Vom Husten, Prüfen und Laufen

Das Virus und wir

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Artikel vom 18. März 2020 - 16:30

Das Coronavirus bestimmt unseren Alltag. Die vielen kleinen Geschichten rund um unser Leben mit dem Virus fasst die Redaktion der Kreiszeitung künftig in dieser täglichen Rubrik zusammen.

18. März: Teststellen-Check und Joggen mit dem Sohne

Hilferuf aus der Isolation: Wer dieser Tage die Seiten der Tageszeitung füllt, muss viel Verständnis aufbringen - auch für überlastete Pressestelle, die keine Anfragen mehr beantworten, sondern nur noch Pressemitteilungen verschicken. Da bleibt leider zunächst auch die Frage unbeantwortet, ob die Teststellen im Landkreis denn überfordert sind aufgrund des Ansturms? Immerhin erreichte die Redaktion ein Hilferuf aus der Isolation. Die hustende Frau und ihr fiebriger Sohn sitzen wie es sich gehört nach ihrer Skifreizeit in Tirol schön zuhause, und zwar seit dem 6. März. Allerdings immer noch ohne Befund, klagt die Hilfesuchende.

Der Hausarzt hätte Anfang letzter Woche nicht auf Corona testen wollen, weil Ischgl zu dem Zeitpunkt noch kein Risikogebiet war. In der Tat scheint die Praxis in den Praxen recht verschieden. Während die Frau wohl im Wartezimmer saß und ohne Test wieder nach Hause geschickt wurde, hatte die kranke Tochter des Schreiberlings da mehr Glück, als sie zu ihrem Hausarzt ging und in der Praxis in einem separaten Raum auf den Bluttest wartete. Sie urlaubte nicht in Italien oder Tirol, sondern in Marokko und fing sich dort eine stinknormale Grippe ein, wie der Test ergab und so für Gewissheit sorgte. Aber glücklicherweise gibt es ja zumindest theoretisch zwei Teststellen im Landkreis Böblingen für die Hilfesuchende. Doch auch dort öffnete sich bis dato für sie keine Tür.

Immerhin: Am Montag und Dienstag gab es jeweils einen Anruf aus dem Gesundheitsamt, der vielleicht Trost spenden sollte, aber jeweils ohne Terminabsprache endete. Mit dem Verdacht an Corona erkrankt zu sein, müssen derzeit viele leben. In der 13-köpfigen Skigruppe wurden nach Ischgl bisher wohl nur zwei Teilnehmer getestet - der eine positiv, der andere negativ. Das macht in der Redaktion etwas nachdenklich. Schließlich werden der Gesellschaft und Wirtschaft drastische Einschränkungen auferlegt. Da sollten staatliche Stellen auch alles in Bewegung setzen, damit schnelle Tests möglich sind und nicht bald die ganze Nation sich selbst in Quarantäne stellen muss. (wei)

Joggen im Zombieland: Wer sporttreibende Kinder zu Hause hat, der hat derzeit ein Problem. Ob in der Halle, auf Sportplätzen oder im Schwimmbad. Überall ist der Trainingsbetrieb bis mindestens nach den Osterferien ausgesetzt. Da bleibt eigentlich nur eins: Raus ins Grüne mit dem Nachwuchs. Da seit gestern auch die Schule geschlossen hat und der Papa von zu Hause aus arbeitet, kann man direkt nach dem nicht mehr ganz so frühmorgendlichen Kakao eine schicke Laufeinheit einschieben. Ein wenig merkwürdig fühlt es sich allerdings schon an, zu einer Zeit, in der Schulkinder normalerweise im Klassenzimmer sitzen, mit dem Sohn durchs Grüne zu traben. Zumal um einen herum die Virusepidemie fast den ganzen Alltag lahmlegt. Alles ist so merkwürdig still. Wer ein Faible für Endzeit- und Zombie-Serien hat, den beschleicht in solchen Momenten ein ungutes Gefühl. Und wenn einem dann doch mal ein anderer Jogger oder Gassigeher mit neugierig schnupperndem Hund entgegenkommt, dann fühlt sich das ein bisschen so an, als wäre man nach einer Ewigkeit ohne menschlichen Kontakt endlich wieder auf eine andere einsame Seele gestoßen. (edi)

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