In der Hamster-Hölle

Das Virus und wir

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    Als Tier unheimlich liebenswert, in menschlicher Form nicht ganz so: der Hamster. Foto: Unsplash
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    Leeres Corona-Regal im Supermarkt. Foto: edi

Artikel vom 24. März 2020

Das Coronavirus bestimmt unseren Alltag. Die vielen kleinen Geschichten rund um unser Leben mit dem Virus fasst die Redaktion der Kreiszeitung künftig in dieser täglichen Rubrik zusammen.

24. März: Alles jagt nach dem vierlagigen weißen Gold

Grenzerfahrungen im Supermarkt: Shoppen ist für viele Männer so eine Art Grenzerfahrung. Das gilt auch für mich und in diesen schwierigen Zeiten noch viel mehr. Was den Einkauf derzeit aber erst wirklich zur Hölle macht, sind diese verdammten Hamsterkäufer. Mehl und Hefe stehen auf meinem Einkaufszettel. Beides ist restlos ausverkauft. Nur noch Trockenhefe hat die Verkäuferin im Döffinger Edeka für mich im Angebot. "Ja, die ist gerade genauso wertvoll wie Klopapier", lächelt sie.

Oh, apropos Klopapier! Davon soll ich auch eine Packung mitbringen. Ich habe Glück: Die Frau, die vor mir ans Regal kommt, hat offenbar gerade ihre maximale Traglast von drei Großpackungen erreicht. Sie lässt genau eine im Regal liegen. Mit einem Panthersatz stürze ich mich auf das vierlagige weiße Gold, vollführe ein kleines Siegestänzchen und stolziere mit der Beute zu meinem Einkaufswagen. Danach werde ich allerdings sehr unentspannt, weil ich ständig argwöhnisch wie der Giftzwerg Gollum aus "Der Herr der Ringe" auf meinen Wagen schiele, immer in Angst, jemand könnte ihn mir wegschnappen - meinen Schaaaatz.

Der restliche Einkauf geht gerade so weiter: Einige Regale sind komplett leer geräumt, in anderen gibt es alles im Überfluss. Ohnehin ist das ganze Hamstern völlig lächerlich. Die Mitarbeiterinnen karren nämlich unablässig neue Waren aus dem Lager an. Was heute nicht da ist, kommt morgen mit dem Laster. Ein Lebensmittelnotstand sieht anders aus. Dennoch geht der Einkaufswahn offenbar ungebremst weiter. Die Waren, die in dem Döffinger Edeka-Laden derzeit verkauft werden, entsprechen 150 Prozent der Menge, die sonst während des Weihnachtsgeschäfts üblich sei, erzählt mir eine Mitarbeiterin. Ungläubig schüttele ich den Kopf.

Auf dem Weg zur Kasse komme ich nochmal am Klopapierregal vorbei. Der kurzfristige Engpass ist anscheinend schon wieder vorbei: Jemand hat die Bestände aufgefüllt. Dann fällt mir ein, dass zu Hause ein noch viel wichtigeres Gut zur Neige geht. Also laufe ich noch schnell in die Getränkeabteilung und stelle erleichtert fest, dass noch jede Menge Bier vorrätig ist. Mit Ausnahme von einem Regal. Ich schaue genauer hin und lese, was auf dem Schild steht: War ja klar . . . "Corona". (edi)

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