Vermeintlicher Täter kommt frei

Buch-Tipp

Artikel vom 08. Mai 2020 - 18:54

Von Roland Häcker

Die erfolgreiche amerikanische Krimi-Autorin Alafair Burke (Jahrgang 1969) hat berufliche Erfahrung als Staatsanwältin. Es liegt also nahe, dass sie ihre Romane im juristischen Milieu ansiedelt.

In ihrem neuesten Buch geht es um zwei Schwestern: Nicky, die ältere, hatte in ihrer Jugend allerhand Probleme, Chloe, ihre jüngere Schwester, war Vaters Liebling. Dessen Schwächen hat sie nicht gesehen oder übersehen. Zu ihrer Schwester Nicky hat Chloe seit Jahren ein gespanntes Verhältnis. Im Roman übernimmt sie über weite Strecken die Rolle einer Ich-Erzählerin, die dem Leser manches vorenthält. Beruflich hat Chloe großen Erfolg mit feministischen Themen in einer Frauenzeitschrift. Verheiratet ist sie mit dem Juristen Adam, dessen vorherige Ehe mit Nicky zerbrochen ist. Chloe zieht als Stiefmutter Ethan auf, den Sohn ihrer Schwester. Eines Abends, nach der Rückkehr von einer Party, findet sie Adam erstochen auf. Zunächst gerät Ethan in Verdacht, weil sein Verhältnis zum strengen Vater sehr gespannt war. Der Prozess gegen den 16-Jährigen vor dem Geschworenengericht gibt dem deutschen Leser subtile Einblicke ins amerikanische Rechtswesen. Dank einer geschickten Anwältin wird Ethan freigesprochen. Aber wenn nicht er, wer war dann der Täter? Hängt der gewaltsame Tod Adams mit dessen Rolle bei der Aufdeckung zwielichtiger Geschäfte eines Mandanten zusammen? Oder war es Chloes heimlicher Liebhaber, der den Ehemann aus dem Weg geräumt hat?

Die Autorin schafft es, die Antwort bis fast zum Schluss geheim zu halten. Ein flott geschriebener, unterhaltsamer Roman, eher ein Krimi denn ein Thriller. Aber das weiß man erst, wenn man das Buch zu Ende gelesen hat.

Alafair Burke: "Die perfekte Schwester". Verlag Aufbau, 2020.
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