mit Dr. Werner Stauß verlieren wir eine engagierte, vorausschauende und geschätzte Führungspersönlichkeit, der die Kreissparkasse Böblingen viel zu verdanken hat", sagte Detlef Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Böblingen.

Bereits im Jahr 1969 trat der promovierte Wirtschaftswissenschaftler als Vorstandsmitglied in das Kreditinstitut ein, dessen Leitung er 1972 übernahm. "Er prägte mit seinen Entscheidungen eine dynamische Phase des Wachstums und baute die Kreissparkasse zu ihrer heutigen Größe und Rolle in der Region auf. Dazu zählte auch die gelungene Fusion der Kreissparkasse Böblingen mit der damals noch selbständigen Kreissparkasse Leonberg im Zuge der Kreisreform", heißt es in einem Nachruf des Kreditinstituts. "Er war ein Unternehmenslenker mit Weitblick, hoher fachlicher Kompetenz und ausgeprägter Leidenschaft für die Kunden, die Sparkasse und den Kreis", schreibt Landrat Roland Bernhard, Verwaltungsratsvorsitzender der Kreissparkasse.

"25 Jahre lang führte Dr. Werner Stauß das Institut mit großem Erfolg bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1994. Auch nach seinem Ausscheiden war er der Kreissparkasse stets eng verbunden. Neben seinem beruflichen Einsatz engagierte er sich auch für die Gesellschaft - an seinem Wohnort Holzgerlingen und bei der Industrie- und Handelskammer", so die Kreissparkasse weiter. Dafür erhielt Stauß die Holzgerlinger Ehrenmedaille und das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Bis zuletzt war Werner Stauß geistig auf der Höhe der Zeit - die tägliche Zeitungslektüre war Pflicht und die Ereignisse rund um seine Heimatstadt Holzgerlingen immer einen Kommentar wert. Von seinen Mitbürgern wurde er ehrfurchtsvoll auch schon mal als "die graue Eminenz von Holzgerlingen" tituliert. "Die Stadt Holzgerlingen gedenkt dem Verstorbenen in tiefer Trauer und dankt ihm für seine große Weitsicht zum Wohle unserer Gemeinschaft und seine entscheidende Befürworterrolle auf dem Weg zur Stadterhebung Holzgerlingens. Er bleibt für immer ein Holzgerlinger Vorbild", verneigen sich Bürgermeister Ioannis Delakos und sein Stellvertreter Eberhard Binder in einer Traueranzeige. Seine Urteilskraft und schnelle Auffassungsgabe waren zeitlebens gefragt.

Werner Stauß wurde 1965 erstmals in den Holzgerlinger Gemeinderat gewählt und gehörte diesem Gremium in den darauffolgenden acht Wahlperioden über 38 Jahre lang an - davon viele Jahre als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler.

Die Liebe zu seiner Heimatstadt hat viele weit reichende Entscheidungen, an denen er mitgewirkt hat, zu echten Herzensangelegenheiten gemacht. Der Bau an der städtischen Infrastruktur mit allen Schultypen, Kindergärten, Sporthallen sowie die Stadtentwicklung Holzgerlingens wurden mit seiner Stimme umgesetzt. Wichtige Anliegen waren ihm der Kampf um den Bau und späteren Ausbau der B 464, die Realisierung des Golfplatzes auf dem Schaichhof und die Reaktivierung der Schönbuchbahn.

Holzgerlingen trauert um seinen langjährigen Gemeinderat

Sein kommunalpolitisches Wirken gipfelte darin, dass Werner Stauß über 23 Jahre ehrenamtlich als Erster Stellvertreter des Bürgermeisters fungierte. In dieser Funktion stand er von Oktober 1985 bis Februar 1986 in besonderer Verantwortung als er kommissarisch die Leitung der damaligen Gemeindeverwaltung übernahm: bis zum Amtsantritt des Bürgermeisters Wilfried Dölker, für den er dann ein enger und konstruktiver Weggefährte und "ein ganz großer Unterstützer" sein sollte. Zwar sei man nicht immer in allen Punkten einer Meinung gewesen, so Dölker, doch habe dies seiner Zugewandtheit und unbedingten Zuverlässigkeit keinen Abbruch getan.

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