Nöte der Böblinger Bauern hautnah erlebt

Drittklässler der Paul-Lechler-Schule beim Mitmachrollenspiel in der Zehntscheuer

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    Die Schauspieler lassen die Kinder ins Mittelalter zurückreisen Foto: red

Artikel vom 30. Oktober 2019 - 15:48

BÖBLINGEN (red). Im Halbdunkeln sitzen 18 Schüler verkleidet als Bauernkindern im Halbkreis auf dem Boden und folgen aufmerksam dem Schauspiel: Eine freundliche Bäuerin in einfachem Gewand steht in einer ärmlichen Küche und erklärt, dass die drei Getreidesäcke an der Wand der einzige Wintervorrat für die achtköpfige Familie sind. Plötzlich betritt ein Ritter die Küche und verlangt die Abgabe für den König und schleppt einen Sack fort. Verängstigt und ratlos bleiben die Bäuerin und ihre Kinder zurück.

Hautnah dabei sind Drittklässler des Förderschulzweigs der Paul-Lechler-Schule, sie erleben die Geschichte im Rahmen eine Mitmachrollenspiels. Möglich wird diese anschauliche Unterrichtseinheit durch das Projekt Lokale Bildungsnetze Böblingen (LoBiN), das Janina Ulmer bei der Stadtverwaltung leitet. LoBiN hat sich Chancengleichheit im Bildungsbereich und den Ausgleich individueller Bildungsnachteile zum Ziel gesetzt.

In der beschriebenen und einigen weiteren Szenen erleben die Schüler die damalige Not der Böblinger Bauern und auch, wie sie sich zusammengeschlossenen haben, um gemeinsam gegen die Unterdrückung durch die Stände aufzubegehren. Dies wird im Anschluss gemeinsam mit den Kindern besprochen und pädagogisch aufbereitet.

Welche Verzweiflung und Willkür im ausgehenden Mittelalter geherrscht hat, wird für die Kinder im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar. Höhepunkt zum Abschluss bildet das Drucken von Flugblättern mit der mittelalterlichen Buchpresse. Die Organisatorin Janina Ulmer vom LoBiN lässt die Kinder an der Presse selbst Hand anlegen und freute sich, dass das Angebot so gut angenommen wird.

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