Geplante Flüchtlingsunterkunft in Böblingen: Erst nachdenken

Kommentar

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    An dieser Stelle in der Kremser Straße soll interimsweise eine Unterkunft für Geflüchtete entstehen. Grafik: KRZ

Artikel vom 20. September 2019 - 16:12

Von Michael Stürm

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, welche Reaktionen die Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen an der Kremser Straße hervorrufen wird: Wut, Empörung, Ablehnung. Warum gerade hier, warum in der Nähe einer Schule, warum überhaupt? Die Antwort ist einfach: Weil auch Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft leben und Menschen, die zu den Verlierern auf dieser Welt gehören, ein eingermaßen würdevolles Leben verdienen. Dass hierfür diejenigen Opfer aufbringen müssen, die von der globalen Schieflage profitieren, sollte eigentlich nicht zur Debatte stehen.

Dennoch sind Abwehrreflexe wohl unvermeidbar, wenn irgendwo Container aufgestellt werden - auch wenn das nur übergangsweise geschieht. Genauso die zu erwartende Kritik daran, dass die Stadt nicht vorher die Anwohner informiert. Diese ist verständlich, hat aber auch einen genauso verständlichen Hintergrund: Eine Debatte über Standorte im Vorfeld führt zu keinem Ergebnis, da solche Pläne an keinem Ort der Stadt auf Verständnis und Wohlwollen treffen.

Helfen würde der Diskussion vielmehr, wenn Betroffene erst einmal nachdenken, bevor sie sich positionieren. Nachdenken darüber, dass es Menschen sind, wie wir alle, die in unserer Nachbarschaft untergebracht werden, und keine Sicherheitsrisiken. Und darüber, dass wir seit Jahren mit diesen Menschen zusammenleben. Zumeist friedlich und problemlos.