Böblingen: Verdächtiger Fund auf der Baustelle des Seecarrés

Bei Baggerarbeiten im Zentrum von Böblingen stoßen Bauarbeiter in 4,5 Metern Tiefe auf einen verdächtigen Gegenstand aus Stahl.

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    Auf diesem Gelände wurde bereits am vergangenen Freitag ein verdächtiger Gegenstand aus Stahl in 4,5 Metern Tiefe gefunden. Foto: Stefanie Schlecht

Von Jan-Philipp Schlecht

Artikel vom 21. Juli 2020 - 15:50

BÖBLINGEN. Bei den kürzlich begonnenen Bauarbeiten für das neue Seecarré in der Herrenberger Straße in Böblingen sind Arbeiter im Untergrund auf einen verdächtigen Gegenstand aus Stahl gestoßen. Bisher ist unklar, um was es sich dabei handelt. Es könne sowohl eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg sein oder deren Überreste, als auch ein verschütteter Stahlträger. Diese Anomalie im Untergrund wurde bei routinemäßigen Probebohrungen in 4,5 Metern Tiefe entdeckt.

Am heutigen Dienstagmorgen fand eine erste Besprechung gemeinsam mit verschiedenen Einsatzkräften, dem Kampfmittel-Beseitigungsdienst und den Verantwortlichen der Stadtverwaltung Böblingen statt. Mit einer Begehung vor Ort ist anschließend eine kampfmitteltechnische Untersuchung eingeleitet worden. Gleichzeitig sind zeitlich intensive Vorbereitungen für das weitere Vorgehen angelaufen –  zum Beispiel das Ermitteln und Analysieren eines möglichen Evakuierungsgebiets oder die Koordination von weiteren Maßnahmen. Das teilt die Stadt Böblingen mit.

Nun soll es weitere Untersuchungen geben, um Klarheit über den Gegenstand zu bekommen. Allerdings scheinen die Verantwortlichen keine allzu große Eile damit zu haben, denn voraussichtlich will man sich erst am 8. August vorsichtig zu dem Gegenstand vorgraben und ihn freilegen. Sollte sich dann der Verdacht bestätigen, dass es sich um einen zu entschärfenden Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg handelt, soll die Entschärfung tags darauf am Sonntag, den 9. August vonstattengehen. Bis dahin bestehe keinerlei Gefahr für die Bevölkerung, versichert die Stadt in einer Pressemitteilung.

Kommt es zur Entschärfung am 9. August müssten die umliegenden Quartiere evakuiert werden, um die Bevölkerung im Falle einer unkontrollierten Detonation in Sicherheit zu wissen. Wie groß aber der zu evakuierende Radius wäre, hängt von der Größe des Blindgängers ab. Die US Air Force und die Royal Navy warfen über dem Stadtgebiet in den letzten Kriegsjahren Bomben zwischen 50 und 250 Kilogramm ab. Je größer die Bombe, desto größer der Evakuierungsradius.

Da es sich um Flächenbombardements handelte, kommt es bei Baggerarbeiten in Böblingen und Sindelfingen immer wieder zu Bombenfunden. Seit 2016 mussten betroffene Anwohner schon zweimal evakuiert werden. Einmal bei einem Zufalls-Fund am 26. März 2018, zuvor bei Bauarbeiten zum Schönbuchbahn-Betriebshof in der Talstraße am 24. Februar 2017.

Das zu erwartende Szenario ist daher in etwa absehbar. Handelt es sich um einen 50-Kilogramm-Blindgänger, betrüge der Evakuierungsradius wohl 200 Meter. Dies war zum Beispiel bei dem Bombenfund am 26. März 2018 der Fall, als ein Hobby-Archäologe auf einem Acker bei der Genker Straße durch Zufall auf einen Blindgänger stieß. Ob diesmal die Kongresshalle als Notunterkunft zur Verfügung stünde, hängt davon ab, ob sie selbst im Evakuierungsradius liegt.

Mögliche Entschärfung wohl erst in zwei Wochen

Wohl um die Einschränkungen für die Bevölkerung möglichst gering zu halten, plant die Stadt die mögliche Entschärfung und Evakuierung auf den Sonntag am 9. August zu legen. Dennoch befindet sich in unmittelbarer Umgebung eine dichte Wohnbebauung und das DRK-Seniorenheim "Haus am See". Sobald Klarheit über den Gegenstand und die erforderlichen Maßnahmen besteht, soll die Bevölkerung aber zeitnah und umfassend informiert werden, betonen die Verantwortlichen.

Auf dem Areal an der Herrenberger Straße baut derzeit die Böblinger Baugesellschaft das sogenannte Seecarré. Ein gemischtes Stadtquartier aus Miet- und Eigentumswohnungen mit einer Arztpraxis und einer Kindertagesstätte im Erdgeschoss sowie einer zweigeschossigen Tiefgarage. Der Spatenstich fand am 8. Juli statt, im Jahr 2023 soll das Gebäude bezugsfertig sein.

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