Nach Mord an Mutter: Endet demnächst Sicherheitsverwahrung für Mötzinger Künstler?

Der Prozess gegen Stefan E., der 2007 seine Mutter getötet hat, könnte rascher als gedacht enden

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    Der angeklagte Skulpturenkünstler Stefan E. fordert Justitia zum wiederholten Mal Foto: red

Artikel vom 26. Mai 2020 - 11:00

Von Bernd Winckler

STUTTGART/MÖTZINGEN. Das Sicherungsverwahrungs-Verfahren gegen den Mötzinger Skulpturenkünstler Stefan E. vor dem Stuttgarter Landgericht scheint bereits Anfang Juni zu Ende zu gehen. Der Verteidiger des 52-Jährigen ist absolut sicher, dass die vom Staatsanwalt angestrebte Sicherungsverwahrung nicht verhängt werden kann und deshalb Stefan E. freigelassen werden muss.

Schon einmal hat die 1. Große Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts vor elf Jahren einen ähnlichen Antrag der Staatsanwaltschaft auf nachträgliche Verhängung der Sicherungsverwahrung gegen einen verurteilten Straftäter abgelehnt. Allerdings wurde diese damalige Entscheidung von einem anderen Vorsitzenden Richter erlassen.

Jetzt sitzt eine Richterin als Kammervorsitzende in dem von Straftätern gefürchteten Gremium. Ob sie sich an die Vorgaben ihres Vorgängers orientiert und vor allem auch an den Vorgaben des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, der die nachträgliche Verwahrung strikt ablehnt, ist ungewiss. Und die Frage dabei ist auch, ob sich die bundesdeutschen Richter überhaupt an die Urteile des EGMR gebunden fühlen.

Seine 13-jährige Strafe hat der 52-Jährige abgesessen

Der Verteidiger von Stefan E. hingegen meint, dass diese Vorgaben zwingend beachtet werden müssen. Das hat auch damals dieselbe Strafkammer so gehandhabt und die nachträgliche Sicherungsverwahrung gegen einen wegen Totschlags verurteilten Täter, der die Strafe abgesessen hatte, abgelehnt. Auch Stefan E. hat die wegen Totschlags an seiner Mutter in Mötzingen verhängte 13-jährige Haftstrafe verbüßt. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass E. auch nach dieser Haftverbüßung eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

Immer noch eine Gefahr für die Allgemeinheit?

Diese wichtige Frage wird der Sachverständige an einem der kommenden Prozesstage beantworten. Derzeit befassen sich die Richter jedoch mit der Strafvollzugs-Literatur über das Verhalten des Beschuldigten im Vollzug. Am gestrigen Prozesstag mussten die Richter jedoch vier Stunden auf die Vorführung von Stefan E. warten, weil die Haftanstalt keine Transportfahrzeuge zur Verfügung hatte.

Auf dem Herrenberger Skulpturenpfad sind unter anderem zwei Werke von Stefan E. zu finden. Der jetzt 52-Jährige gilt bundesweit in der Kunst-Fachwelt seit vielen Jahren als begabter Maler und Bildhauer. Seine Werke hängen in vielen Kunstgalerien.

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