Sanierung: Die herzöglichen Pirschgänge im Böblinger Wald

Vor fast 300 Jahren angelegt, werden die Pirschgänge im Böblinger Wald nun noch bis Frühjahr saniert

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    Die Witterung hat dem Stein zugesetzt

Artikel vom 14. Januar 2020 - 17:37

BÖBLINGEN (red). Versteckt im Böblinger Wald, auf dem heutigen Truppenübungsplatz der US Army, gab es im 18. Jahrhundert höfisches Jagdgeschehen. Der von 1733 bis 1737 regierende Herzog Carl Alexander ließ unterirdische Pirschgänge anlegen, um unabhängig von der Witterung seiner Jagdleidenschaft nachgehen zu können. Diese Gewölbe sind mit etwa zwei Metern Höhe, etwa einem Meter Breite und ihren Lichtöffnungen im Abstand von zwei Metern als "Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung" in das Denkmalbuch eingetragen. Nachdem die Anlage zusehends verfallen war, sollen die herzoglich-württembergischen Pirschgänge nun mit einer aufwendigen Sanierung für die kommenden Generationen erhalten werden. Mit der Fertigstellung wird im Frühjahr 2020 gerechnet.

Die Arbeiten waren im Herbst des vergangenen Jahres gestartet. Eine Großübung der US-Streitkräfte war der Grund für den leicht verspäteten Beginn. Wie das Landratsamt berichtet, kommen die Arbeiten derzeit aber gut voran. In einzelnen Abschnitten wurden die Wandflächen neu verfugt und die Mauerkronen teils ergänzt, teils neu aufgemauert. Wo Mauersteine fehlten, wurden diese neu eingepasst. In manchen Bereichen wird das Mauerwerk freigelegt und die Oberseite des Gewölbes so ausgebildet, dass das Oberflächenwasser gut abfließen kann. Derzeit ist das Vorankommen abhängig von der Witterung - bei Temperaturen dauerhaft unter fünf Grad Celsius können keine Arbeiten an Fugen und mit Mörtel ausgeführt werden.

Ein Besuch der Baustelle ist weiterhin nicht möglich, da diese im Bereich des Übungsgeländes der US-Armee liegt. Nach Abschluss der Arbeiten soll die Anlage der Öffentlichkeit vorgestellt werden, kündigt das Landratsamt an.

Kosten von rund 160 000 Euro

Die Kosten hatten sich nach der Ausschreibung aufgrund der gestiegenen Baukosten deutlich höher dargestellt als zunächst angenommen. Insgesamt wird die Sanierung auf voraussichtlich rund 160 000 Euro kommen. Die Kostenverteilung wurde zwischen den Beteiligten, dem Landesamt für Denkmalpflege, der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der Stadt Böblingen und des Landkreises Böblingen besprochen und die Mehrkosten anteilig aufgeteilt. Der Anteil von Stadt beziehungsweise Landkreis beläuft sich nach der aktuellen Kostenschätzung auf jeweils 16 500 Euro.

Das Sanierungsprojekt ist eine Kooperation zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, dem Staatlichem Hochbauamt, dem Landkreis sowie der Stadt Böblingen, der US Army sowie dem NABU Baden-Württemberg, dem Schwäbischen Heimatbund und dem Schwäbischen Albverein.

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